Die Hamburger Otto Group legt eine glänzende Bilanz für das Geschäftsjahr 2010/11 vor. Neue Projekte sind die Wiederbelebung von Quelle und der Markteintritt in Brasilien.

Die Otto Group blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2010/11 zurück. "Vor einem Jahr haben wir die ehrgeizige Prognose eines zweistelligen Umsatzplus gewagt – und sie gehalten", freute sich Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, bei der Vorstellung der Bilanz in Hamburg.

Der Umsatz wuchs demnach um 12,6 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Dabei legten alle drei Segmente zweistellig zu. Auch das operative Ergebnis entwickelte sich demnach positiv. So konnte das operative Ergebnis EBITDA von 327 auf 667 Millionen Euro verdoppelt werden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs von 46 Millionen Euro auf 378 Millionen Euro. Zugleich stieg die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 1.700 auf 49.721 weltweit.

Neue Projekte: Brasilien und Quelle.de

"Mit viel Rückenwind aus einem hervorragenden Geschäftsjahr 2010/11" - Stichtag war der 28. Februar 2011 - gehe das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Markteintritt in Brasilien und dem Start des neuen E-Commerce-Marktplatzes quelle.de zwei wichtige strategische Projekte an.

"Nach einer sorgfältigen Sondierung des brasilianischen Marktes ist der Handels- und Dienstleistungskonzern vom hohen Potenzial des südamerikanischen Landes überzeugt und will mit allen drei Geschäftssegmenten – E-Commerce, Service und Finanzdienstleistungen – in dem Markt aktiv werden", hieß es.

Die Otto Group will zudem die Marke Quelle in Deutschland neu starten. Unter www.quelle.de werde in den kommenden Wochen ein Internetmarktplatz für Händler und Markenhersteller eröffnet, die über das von der insolventen Arcandor Gruppe erworbene Portal Produkte aus den Sortimenten Technik und Living verkaufen können.

E-Commerce stärkster Vertriebskanal

Im zurückliegenden Geschäftsjahr war der Onlinehandel wieder der größte Umsatztreiber. Die Umsätze stiegen weltweit um gut 25 Prozent von 3,8 auf 4,8 Milliarden Euro. Damit erzielte die Otto Group mit ihren rund 50 Onlineplattformen rund 50 Prozent der gruppenweiten Einzelhandelserlöse.

In Deutschland legten die E-Commerce-Umsätze sogar um 27,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu: "Angesichts eines Marktwachstums von 18 Prozent konnten wir unseren Marktanteil im boomenden E-Commerce weiter ausbauen", sagt Schrader. Einzelne Unternehmen der Gruppe erzielen inzwischen rund zwei Drittel ihrer Umsätze im E-Commerce, etwa die Einzelgesellschaft OTTO mit knapp 70 Prozent und Baur mit 64 Prozent.

"Mit dem Erfolg behauptete die Otto Group ihre Position als weltweit größter Onlinehändler für Fashion und Lifestyle mit dem Endverbraucher und ist insgesamt die Nummer 2 hinter Amazon." In Deutschland habe die Otto Group ihre Spitzenposition als größter E-Commerce-Player (BtoC) gefestigt.

Multichannel knackt 10-Milliarden-Euro-Grenze

Das Wachstum wurde demnach von allen drei Geschäftssegmenten getragen. Das Segment Multichannel-Einzelhandel übersprang die 10-Milliarden-Euro-Marke. Das Plus betrug 12,1 Prozent von 8,922 auf 10,004 Milliarden Euro. Den größten Sprung verzeichnete das Segment Finanzdienstleistungen mit einem Umsatzanstieg von 17,3 Prozent auf 455 (Vorjahr: 388) Millionen Euro. Das Segment wird maßgeblich durch die EOS Gruppe bestimmt, die ihren Umsatz um 20,7 Prozent auf rund 341 Millionen Euro steigerte.

Erfolgreich entwickelte sich auch das Geschäftssegment Service, das im Wesentlichen von der Hermes-Gruppe geprägt wird. Hier stiegen die Außenumsätze um 14,9 Prozent von 822 auf 945 Millionen Euro. Die unter der Marke Hermes operierenden Gesellschaften steigerten ihren Gesamtumsatz – also ihre Erlöse aus Dienstleistungen für Unternehmen der Otto Group und für Dritte – um 18 Prozent auf 1,724 Milliarden Euro.

Weitere Umsatzhürden übersprungen

Überproportional entwickelte sich das Geschäft in Deutschland. Die Umsatzerlöse in den drei Segmenten stiegen um rund 13,6 Prozent von 5,785 auf 6,571 Milliarden Euro. Dabei übersprangen mehrere Unternehmen der Otto Group im vergangenen Geschäftsjahr markante Hürden.

Die Kerngesellschaft Otto erzielte mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz und steigerte die Erlöse um 13,4 Prozent auf 2,114 Milliarden Euro. Bonprix überwand die Milliarden-Marke und wuchs um 16,9 Prozent auf 1,136 Milliarden Euro. Auch die Schwab-Gruppe sprang in den zehnstelligen Bereich dank eines Wachstums von knapp 11 Prozent auf 1,093 Milliarden Euro. Dazu hätten maßgeblich die Witt-Gruppe und MyToys.de beigetragen, die in der Schwab-Gruppe konsolidiert werden.
 
Ein Wachstum von rund 22,3 Prozent legte die Baur-Gruppe hin: Sie steigerte die Erlöse von 468 auf 573 Millionen Euro. Auch die Heine-Gruppe entwickelte sich mit einem Wachstum von 5,3 Prozent auf 666 Millionen Euro positiv. Ein großer Sprung gelang auch dem Sport-Spezialisten SportScheck: Die Münchner konnten ihre Erlöse um 18,3 Prozent auf 327 Millionen Euro steigern.

Boom in Europa

Auch international entwickelte sich das Geschäft der Otto Group demnach erfolgreich. In Nordamerika wuchsen die Umsatzerlöse um rund 17,8 Prozent von 979 Millionen Euro auf 1,153 Milliarden Euro. Diese Entwicklung sei auf den guten Geschäftsverlauf der Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel zurückzuführen.

Der Umsatz in Europa (ohne Deutschland) stieg um 9,5 Prozent von 3,115 Milliarden Euro auf 3,410 Milliarden Euro. Auch der 3 Suisses Gruppe ist demzufolge ein abermaliger Umsatzwachstum gelungen. Während im davorliegenden Geschäftsjahr der Handelsumsatz rückläufig war, steigerte die Gruppe ihre Erlöse um rund 3 Prozent auf 2,097 Milliarden Euro.

Auch Asien mit Umsatzplus

In Großbritannien wurde die Freemans Grattan Holdings weiter umstrukturiert, was mit einem planmäßigen Umsatzrückgang von rund 25 Prozent auf rund 199 Millionen Euro einhergegangen sei.

Auch in Asien entwickelte sich das Geschäft positiv; die Umsätze kletterten um etwa 6,6 Prozent von rund 252 auf über 269 Millionen Euro. Stark entwickelte sich das Geschäft der Otto Group in Russland. Der Marktführer Otto Group Russia verdoppelte beinahe die Erlöse von 183 auf rund 349 Millionen Euro. Hierzu trug auch das Geschäft von Quelle Russland bei, das erstmals konsolidiert wurde. Aber auch ohne diesen Effekt legte das Wachstum in Russland deutlich zweistellig zu.

Expansion nach Brasilien

Wie vor fünf Jahren in Russland, so geht die Otto Group in diesem Herbst den Markteintritt in Brasilien an. Der Einzelhandel in Brasilien sei seit 2003 mit einem Durchschnittswert von 9 Prozent pro Jahr gewachsen. Zudem nehme die Internetnutzung stark zu – rund 70 Millionen Brasilianer sind bereits online und die Zahl der User wächst jährlich um rund 20 Prozent.

Die Hamburger Unternehmensgruppe verfolgt dabei die Strategie, in allen drei Segmenten – E-Commerce, Service und Finanzdienstleistungen – gleichzeitig Aktivitäten zu starten. Der Konzern will mit einer E-Commerce-Plattform für Mode und Lifestyle beginnen und befindet sich dazu in finalen Verhandlungen für eine Beteiligung an einem etablierten E-Commerce-Unternehmen in Brasilien. Bei diesem Joint Venture wird die Otto Group der Mehrheitseigner sein.