Amazon legt Deutschlandumsatz offen

Amazon hat erstmals Zahlen für das Deutschlandgeschäft veröffentlicht. Wie der weltgrößte Online-Händler in einem Bericht für die Börsenaufsicht SEC mitteilt, erwirtschaftete Amazon.de im vergangenen Jahr einen Netto-Handelsumsatz in Höhe von umgerechnet rund 6,42 Mrd. Euro (8,73 Mrd. Dollar). Das entspricht einem Plus von fast 21% gegenüber dem Vorjahr, als der Handelskonzern hierzulande rund 5,32 Mrd. Euro umsetzte. Damit machen die Deutschlandumsätze mittlerweile ein Drittel des internationalen Geschäfts von Amazon aus, das 2012 bei rund 19,3 Mrd. Euro lag.

In Japan verbesserte sich Amazon auf 5,74 Mrd. Euro nach 4,84 Mrd. Euro im Vorjahr. In Großbritannien kletterten die Nettoumsätze von 3,93 Mrd. Euro auf fast 4,77 Euro. Weltweit steigerte Amazon seine Erlöse 2012 um 27% auf 42,25 Mrd. Euro. Währungsbereinigt habe das Plus bei 29% gelegen, erklärte das Unternehmen aus Seattle im US-Bundesstaat Washington. Der Verlust betrug 39 Mill. Euro nach einem Gewinn von 631 Mill. Euro im Vorjahr. Amazon begründet die Entwicklung mit hohen Investitionen in die Technik sowie einem ungünstigen Wechselkurs.

Zum Vergleich: Die Nummer zwei im deutschen Versandhandel, die Einzelgesellschaft Otto (Otto-Versand) steigerte ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2011/12 (29.2.) um lediglich 1,3% auf rund 2,1 Mrd. Euro. Die E-Commerce-Umsätze der Otto Group legten hierzulande um 9% auf 3,4 Mrd. Euro zu. Das gesamte Segment Multichannel-Einzelhandel kam auf 10 Mrd. Euro.

Die Umsätze des Senkrechtstarters Zalando, der den deutschen Versandhandel derzeit kräftig durcheinander wirbelt, wirken dagegen eher bescheiden: Das Berliner Start-up überschritt 2012 europaweit erstmals die Milliarden-Euro-Grenze. Allerdings handelt es sich hierbei um fast ausschließlich um Umsätze, die mit dem Verkauf von Mode verkauft wurden.

Die gesamte Versandhandelssparte der Otto Group, zu der neben Otto u.a. auch Baur, Schwab, Heine und Witt Weiden gehören, erwirtschafteten nach Schätzungen der TextilWirtschaft im Geschäftsjahr 2011/12 einen Textilumsatz in Höhe von 4,12 Mrd. Euro. 


Bei Amazon lassen sich die Modeumsätze nur grob erahnen. Einziger Ansatzpunkt sind die Geschäftszahlen der schwammig formulierten Kategorie „Electronics & General Merchandise, in der auch Bekleidung und Accessoires verkauft werden. Die Konzernsparte machte im vergangenen Jahr 63% des weltweiten Geschäfts aus. Außerhalb der USA waren es lediglich 40%.

Wie viel Umsatz Amazon hierzulande im Modebereich erwirtschaftet, ist nicht bekannt. Ebenso bedeckt hält sich die Deutschland-Zentrale des E-Commerce-Riesen in Bezug auf die weiteren Pläne für den Online-Handel mit Bekleidung, Schuhen und Accessoires.

Nach bislang unbestätigten Informationen der TextilWirtschaft engagierte Amazon kürzlich Pumas Europachef Sergio Bucher. Der 49-Jährige soll dem Vernehmen nach die Fashion-Sparte neu aufstellen. Denkbar wäre ein ähnliches Vorgehen wie in den USA. Dort verstärkt Amazon derzeit sein Engagement im Luxusmode-Bereich. Im Oktober 2012 mietete der Konzern ein rund 4000m2 großes Fotostudio im New Yorker Szenestadtteil Williamsburg an, das ab Frühjahr ausschließlich für Modeaufnahmen genutzt werden soll.

Dahinter steckt die Strategie, das Online-Warenhaus mithilfe von Designer-Mode, Luxusmarken und hochwertigen Warenpräsentationen als Top-Fashion-Anbieter zu positionieren. Dazu wurde die Beraterin Julie Gilhart geholt. Die ehemalige Modechefin des Luxus-Warenhauses Barneys New York verfügt über beste Kontakte in den Top Fashion-Markt.