Einkaufen per iPad, eine Bezahl-App im Discounter und digitale Preisauszeichnungssysteme. Die Innovationskraft von deutschen Einzelhändlern ist ungebrochen. Neun technische Erfindungen hat das EHI prämiert.

Auf der Messe Euroshop zeichnete das EHI Retail Institute zum siebten Mal die Gewinner der Retail Technology Awards Europe (Reta) aus, jeweils drei in drei Kategorien.

In der Kategorie Best Customer Experience wurde der Optiker Edel Optics (Projektparter: Novel Media, evolvem medialab) ausgezeichnet, der in seinem Ladengeschäft nach Meinung der Jury das Beste aus der stationären und der Onlinewelt vereinigt. Die Kunden können an iPads mit Hilfe einer Suchfunktion ihre favorisierten Brillen auswählen, das Personal im Lager wird informiert und präsentiert den Kunden kurz darauf die ausgesuchten Modelle. So gelinge es, 10.000 Brillen zur Anprobe im Ladengeschäft vorrätig zu haben.
 
In der Kategorie Best Customer Experience wurden die Lebensmittelhändler Edeka und Netto Marken-Discount (Projektpartner: Valuephone, Deutsche Post Zahlungsdienste) für den neuen Handy-Bezahlservice ausgezeichnet. Die App, die Mobile Payment und Mobile Couponing vereint, erlaube es den Kunden, komfortabel mit dem Smartphone zu bezahlen, so die Begründung der Jury. Bei einer einmaligen Registrierung wählt der Kunde einen vierstelligen Code. 

An der Kasse tippt er diese Zahlenfolge ein und erhält je Einkauf einen neuen Zifferncode, der fünf Minuten gültig ist. Je nach Kassensystem wird jetzt entweder ein Barcode erzeugt, der an der Kasse gescannt wird, oder eine vierstellige Nummer ausgegeben, die in die Kasse eingegeben wird. In beiden Fällen ist der Einkauf in nur wenigen Sekunden abgeschlossen. Zusätzlich werden alle für diesen Einkauf gültigen Coupons und Gutscheine automatisch abgezogen. Die Einkaufssumme wird anschließend vom angegebenen Kundenkonto über den Partner DPZ, einem Tochterunternehmen der Deutschen Post, abgebucht. Dabei werden keine personenbezogenen Daten auf dem Smartphone oder an der Kasse gespeichert.

Der dritte Preisträger in der Kategorie Best Customer Experience ist der "Humanic Avatar" von Leder und Schuh (Projektpartner: Wincor Nixdorf, Online Software AG), der den Schuhkauf erleichtert. Alle Schuhmodelle werden in allen Größen vor Auslieferung in die Stores gescannt und abhängig von Innenvolumen und Schuhspitze wird die tatsächliche Größe ermittelt. Der Humanic Avatar entsteht durch einen einmaligen Scan der Füße der Kunden im Laden. Nachdem der Kunde ein Schuhmodell ausgewählt hat, werden das 3-D-Abbild des Fußes und das 3-D-Abbild des Schuh-Innenraums miteinander verglichen. Das spart dem Kunden aufwendige Anproben und senkt die Retourenquote bei Onlinebestellungen. 

Kategorie Best In-store Solution

Die überdimensionale Plakatwand von Gebr. Heinemann (Projektpartner: Poresy, hmmh, Fraport) direkt an den Abfluggates des Frankfurter Flughafens positioniert, zeigt den Reisenden rund 60 verschiedene Produkte aus dem Duty-free-Sortiment. Neben jedem Produkt ist ein QR-Code abgebildet, der mit Hilfe der "Heinemann Express Shopping"-App oder jedem gängigen QR-Code-Reader eingescannt werden kann. Kunden können sich über die Angebote informieren und direkt bestellen. Innerhalb von 15 Minuten wird der Artikel an den "Pick-up Point" direkt am Gate geliefert. Bezahlt wird bequem mit einer Kreditkarte. Sollte der Passagier vor Übergabe der Produkte an Bord des Flugzeugs gehen, wird sein Auftrag automatisch storniert. Das war der Jury einen Preis in der Kategorie Best In-store Solution wert.

In den Niederlanden hat Media-Saturn (Projektpartner: Pricer) seine Märkte mit einem digitalen Preisauszeichnungssystem ausgestattet. Damit können Preisänderungen bei beliebig vielen Produkten zentral von einem Rechner durchgeführt werden. Die Preise in den Filialen können "auf Knopfdruck" an die Preise der Wettbewerber angepasst werden - vor allem an die Preise der Internetkonkurrenz. "Zudem sind die Preise im stationären und im Onlinehandel zu jedem Zeitpunkt identisch – eine wichtige Voraussetzung für Preiskonsistenz über alle Kanäle", begründete die Jury den Preis in der Kategorie Best In-store Solution.

Gucci (Projektpartner: MicroStrategy) wurde in der Kategorie Best In-store Solution für sein Projekt "BI in Store" ausgezeichnet. Das Modeunternehmen hat zwei Applikationen für das iPad im Einsatz, die auf der gleichen Datenbasis basieren, aber zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Eine App liefert den Store-Managern Daten über Produkte, Kunden und Angestellte und erleichtert damit das Ladenmanagement. Die andere App unterstützt das Verkaufspersonal im Kontakt mit den Kunden. So können beispielsweise Lagerbestände, Verfügbarkeit in anderen Stores, Produktinformationen und Kundeninformationen abgerufen werden.
 

Best Enterprise Solution

Der Modefilialist Adler (Projektpartner: Tailorit, Sys-Pro, nedap, Sato) setzt in seinen Modemärkten weiter auf den Einsatz der Funktechnologie RFID. Da alle Bekleidungsartikel mit RFID-Transpondern ausgestattet sind, kann diese Technik auch für die Überwachung der Lager- und Flächenbestände in den Märkten genutzt werden. Dazu musste im Übergangsbereich zwischen Lager und Verkaufsraum RFID-Hardware installiert werden, die die Warenbewegungen dokumentiert.

Der Erfolg dieser Maßnahme: Erhöhung der Genauigkeit der Warenbestände, Kostenvorteile durch effizientere Warensteuerung und -sicherung, gezielte Instore-Nachversorgung und somit eine deutlich verbesserte Warenverfügbarkeit für den Endverbraucher. Grund genug für die Jury, Adler in der Kategorie Best Enterprise Solution auszuzeichnen.

Kaufland und das Mindesthaltbarkeitsdatum

Die SB-Warenhauskette Kaufland wurde in der Kategorie Best Enterprise Solution für ein System ausgezeichnet, das Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht haben, im Warenwirtschaftssystem separat aufführt. Die Bestandsmenge der Produkte wird automatisch angepasst. Die automatische Disposition kann auf Basis dieser Werte die benötigten Bestellmengen ermitteln. Dafür erfasst ein Mitarbeiter einige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums mit einem mobilen Gerät die in Frage kommenden Produkte und reduziert den Preis mit einem Label. Die erfassten Produkte werden ins System übermittelt. Die scanbaren Labels können an der Kasse erfasst werden und vermindern nur diese Menge – nicht aber die Bestandsmenge der regulären Produkte.

Die Verbundgruppe Sagaflor (Projektpartner: ComSol) hat den Reta 2014 in der Kategorie Best Enterprise Solution bekommen, weil sie ihre Mitgliedsunternehmen in ein innovatives Warenwirtschaftssystem eingebunden hat. Dabei kann sowohl auf einheitliche Stammdaten sowie auf lokale Sortimente zugegriffen werden. In-Store- sowie integrierte Kassensysteme sorgen für einen reibungslosen Austausch der Abverkaufsdaten und ermöglichen mittels Geräten für die Mobile Datenerfassung (MDE) eine automatische Nachschub-Disposition. Sowohl die MDE-Geräte als auch die Kassensysteme können auch offline eingesetzt werden.