Volkswagen belebt den Sportwagen Scirocco und läutet damit die nächste Golf-Generation ein.

Nein, viel gemeinsam mit seinem Namensgeber hat er nicht, der neue VW Scirocco, der vom 29. August 2008 an bei den deutschen Händlern stehen und die Erfolgsstory einer fast schon in Vergessenheit geratenen Sportwagen-Legende fortschreiben soll.

Genau 795.650 Exemplare wurden zwischen 1974 und 1992 weltweit verkauft und ließen den Zweitürer zum erfolgreichsten Coupé der Firmen-Geschichte werden. Wer nun allerdings einen Ur-Scirocco im Retro-Look erwartet hatte, der sieht sich ange-nehm überrascht: Statt sich von verklärter Nostalgie leiten zu lassen, präsentiert sich die dritte Generation - heute wie damals - als zukunftsweisend.

Markante Frontpartie lässt Gemeinsamkeiten erkennen

Wie sehr, das belegen jetzt erste Bilder des im Oktober zu Preisen ab 16.500 Euro an den Start gehenden Golf VI. „Das neue Design zeigt den Weg in die Zukunft“, sagt VW-Chef Martin Winterkorn über die sechste Generation des automobilen Bestsellers, meint genau genommen aber schon den neuen Scirocco.

Vor allem die markante Frontpartie lässt unübersehbare Gemeinsamkeiten erkennen. Worüber bei der Vorstellung des Breitensportlers allenfalls noch spekuliert worden war: Die schwarzglänzende Kühlergrill-Querspange, die die Scheinwerfergehäuse mit ihren verchromten Leuchtkörpern verbindet, und die auf den Lufteinlässen darunter sitzenden Nebelscheinwerfer verkörpern das neue, frische Markengesicht.

Der alltagstaugliche Volks-(Sport-)wagen

Was gebliebenen ist, ist die Kultfarbe „Viperngrün metallic“ und der eigene Anspruch, einen ebenso erschwinglichen wie alltagstauglichen Volks(-Sport)wagen zu bauen. Mit seinen kurzen Überhängen nutzt der neue Scirocco (Länge: 4,25/Breite: 1,81/Höhe: 1,40) den langen Radstand (2,58) zu zusätzlichem Raumgewinn.

Die 6. Golfgeneration kommt im Oktober.
Die 6. Golfgeneration kommt im Oktober.
Vor allem der Verzicht auf das einstige Schrägheck sorgt dafür, dass vier Erwachsene samt Gepäck ausreichend Platz finden. Dank geteilt umklappbarer Rückbank lässt sich das für ein Coupé beachtliche Kofferraumvolumen (292 Liter) zudem auf 755 Liter erweitern.

Und wie sieht es jetzt mit der Erschwinglichkeit aus? Von „einem Traum, den sich ausgesprochen viele Autofahrer leisten können“, hatte Winterkorn gesprochen und Wort gehalten. Mit einem Einstandspreis von 21.750 Euro für den 1.4 TSI mit 90 kW/122 PS und Benzindirekteinspritzung schickt sich der neue Scirocco an, frischen Wind in das zuletzt vernachlässigte Segment der kleinen Coupés zu bringen.

Dies umso mehr, weil 17-Zoll-Leichtmetallräder, höhenverstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz, elektrische Fensterheber und Klimaanlage ebenso zur Serienausstattung gehören wie ESP, Bremsassistent, sechs Airbags und Sportfahrwerk.

Basisversion verspätet sich etwas

Einziges Manko: Die Basisversion wird zum Verkaufsstart noch nicht zur Verfügung stehen, soll allerdings ebenso „zeitnah folgen“ wie der 103 kW/140 PS starke Turbodiesel. Zu Preisen ab 23.300 Euro lieferbar sind vorerst ausschließlich die beiden Benziner mit 118 kW/160 PS beziehungsweise 147 kW/200 PS. Ein zweiter Diesel mit dann 125 kW/170 PS ist für das kommende Frühjahr angekün-digt.

Fazit nach den ersten Testfahrten: Der neue Scirocco verspricht einen hohen Spaßfaktor zu vertretbaren Preisen. Da lässt es sich allemal verkraften, dass sich die einstige Sportwagen-Legende genau genommen als Golf-Coupé entpuppt.

Meik Benjamin