Hinter Karstadt liegt eine turbulente Woche: Der Investor Triton will das Warenhaus kaufen, verlangt aber Zugeständnisse. derhandel.de vergleicht die Offerte mit dem Insolvenzplan, der der Redaktion vorliegt.

Wie schnell der Wert von Dokumenten doch sinken kann. Zehn Seiten Umfang hat der
Karstadt: Zerschlagung oder Weiterführung? Foto: Marcelo Crescenti
Karstadt: Zerschlagung oder Weiterführung? Foto: Marcelo Crescenti
, den Klaus Hubert Görg am 10. November 2009 beim Essener Amtsgericht eingereicht hat. Das Ziel des Kölner Insolvenzverwalters: Die Rettung des Unternehmens.

Seit einer Woche weiß Görg, dass er viele seiner Vorschläge zur Erhaltung des Warenhauses nicht halten kann. Die Kaufofferte des deutsch-schwedischen Finanzinvestors Triton wird den Insolvenzplan durcheinanderwirbeln. In diesem Papier hat Görg zwei Szenarien zusammengefasst:

● Das Regelverfahren, also die Abwicklung von Karstadt, sollte sich kein Käufer finden, würde das Ende des Warenhauses bedeuten.

● Der Insolvenzplan beschreibt den Fall der Rettung von Karstadt beispielsweise durch einen Investor.

Für beide Fälle hat Görg jeweils acht Konsequenzen formuliert:

Regelverfahren:

● Verlust eines Großteils der Arbeitsplätze und dadurch höhere Masseverbindlichkeiten
● Entstehung von rund 1,577 Milliarden Euro Schäden aus Mietverträgen. Quote in Höhe von rund 1 Prozent
● Vorabausschüttung eines ersten Abschlags auf die Insolvenzquote nicht vor Ablauf von vier bis fünf Jahren zu erwarten
● Unwägbarkeiten der Schließung 
● Wegfall eines Vertragspartners für die Lieferanten
● Tragung sämtlicher Altersversorgungszusagen durch den Pensionssicherungsverein (PSV).
● Belastung der Bundesagentur für Arbeit durch Ausfall von Beitragszahlern und Zunahme der Zahl von Anspruchsberechtigten.

Insolvenzplan:

● Bis zu 25.000 Arbeitsplätze werden erhalten
● Erhalt der Mietverträge, Vermeidung abwicklungsbedingter Schäden
● Planquote in Höhe von grundsätzlich 3 Prozent und weitere Befriedigungschancen aus zwei Besserungsscheinen
● Verfahrensbeendigung und Auszahlung der Planquote angestrebt im Jahr 2010
● Insolvenzplan schafft rechtliche Klarheit sowie Klarheit über die Gläubigerbefriedigung
● Erhalt eines Vertragspartners für die Lieferanten
● PSV wird in Teilen von einer Einstandspflicht für die Betriebsrenten befreit.
● Geringe Belastung der Bundesanstalt für Arbeit

Nach Lage der Dinge läuft es auf einen Insolvenzplan hinaus. Denn der Investor Triton betont stets, wie ernst die Kaufofferte gemeint ist. "Das Konzept Warenhaus in der Innenstadt hat einen Investor gefunden", sagt Sprecher Max Hohenberg zu derhandel.de "Wir glauben daran, dass unser Konzept nachhaltig ist."

Jobabbau und Investitionen

Sollte Triton Karstadt erwerben - zunächst sind 30 Millionen Euro als Kaufpreis geboten worden - will der Investor innerhalb von fünf Jahren 428 Millionen Euro investieren.

Dafür verlangt Triton aber Zugeständnisse. So will der Investor 4.948 Jobs streichen. Die "Bild am Sonntag" berichtete zudem von der Forderung nach deutlich gekürzten Mieten. Hier gibt es also deutliche Abweichungen vom Insolvenzplan.

Was Görg jedoch gefallen dürfte, ist die Triton-Bereitschaft für Investitionen. Denn der Insolvenzverwalter hat einen Investitionsstau in vielen Häusern ausgemacht. Die Investitionspoltik bei Karstadt habe sich auf die sogenannten Premiumhäuser wie das Oberpollinger in München konzentriert, Investitionen in die Fläche seien "auf ein Minimum" reduziert worden.

Derzeit stehen die Zeichen auf Insolvenzplan gut.  Am Mittwoch hat der Karstadt-Gläubigerausschuss dem Wunsch von Triton entsprochen hat, wonach ein neuer Kaufvertrag erst am 28. Mai gezeichnet werden. Ursprünglich hatte der Insolvenzplan ein Fristende am gestrigen Freitag (30. April) vorgesehen.