Bisher gilt Triton als einziger Kaufinteressent von Karstadt. Doch ein weiterer Investor für das insolvente Warenhaus soll sich gemeldet haben. Auch der Betriebsrat war aktiv.

Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sprach der Beauftrage des Insolvenzverwalters, Rolf Weidmann, von einem neuen Investor. Dieser habe sich am Freitag bei ihm gemeldet. Wer das war, verriet er freilich nicht.

Der vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg eingesetzte Sanierungsexperte Thomas Fox sagte der Zeitung, er habe ein wachsendes Interesse an Karstadt festgestellt. Allerdings bestehe kein Grund zur Eile.

Es sei auch weiterhin denkbar, dass Goldman Sachs ein Gebot abgebe. Zur Bank gehört das Vermieter-Konsortium Highstreet, das rund zwei Drittel der 120 Karstadt-Warenhausimmobilien besitzt.

"Vor neun, sechs oder noch vor drei Monaten hat uns kaum einer zugetraut, dass wir einen Insolvenzplan und einen Käufer haben werden. Seit die Halbjahreszahlen im Datenraum liegen, hat das Interesse an Karstadt nochmals deutlich zugenommen", betonte Fox.

"Wir stehen unter keinem finanziellen Druck, einen Investor zu finden. Das Geschäft ist durchfinanziert bis Weihnachten", versicherte der Sanierungsexperte.

Neue Betriebsvereinbarungen

Für Görg wird die Zeit knapp. Bereits Ende Mai will das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden. Bis dahin müssen noch mehrere Bedingungen erfüllt werden. Auf dem Spiel stehen 25.000 Arbeitsplätze und 120 Warenhausstandorte.

Auf der Forderungsliste des Finanzinvestors Triton, dem bisher einzigen offiziell bekannten Kaufinteressenten für Karstadt, steht neben Stellenabbau auch eine weitere Flexibilisierung bei den Beschäftigten.

Am Freitag wurden dafür wichtige Entscheidungen getroffen: Der Betriebsrat des Warenhauses billigte eine Reihe von Betriebsvereinbarungen, bei denen es nach Informationen aus Unternehmenskreisen unter anderem um Anreizsysteme und Qualitätsverbesserungen gehen soll. Ob damit wesentliche Bedingungen des Investors erfüllt werden konnten, ist unklar.

Investor soll bis zum 28. Mai gefunden werden

Bereits für den von Görg Mitte April vorgelegten Insolvenzplan hatte sich die Karstadt-Belegschaft nach langen Verhandlungen zu einem befristeten Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und weitere Zahlungen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro bereiterklärt. Auch die Karstadt-Vermieter hatten Bereitschaft für einen millionenschweren Verzicht signalisiert.

Angesichts der komplizierte Lage war ein zunächst für Ende April im Insolvenzplan festgeschriebenes Datum für die Unterzeichnung eines Kaufvertrags durch einen Investor kurzfristig wieder gekippt worden. Neues Ziel ist nun die Unterschrift eines Investors bis zum 28. Mai.

Kommunen signalisieren Bereitschaft zum Steuererlass

Als weitere Mitspieler bei der Rettung von Karstadt sind bundesweit rund 90 Kommunen mit Warenhaus-Standorten gefragt, die nach dem Willen des Insolvenzverwalters auf Gewerbesteuern aus dem zu erwartenden Sanierungsgewinn verzichten sollen.

Hintergrund ist der milliardenschwere Verzicht der Karstadt-Gläubiger, die nach den Regelungen des Insolvenzplans bis zu 97 Prozent ihrer Forderungen abschreiben sollen.

Dadurch würde bei Karstadt - allerdings nur auf dem Papier - ein außerordentlicher Ertrag verbucht werden, ohne dass ein einzelner Euro in die Karstadt-Kasse geflossen wäre. Dieser Ertrag wäre theoretisch gewerbesteuerpflichtig. Etwa 70 der 90 Kommunen seien bereits zu einem Verzicht bereit, berichtete ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Auf Anfrage von derhandel.de will unter anderem die Stadt Frankfurt auf die Gewerbesteuer verzichten.

Notwendig ist jedoch eine Zustimmungsquote von 98 Prozent bis zum Stichtag 24. Mai. Erst im Herbst könnte dann der Karstadt-Verkauf endgültig abgeschlossen sein - falls nichts dazwischen kommt.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.