Kik kämpft um ein besseres Image. In TV-Spots loben Mitarbeiter ihren Arbeitgeber, in einer Kundenabstimmung wurde der Discounter zum "Modehändler des Jahres" gewählt. Über den Wert der Wahl gibt es nun große Zweifel.

Diese Vorwürfe sind peinlich - nicht nur für Kik, sondern auch für den Mutterkonzern Tengelmann und den Handelsverband Deutschland (HDE). Denn es gibt Zweifel an der Korrektheit der HDE-Wahl zum "Händler des Jahres 2011", in der der Textildiscounter im Juni in der Kategorie Damen- und Herrenmode ausgezeichnet wurde.

Das NDR-Magazin "Panorama - Die Reporter", berichtete in seiner gestrigen Sendung "Die Akte Tengelmann", dass bei der Wahl zumindest für Kik sehr wenig Kunden ihre Stimmen abgegeben hätten.

Das TV-Magazin zitierte den Marketingexperten Professor Michael Zerr von der privaten Karlshochschule Karlsruhe, der versicherte, dass gerade einmal 416 Kunden bei den Herrenmoden und 1.416 Konsumenten für das Segment Damenmoden befragt worden seien. Und diese Personen seien "überwiegend Leute" gewesen, "die von Kik oder über die Kanäle von Kik geworben wurden".

Balsam auf die Mitarbeiterseele

Karl-Erivan Haub, Chef des Tengelmann-Konzerns, zu dem Kik gehört, sprach im Juli davon, dass der Textildiscounter von 48.000 Verbrauchern ausgezeichnet worden sei. "Das ist vielleicht etwas Balsam auf die Seele der vielen Menschen bei Kik, die unter der Negativberichterstattung gelitten haben."

Professor Zerr bezeichnete nun Haubs Aussage über die Zahl der Wahlteilnehmer als "eindeutig falsch" und als "bewusste Täuschung der Verbraucher".

Der Hochschullehrer hält Haubs Behauptung für einen Missbrauch der Umfrage. Tengelmann räumte auf "Panorama"-Nachfrage ein, dass Haub sich "missverständlich" ausgedrückt habe.

HDE prüft Vorwürfe

Die Angaben über die Teilnehmerzahlen an dieser Wahl sind freilich verwirrend. Der HDE schrieb im Juni von rund 50.000 Konsumenten, die die Buchhandelskette Thalia zum Gesamtsieger beim Wettbewerb "Händler des Jahres 2011" gewählt hätten.

In 200.000 Bewertungen sollen sich dann die Teilnehmer wiederum für ihre Sieger in den 24 Kategorien entschieden haben. Wieviele Verbraucher tatsächlich für eine jeweilige Kategorie gestimmt haben, erfährt die Öffentlichkeit nicht.

In der Pressemitteilung von Kik wurde ebenfalls nicht erwähnt, wieviele Teilnehmer an der Wahl explizit für den Discounter gestimmt hatten. Es war die Rede davon, dass sich rund 49.000 Verbraucher an dem Wettbewerb beteiligt hätten. Doch die Zahl wurde so hervorgehoben, dass es auf den ersten Blick wirkt, als ob diese 49.000 Menschen für Kik votiert hätten.

Auf Anfrage von derhandel.de sagte der HDE, das niederländische Insitut Q&A Research, das die Studie für den Händler des Jahres durchführt, habe versichert, die Konsumentenumfrage werde "allen wissenschaftlichen Kriterien der Marktforschung gerecht".

"Bei der Frage, ob das Voting wissenschaftlich fundiert ist, hatten wir bisher keinen Zweifel. Da Panorama diese Frage aufwirft, haben wir das Institut noch einmal um Stellungnahme gebeten", sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk zu derhandel.de.

"Manche wundern sich"

"Panorama" hatte in der Vergangenheit mehrfach über miserable Produktionsbedingungen in den asiatischen Fabriken berichtet, die für Kik Textilien produzieren. Seit einer Weile bemüht sich der Discounter um ein besseres Image. Nachdem 2010 auch bekannt wurde, dass das Unternehmen Dumpinglöhne zahlt, wurden im August Mindestlöhne eingeführt (7,50 Euro pro Stunde).

Es gibt nun bei Kik mit Michael Arretz einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, zudem werben in TV-Spots echte Mitarbeiter für ihren Arbeitgeber. "Kik - Der Chancengeber", heißt der neue Slogan. "Manche wundern sich, aber ich arbeite hier wirklich gern", versichert in einem der Filme etwa Teamleiterin Viola P.