Work Hard, Have Fun, Make History: Amazon Kreativ-Bewerbung
Work Hard, Have Fun, Make History: Amazon Kreativ-Bewerbung
Work Hard, Have Fun, Make History: Amazon Kreativbewerbung

... und so vielleicht einen neuen Job bekommt. Kreativbewerbungen über das Web stehen gerade wieder hoch im Kurs: Nachdem jüngst Christine Heller mit einer Bewerbung via Blogpost in der deutschen Kommunikations-Branche positiv auf sich aufmerksam machen konnte, geht der Franzose Philippe Dubost mit seinem Auftritt noch einen Schritt weiter. Per dreistem Copy and Paste klonte er Interface und Design von Amazon und baute zusätzlich, seine Vita betreffend, ein ein paar wirklich kreative Schmankerl ein. Seit einer Woche bietet sich über diesen Auftritt nun selbst zum Kauf an. Ein "Web Product Manager", den man via "Add to Cart"- Button anwerben kann. Reverse Engineering einmal anders gedacht. Zwar kritisieren die Kollegen der Karrierebibel inhaltlich einen Mangel an persönlicher Zielsetzung und einer gezielten Ansprache an ein bestimmtes Unternehmen, geben dem Auftritt aber ansonsten ihren Segen.

Offensichtlich ist Amazon selbst das Ziel. Ein schönes Schurkenstück, das es in nur einer Woche rund um dem Web-Globus geschafft hat:  27.000 Likes und über eine Million Seitenaufrufe sind der Lohn bisher. Via Twitter hält "phildub" seine Fangemeinde auf dem Laufenden und harrt der Dinge, die auf ihn zukommen mögen. Aber da geht noch mehr. Wir haben den Auftritt analysiert und beantworten die Frage: Wie tickt Amazon und wie kann es "phildup" schaffen, dass ihn Jeff Bezos in den Warenkorb legt?

Fluch und Segen der Aufmerksamkeitsökonomie: Wenn zuviel Öffentlichkeit zum Risiko wird

Seit die Story vor einer Woche auf das Klickradar von Mashable geraten ist, gibt es kein Halten mehr: Mit Peter Cashmores Mannen als Hebel ging die Seite einmal um die Welt und über die Startseiten der New York Times und Yahoo. Eine globale Bewerbung im Web. Mit ihrem überschweniglichen Lob, das zudem von vielen Rezipienten einfach übernommen wurde, hat Mashable dem Initiator zwar viel Aufmerksamkeit, aber auch ein Problem beschert: Die Idee, bekannte Webseiten zu klonen, oder eine Plattform selbst für ein Profil zu missbrauchen, ist nicht neu und bei soviel medialer Begeisterung wagten viele auch einen kritischen Blick und schauen genauer nach: Entwickler bemängeln die zu detaillierte öffentliche Vita, da das in der Branche nicht üblich wäre und was dem Laien die "perfekte Kopie", lässt den Code Junkie kalt: 1:1 kopierter Stylesheets und HTML-Code, der lediglich an wenigen Stellen kreativ angepasst wurde, sind handwerklich kein Hexenwerk.

Und auch ob Recruiter begeistert sein werden, ist unklar: Über eine kreative Bewerbung auf sich aufmerksam zu machen ist eine prima Möglichkeit, um sich abzuheben und sich einen Gesprächstermin zu "pitchen". Wird diese aber "zu öffentlich", setzt es ein Personaleinstellungsverfahren jedoch auch unnötig unter Druck. Aus der allgemeinen Begeisterung heraus, folgten schon die ersten Kommentaranfragen: "Na, hat's denn schon geklappt?". Offensichtlich gehen viele Menschen davon aus, dass eine gute allein Idee reichen würde, um sich einen Job zu angeln. Ohne den gebrachten Einsatz schmälern zu wollen: Auch wenn die öffentliche Aufmerksamkeit im Netz das suggerieriern mag, dem nicht so. Egal ob in diesem, noch in einem anderen Fall, wird hier kaum ein Unternehmen direkt mit einem Vertrag winken. Die Validität von Personalauswahlmethoden stellt für sich eine eigene Wissenschaft dar, aus der sich ein Maßnahmenkatalog für Recruiter ableitet und je größer eine Organisationsheit desto stringenter wird dahingend verfahren. Aus einer Laune oder Sympathie heraus, kann sich ein Gespräch entwickeln, mehr aber auch nicht: ACs, kognitive Leistungstests und Co. werden Phillipe Dubost also kaum erspart bleiben, jedenfalls nicht, wenn er bei einem großen Unternehmen würde anheuern wollen.

Risikomanagement in Personaleinstellungsverfahren

Wenn es also gut läuft, wird er sich präsentieren können. Zusammen mit anderen. Und genau hier könnte der der Mediendruck zu einem Problem werden: Wenn er in der "letzten Runde" des Verfahrens gleichauf mit einem anderen, anonymen, Bewerber liegt, für wen wird die Entscheidung tendenziell ausfallen? Zu Gunsten des anonymen Bewerbers. Verquerte Logik? Mitnichten. Wenn man zwei gleichgute Wahlmöglichkeiten hat, wird man sich für die entscheiden, die mit weniger Risiko verbunden ist. Entscheidet man sich für den "Popstar" und der entwickelt sich später nicht in dem Maße wie erhofft, macht man sich als verantwortlicher Recruiter angreifbar, da der Vorwurf im Raum stehen könnte, dass man sich vom Mediendruck hätte leiten lassen. Entscheidet man sich aber für den anonymen Kandidaten, kann einem im Nachlauf niemand diesen Vorwurf machen und umgekehrt würde den Vorwurf ebenfalls niemand machen, sondern es hieße dann nur: Pech gehabt. Insofern kann öffentliche Kreativität und entsprechende Popularität auch ein Risiko darstellen.

Amazon Bewerbung via Amazon Clone
Amazon Bewerbung via Amazon Clone
Amazon Bewerbung via Amazon Clone. Da geht noch was.

"Once In A Lifetime":  Eine Million Leser. Da sollte man nachlegen.

Offensichtlich selbst überrascht von seinem Erfolg, harrt der Initiator nun der Dinge und wartet ab. Trotz aller Risiken, stellt dieser Impact aber natürlich auch eine riesen Chance dar. Eine Million Leser. Was kann man damit alles anfangen? Wenn man seine Idee einfach weiter verfolgt und es nicht darauf beruhen lässt? Schaut man sich die Seite genauer an, da gäbe es da Ansätze. Wie die Dinge halt so laufen: Man hat eine Idee, verguckt sich darin, hat ein paar tolle Ansätze, setzt diese konsequent um, ist im Hyperfokus und gibt Vollgas. Irgendwann geht einem aber die Energie aus, man wird unkonzentriert, verspürt den Druck endlich fertig werden zu wollen und wird fahrig. Menschlich. So auch hier: Da tummeln sich am Ende schief eingefügte Grafiken, Schriftart- und Größenfehler, Farbcodes wurden nicht ganz getroffen und Plugin-Buttons nicht richtig platziert. Und: Mit der Wahl seines Profilbildes, verstößt der Macher gegen die Amazon-Richtlinien für Produktfotos: Die müssen farbig sein und zudem über einen weißen Hintergrund verfügen. Da geht also noch was.

"Code ist immer Beta": Mach es zu deinem Projekt!

Ein "Web Product Manager" dessen "Web Product" in eigener Sache sich zu einem Medienereignis entwickelt hat. Da lässst sich drauf aufbauen und seine Bewerbung einfach weiterzuführen. Es nicht einfach auf sich beruhen zu lassen, sondern Updates zu fahren und diese auch über seine Kanäle zu kommunizieren. Das Momentum ausreizen und selbst Web Product Management abzubilden. In Echtzeit und öffentlich. Was gäbe es denn zu verlieren?

- Seite optimieren: Nochmal rein, Schrift und Farben korrigieren, den Linked In-Button im Amazon Design gestalten und sein Profilbild anpassen. Maßnahmen jeweils mit einem Augenzwinkern kommunizieren: "Jetzt noch echter, noch mehr Amazon-Like". "Ach und übrigens, ich habe gesehen, dass mein Profilbild nicht den Statuten entspricht. Irgendwas ist ja immer. Hier das Update." Damit zeigt man dann, dass man nicht nur ein Baby in die Welt setzen, sondern sich auch darum kümmern kann. Zumal dann, wenn einem eine solche Aufmerksamkeit widerfährt. Und: Dass, wenn denn Amazon das Ziel ist, sich man mit Prozessen vertraut gemacht hat (Richtlinien für Produktbilder)

- Etwas zurückgeben und dabei kaufmännisches Geschick zeigen: Bisher eine Million Besucher. In wenigen Tagen. Wieviele kommen noch? Und wieviele werden es sein, wenn man das Momentum noch etwas aufrechterhalten könnte? Da steckt also auch viel Werbepotenzial drin. Bisher finden sich zwei Google Werbebanner auf der Seite. Google Ads und geklauter Code? Ob man bei Amazon da wirklich begeistert sein wird, ist zu bezweifeln. Eine Seite, die eine Bewerbung darstellen soll und die soviel Aufmerksamkeit erfährt, kann man besser befüllen: Besser weg mit den Google Ads und mit passenden Amazon-Werbeformaten bestücken, die bestenfalls was tun? Auf die beliebtesten Bewerbungsratgeber im Amazon-Katalog zu verlinken. Zeigt, dass man den Impact zu nutzen weiß und dass man was zurückgeben will. Auch hier wieder die passende Kommunikation über die eigenen Kanäle:" Ich habe zwar den Code geklaut, aber auch Sales generiert."

- Interne Prozesse aufgreifen: Die Einnahmen dann noch tracken und passgenau aufbereiten. Kaum ein Unternehmen ist so KPI-fixiert wie Amazon. Und was liebt man dort dementsprechend: Pivottabellen. Sobald die Aktion also an Zuggkraft verliert, eine entsprechende Auswertung über die verkauften Bewerbungsratgeber anfertigen. Auch hier wieder passende Begleitkommunikation. Zeigt, dass man sich mit Interna befasst hat und greift zudem eine Maßnahme auf, die Amazon selbst im Rahmen seines Human Ressource Marketing betreibt: Auf den Infoseiten für Bewerber auf entsprechende Ratgeber im eigenen Angebot zu verlinken. Da wird nix verschenkt, sondern Micromanagement praktiziert.

Mal abwarten, was passiert. Hoffentlich bleibt Philippe Dumont nicht mit viel Aufmerksamkeit aber letztlich leeren Händen zurück. Wenn er aber, ob der weltweiten Aufmerksamkeit, nicht "einknickt", sondern an diesen oder anderen Punkten noch eine Schüppe drauflegt und aus seiner Idee ein Projekt macht, könnte es sein, dass er doch nicht durch ein AC muss, sondern er von Jeff Bezos selbst eingekauft wird. Über eine Kopie seines eigenen Warenkorbs. "Work Hard, Have Fun, Make History" ist der HR-Marketing-Claim bei Amazon. Da müssten sie ihn eigentlich nehmen. Denn dann hätte er gezeigt, dass er alle drei Kriterien ausfüllen kann. Das würde die Geschichte rund machen.