Drei Stunden lang redeten Edeka, Tengelmann und Rewe unter Moderation von Verdi über die Zukunft der Kaiser's Supermärkte. Das Ergebnis? Kein Ergebnis. Immerhin will man einen neuen Anlauf unternehmen. Dass Edeka die Kaiser's-Märkte komplett übernehmen wird, scheint aussichtslos.

Die Zukunft von Kaiser's Tengelmann bleibt ungewis. Nachdem ein Krisengipfel am Donnerstagabend keinen Durchbruch brachte, will der Aufsichtsrat von Tengelmann am Freitag die Lage der angeschlagenen Supermarktkette beraten. Das Gremium könnte dann die Weichen für eine Zerschlagung der tiefrote Zahlen schreibenden Supermarktkette stellen, hieß es zuletzt in informierten Kreisen. Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wären damit bis zu 8.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Am Donnerstagabend hatten sich die Chefs der Handelsketten Edeka, Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft getroffen, um über die Zukunft der Kette mit über 15.000 Arbeitsplätzen zu beraten. Nach drei Stunden vertagte sich die Runde. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen. Man sei sich einig, "die Gespräche zeitnah fortzuführen". Ein Termin oder Ort wurde dafür aber nicht genannt.

Die Zeichen stehen auf Zerschlagung

Ziel sei es, "eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden." Inhalte des Treffens drangen nicht nach außen. Doch schon vor dem Treffen standen die Zeichen für die Supermarktkette auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka schien immer unwahrscheinlicher.

Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, warb zuvor noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch. Auch andere Konzerne wie Tegut oder der Discounter Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen.

Betriebsrat ist hoffnungsvoll

Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert den Erhalt der defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der "Wirtschaftswoche". Für die Lage macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: "Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage."

Der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne stuft den Ausgang des Krisengipfels als hoffnungsvoll ein: "Dass die Teilnehmer gesagt haben, sie treffen sich wieder, ist ein positives Zeichen. Es heißt eigentlich, dass es heute nicht zu einem endgültigen Aus kommt." An diesem Freitagvormittag kommt der Aufsichtsrat von Tengelmann zusammen, um über die Lage zu beraten.
Nach wie vor hofft der Betriebsrat auf eine Komplettübernahme des Konzerns durch Edeka, "weil es die einzige Möglichkeit ist alle Arbeitsplätze zu erhalten", wie es Bohne formulierte.

Hohe Kosten und Personalschwund bei Kaiser's

Branchenführer Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen.

Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht.