Jeff Bezos ist bereit, mit Amazon Fehler zu machen und Services einzustampfen. Jüngster Fall: Vendor Express. Verfehlte Projekte brutal abzuschießen, hat bei dem Online-Riesen Tradition. Hier sind 7 prominente Flops.

Vendor Express war ein Großhandelsprogramm, das es Händlern und Herstellern vergleichsweise leicht ermöglichte, Produkte direkt an Amazon zu verkaufen. Die Plattform übernahm dann selbst den Verkauf der Waren. Das Modell soll seit jeher ein Einfallstor für Produktfälschungen gewesen sein. Nun zieht Amazon die Reißleine.

In der Vergangenheit hat Amazon aber noch weitaus spektakuläreren Flops radikal den Garaus gemacht. Hier sind die prominentesten Beispiele:

1. Längst Geschichte: Amazon hatte tatsächlich einmal eine Auktions-Website. Die wurde beerdigt. Allerdings entwickelte sich daraus später der Marketplace – ein Umsatzgarant.

2. Gerade soll sich Amazon wieder in den Reisemarkt vorwagen. Das Buchungsangebot Amazon Destinations war im April 2015 ein erster Versuch. Kaum ein halbes Jahr später stampfte Amazon das Projekt wieder ein. Auch Amazon local, die lokalen Deals waren die Brutstätte dieses Angebotes , verschwanden in der Versenkung.

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3. 2007 versuchte Amazon mit der Nischenwebsite Endless.com einen weiteren Fuß in der Tür im Online-Geschäft mit Handtaschen und Schuhen zu bekommen. Geklappt hat das nicht. Die Adresse führt heute direkt zu Amazon. Stattdessen kauft Amazon 2009 Zappos. Auch spätere Versuche mit der Online-Marke Javari waren eine Sackgasse. Nach drei Jahren wurde das das Sortiment in das Fashion-Angebot von Amazon integriert.
4. Auch das zahlte sich nicht aus: Amazon hatte sogar mal einen Peer-to-Peer-Zahlungsdienst namens WebPay, mit dem Benutzer ähnlich wie bei Paypal Geld zueinander senden und empfangen konnten. 2014 beerdigte Amazon den Dienst mit der Begründung, man könne das auch nicht besser als andere.

5. Den Stecker zog Amazon 2015 bei seiner Mobile Wallet, mit der Amazon ins Mobile Payment einsteigen wollte. Die App, mit der man vor allem Kundenkarten für Treueprogramme verwalten sollte, wurde nach einem halben Jahr so still und leise wieder aus dem Verkehr gezogen wie sie einst eingeführt worden war.

6. Einer der berühmtesten Flops von Amazon: Das Debakel mit Babywindeln als Eigenmarke. Es hagelte Kritik an der Qualität. Amazon Elements Soft & Cozy Diapers verschwanden 2015 daher schleunigst wieder vom Markt. Derzeit unternimmt Amazon im Drogeriesegment neue Anläufe.

Jeff Bezos soll beim Fire Phone zu sehr auf die eigenen Wünsche geschaut haben, als auf die der Kunden
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Jeff Bezos soll beim Fire Phone zu sehr auf die eigenen Wünsche geschaut haben, als auf die der Kunden
7. Das erste Smartphone von Amazon war der vielleicht teuerste Flop des Unternehmens. Das Fire Phone sollte 2014 Teil des Ökosystems werden. Stattdessen setzte das Handy auf dem Lager Staub an. Amazon musste einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben. Grund: Amazon hatte den Kundenfokus aus den Augen verloren. „Wir bauten das Phone nicht für den Kunden – wir bauten es für Jeff“, ließ sich später ein Projektleiter zitieren.

Unfehlbar ist Amazon also nicht und kann auch nicht alles verkaufen. Die Konkurrenz sollte aber nicht darauf wetten. Denn Amazon lernt auch rasant aus seinen Fehlern.


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