Immer mehr stationäre Händler sind auch online aktiv. Über die Herausforderungen, die sich dadurch ergeben, tauschte sich die Branche auf einem EHI-Kongress aus.

Mit dem Thema Multichannel ist es eigentlich ganz einfach: Es ist nicht mehr die Frage, ob der stationäre Einzelhandel auch in den Onlinehandel einsteigt, sondern nur noch wann und wie - denn die Kunden erwarten eine Präsenz auf allen Vertriebskanälen.

"Der Anteil des Onlinehandels am gesamten Einzelhandelsumsatz wird im Jahr 2025 einen Umsatzanteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von bis zu 27 Prozent erreichen", prognostizierte Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute auf dem EHI Multichannel Management Kongress in Düsseldorf.

Denn der stationäre Handel und das Internetgeschäft werden der aktuellen EHI-Studie zufolge in Zukunft immer enger zusammenwachsen: Bereits heute betreibe jeder zweite der 1.000 größten Onlineshops in Deutschland auch stationäre Geschäfte. Zwei Drittel dieser Unternehmen hat seinen Ursprung im stationären Handel, ein Drittel dieser Unternehmen war zunächst nur online aktiv und hat dann eigene Ladengeschäfte eröffnet.

Umsatzgrenzen verwischen

"Schon heute lassen sich Online-Umsatz und stationärer Umsatz nicht mehr sauber voneinander trennen", ist Gerling überzeugt. "Viele Kunden informieren sich online, bevor sie stationär kaufen. Und viele probieren im Laden, was sie hinterher online bestellen."

Vor diesem Hintergrund kamen auch die obligatorischen Fragen aus dem Publikum nach dem Online-Umsatzanteil bei den referierenden Händlern nicht so gut an. "Das ist eigentlich die falsche Frage", sagte Lutz Spannuth von dem Schuhhandelsunternehmen Görtz direkt. "Der Kunde kauft nicht online oder stationär, er kauft bei Görtz. Es wird viel digital losgetreten, was in der Filiale dann geerntet wird. Somit ist die Frage nach dem jeweiligen Anteil am Umsatz relativ unwichtig."

Aktuelle Herausforderungen: IT und Mitarbeiter

Einig waren sich die referierenden Multichannel-Händler zudem, dass der schönste Shop nichts nutzt, wenn die Verzahnung der virtuellen mit der "echten" Welt nicht klappt – und dass genau das die größte aktuelle Herausforderung für Händler ist.

"Es ist relativ einfach, einen Webshop aufzusetzen oder ein Frontend-System auszutauschen", berichtete der Karstadt.de-Geschäftsführer Michael Melzer von der Multichannel-Strategie des Warenhausbetreibers. "Aber am Ende des Tages wird im Backend das Geld verdient – oder verloren."

Neben der IT-Verzahnung von stationärem Geschäft und Onlinefiliale, die sich bei vielen Multichannel-Händlern noch problematisch gestaltet, ist den meisten Händlern zufolge auch nicht zu unterschätzen, dass die Mitarbeiter bei dem Online-Einstieg "mitgenommen" werden müssen.

Bei aller Einigkeit, an dem Thema Onlinehandel nicht vorbei zu kommen, brach ein Händler gegen Ende des Kongresses dann doch noch einmal die Lanze für den stationären Handel: "Ich habe den schönsten Laden auf unserem Planeten", sagte Klaus-Dieter Weichbrodt, Leiter der Filiale von Globetrotter Ausrüstung in Köln.

Unter anderem ist das Eldorado für Outdoor-Fans mit einem 4,5 Meter tiefen Tauch- und Paddelbecken, einer bis auf -22 Grad dimmbaren Kühlkammer und einem Klettergarten ausgestattet. "Einzelhandel ist und bleibt eine sehr emotionale Angelegenheit", so Klaus-Dieter Weichbrodt. "Das kann das Internet nicht in gleichem Maße bieten."

Sybille Wilhelm

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