Matthias Händle, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Schuhfilialisten Reno, über die Folgen der Finanzkrise, Wachstum durch Franchising und Schuhgeschäfte in Teheran.

Der Schuhhandel hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Wie sind die Perspektiven für 2009?
Das ist natürlich schwierig zu sagen. Die Frage muss aber differenziert beantwortet werden. Denn nicht alle Vertriebskanäle entwickeln sich gleich: Wir hatten 2008 ein starkes Wachstum in Kooperationsflächen, etwa in SB-­Warenhäusern, während der traditionelle Fachhandel schwächelte. Was die Finanzkrise betrifft: Ich denke, dass sie bei den Konsumenten nicht die große Rolle spielen wird, die manche befürchten. Die günstige Entwicklung der Ölpreise ist für die Verbraucher viel wichtiger. Und man sollte nicht vergessen, dass die Krise auch Chancen für uns eröffnet - zum Beispiel im Immobilienmarkt, wo die Ladenmieten bereits dabei sind, sich auf einem vernünftigeren Niveau einzupendeln. Insgesamt denke ich, dass wir mit dem Jahr 2009 ganz zufrieden sein werden.

Werden die Schuhdiscounter am Ende die Gewinner sein?
Wir sind selbst als "Hard Discounter" gestartet, glauben aber, dass in Zukunft die Mitte des Marktes wieder an Bedeutung gewinnt - und zwar das untere mittlere Segment. Die Kunden zahlen für Qualität, dafür werden die Schuhe länger getragen. In den nächsten zwei Jahren wird die Zukunft im Schuhhandel geschmiedet, die Marktanteile verschieben sich. Wir passen uns dem Markt an.

Zu dieser Anpassung gehört bei Reno eine große Restrukturierung. Wie weit ist sie vorangeschritten?
Wir haben viel geleistet, die Restrukturierung ist aber noch nicht zu Ende. Wir haben seit dem Jahr 2000 insgesamt 350 Reno-Filialen geschlossen - und genauso viele wieder aufgemacht. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir zufrieden.

Zu Ihrer Strategie zählt neuerdings die Forcierung von Franchising. Warum?
Wir haben erkannt, dass der Kaufmann vor Ort eine wichtige Rolle spielt. Das Geschäft wird für den traditionellen Fachhandel aber immer schwieriger. Hier hilft das Fran­chisemodell - mit starken Marken und einer leistungs­fähigen Zentrale kann der Selbstständige einfach mehr ­erreichen. Für die Ausbildung der Partner haben wir eine eigene Akademie mit der Industrie- und Handelskammer entwickelt, in der wir ein Fernstudium anbieten.

Welche Ziele verfolgen Sie langfristig mit der ­Franchiseschiene?
Ich kann mir vorstellen, dass wir bis 2012 insgesamt die Hälfte aller Filialen mit Franchisepartnern zusammen betreiben werden.

Interview: Marcelo Crescenti

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/09 von Der Handel erschienen.