Da hat Christian Lindner gestern bei Twitter ein Hashtag genutzt, dass das Zeug zum Kampagnen-Mem hat: #AmazNO. Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, ist ein durchaus digital denkender und internetaffiner Mensch.  Umso bemerkenswerter der Tweet dazu: "Gerade gutes Werkzeug im örtlichen Fachhandel gekauft. So bei Menschen halt. Und es hat sich GUT angefühlt. #AmazNO".

Das Schlagwort verdichtet das Verhalten vieler Kunden nach den Negativschlagzeilen rund um Amazon. Fast jeder fünfte (19 Prozent) Online-Käufer ändert aufgrund der Medienberichterstattung über Amazon sein Kaufverhalten. Davon geben sogar 12 Prozent an, gar nicht mehr beim Versandhandelsriesen einkaufen zu wollen. Sieben Prozent versuchen wieder häufiger in Geschäften und weniger im Internet einzukaufen. Das dürfte Amazon auch im Ostergeschäft gespürt haben.

Ebay und Otto profitieren

Wie die repräsentative Studie des Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov zeigt, hat insgesamt in letzter Zeit bewusst jeder achte Online-Käufer (12 Prozent) einen anderen Händler genutzt oder ausprobiert, anstatt bei Amazon einzukaufen. Ausgewichen wurde vor allem auf die Konkurrenten Ebay und Otto. Besonders im vergangenen Ostergeschäft war die Imagekriese des Konzerns spürbar: So geben acht Prozent der Online-Käufer an, ihre Ostergeschenke dieses Jahr bewusst nicht mehr bei Amazon gekauft zu haben.

Das Image von Amazon leidet

Auch das Image von Amazon leidet massiv. Mit durchschnittlich 87 BrandIndex-Punkten erreichte Amazon im vergangenen Jahr den ersten Platz im BrandIndex-Top-Performer-Ranking 2012 (Bereich E-Commerce) und zählte zu den beliebtesten Marken der Deutschen überhaupt. Seit Mitte Februar hat der amerikanische Online-Händler innerhalb eines Monats 45 Imagepunkte verloren.

Die Schlagzeilen über bevorstehende Streiks und die Weigerung von Amazon sich an Tarifverhandlungen zu beteiligen, können den Trend verstärken. Ohnehin glaubt Holger Geißler, Vorstand bei YouGov, nicht  an eine rasche Besserung:  "Eine schnelle Erholung der Imagewerte ist nicht zu erwarten. Man hat über Amazon negative Dinge in den Medien gehört und gelesen, die die Kunden so schnell nicht vergessen werden und das Prinzip Amazon für viele grundsätzlich in Frage stellt."

Deutlich weniger Wirkung hat es indes, wenn Verleger wie Christopher Schroer öffentlichkeitswirksam die Zusammenarbeit mit Amazon aufkündigen. Die Titel des Hauses, so seine Bilanz, sichert sich Amazon dann über andere Quellen des Zwischenhandels.