Amazon hat mit seinen Drogerieplänen und Eigenmarken-Ideen für Deutschland dm, Rossmann und Co aufgeschreckt. Doch schon längst sichert sich Amazon ein ordentliches Stück vom Kuchen und kommt auf einen dreistelligen Millionenumsatz.

Mit neuen Eigenmarken bei Drogerieprodukten will Amazon den deutschen Drogerie-Riesen auf die Pelle rücken, berichtet die Lebensmittel Zeitung. Windeln, Hygienepapier-Artikel und Körperpflege-Produkte, wie man sie in Teilen bereits aus dem US-Markt kennen, sollen noch vor dem Jahresende auch hierzulande in die digitalen Regale. Obendrein will Amazon wohl auch Eigenmarken bekannter Händler wie Aldi oder Rossmann liefern. Schon jetzt wächst Amazon bei Drogerieartikeln schneller als der Markt und pampert Familien mit speziellen Angeboten, beispielsweise mit Pampers im Spar-Abo.

Aktuelle Zahlen der Market-Genius-Analyse der Marktforscher von Metoda zeigen nun, dass Amazon schon jetzt mehr als kräftig mitmischt. Die Ergebnisse legen nahe, dass Amazon bereits heute auf einen Marktanteil im umkämpften Drogeriesegment von rund vier Prozent kommen könnte.

Untersucht wurde dafür das Geschäft in der Hauptkategorie „Drogerie & Körperpflege“ sowie 16 Unterkategorien im Zeitraum 24. Februar bis 23. April 2017. So konnte Market Genius in diesem Zeitraum in den untersuchten Amazon-Kategorien Umsätze in Höhe von annähernd 119,3 Millionen Euro erfassen.

Jahresumsatz könnte über 700 Millionen Euro liegen

Der durchschnittliche Tagesumsatz im untersuchten Zeitraum erreichte demnach beachtliche 2,02 Millionen Euro. Aufs Jahr hochgerechnet wären das 737,3 Millionen Euro. 82.732 Bestellungen wurden im Schnitt tagtäglich im Drogeriesortiment aufgegeben. Der durchschnittlich realisierte Verkaufspreis lag über das gesamte analysierte Sortiment bei 24,44 Euro.
Wichtig zu wissen: Elektronische Fieberthermometer, Blutdruckmessgeräte und Personenwaagen in der Unterkategorie „Medizinische Geräte & Verbrauchsmaterialien“ treiben hier den relativen Verkaufspreis in die Höhe.
© metoda

Gute Geschäfte mit Top-Marken

Amazon macht dabei auch mehr als ordentliche Geschäfte mit großen Marken. Produkte von Braun, Philips und Pampers im Wert von mehr als 46 Millionen Euro wurden im untersuchten Zeitraum via Amazon verkauft. Allein die drei führenden Marken waren somit für 38,6 Prozent der Einnahmen verantwortlich. Spitzenreiter Braun konnte bei rund 19,7 Millionen Euro Gesamtumsatz auf zwei Zugpferde setzen. Neben den umsatzstarken E-Rasierern und Haarschneidern mit einem Umsatzanteil von 32,9 Prozent hat Braun mit Oral-B (43,8 Prozent Anteil am Markenumsatz) ein zweites heißes Eisen im Feuer.
Ganz ähnlich ist im Drogeriemarkt die Marke Philips aufgestellt. Produkte des niederländischen Elektronikkonzerns für zusammen rund 15,3 Millionen Euro wechselten im untersuchten Zeitraum via amazon.de den Besitzer. Parallel wurden Windeln der Procter&Gamble-Marke Pampers für rund 11,1 Millionen Euro von den Amazon-Kunden gekauft.
Der höchste Kategorieumsatz wurde in der Hauptkategorie „Drogerie & Körperpflege“ (19,6 Prozent Umsatzanteil) verbucht. Erst auf dem zweiten Platz landete die Kategorie „Medizinische Geräte & Verbrauchsmaterialien“ (15,1 Prozent). Mit noch jeweils mehr als zehn Prozent Umsatzanteil folgen „Rasur & Enthaarung“ (10,8%) sowie „Mund- & Zahnpflege“ (10,6 Prozent).
Erfolgreich ist Amazon im Drogeriesortiment aber nicht nur mit elektrischen Geräten, wie ein Blick auf die Topseller verrät. Ganz oben steht da mit 91.046 Bestellungen ein Paket mit fünf Reinigungskartuschen für das „Clean & Renew“-System von Braun. Über 1,6 Millionen Euro wurden allein mit diesem Produkt umgesetzt. Dominiert wird die Liste der nachfragestärksten Produkte aber klar von der Marke Pampers. Sechsmal finden sich Pampers-Produkte unter den 15 stark nachgefragten Topsellern.

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