Jünger und frischer, mehr Schmuck und französischer Modeschick: So will Investor Berggruen Karstadt erneuern. Ein früherer Arcandor-Manager bezweifelt aber die Zukunftsfähigkeit der alten Unternehmensführung.

Nach dem Ringen um die Karstadt-Rettung richtet sich der Blick nach vorn. Mit dem künftigen Eigentümer Nicolas Berggruen, der nicht selbst ins Tagesgeschäft eingreifen will, setzt die traditionsreiche Warenhauskette auf einen Neuanfang.

Einige Grundzüge des Konzepts:

● Der Milliardär stellt über seine Investmentgesellschaft Karstadt 70 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung.

● Die 120 Filialen und rund 25.000 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Dabei profitiert Berggruen vom "Sanierungsbeitrag" der Beschäftigten in Höhe von 150 Millionen Euro verteilt auf drei Jahre, zum Beispiel durch Abstriche bei Sonderzahlungen.

● Es soll künftig drei rechtlich selbstständige Einheiten geben:
Premium-, Sport- und die Warenhäuser.

● Karstadt soll jünger und modischer werden. Geplant ist dazu eine Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Designer Max Azria, der unter anderem eine Modekollektion von Teenie-Star Miley Cyrus für den Supermarktriesen Walmart entwarf. "Wir sind jetzt dabei, eine exklusive französische Modemarke in unseren Häusern zu präsentieren", sagte der amtierende Karstadt-Chef Thomas Fox am Freitag in Berlin.

● Das Sortiment soll stärker auf Trendartikel in den Bereichen Mode, Wohnen, Kosmetik, Schmuck und andere Accessoires zugeschnitten werden.

● Investiert werden soll auch in die "Modernisierung des Ambientes" der Warenhäuser. "Und zwar nicht nur in Leuchtturmprojekte wie früher", betonte Fox.

Frischer Wind notwendig

Für den Handelsexperten Professor Jochen Strähle reicht ein gutes Konzept aber nicht, um Karstadt wieder erfolgreich zu machen. "Es braucht auch gute Führungskräfte, die eine Modernisierung des Unternehmens mittragen", sagt der Dozent für BWL-Handel und Dienstleistungsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach zu derhandel.de

Hier sieht Strähle ein Problem: Berggruen hat bisher noch nicht verkündet, welche neuen Manager er zu Karstadt lotsen will. Und Fox ist eher als Interimslösung zu sehen. Frischer Wind ist jedoch für das Warenhaus dringend nötig, fordert Strähle:"Ein neues Konzept funktioniert nicht in den alten Konzernstrukturen."

Der heute 35 Jahre alte Professor war von 2003 bis 2009 im Arcandor-Konzern tätig und verließ das Unternehmen als Leiter der Abteilung Sonderprojekte bei der Versandtochter Primondo.

50 Experten sind notwendig

Strähle sieht vor allem in der mittlereren Führungsebene personellen Erneuerungsbedarf. Hier würden Fachleute gebraucht, die sowohl den stationären Handel wie auch das E-Commerce beherrschen.

"Diese Leute müssen zudem ein Warenhaus beherrschen und in Konzernstrukturen denken können", sagt der Professor - und ist fest davon überzeugt, dass dieses Anforderungsprofil es schwer macht, auf die Schnelle etwa 50 neue Leute zu bekommen, die das Unternehmen braucht.