Für die Autohersteller und ihre Händler wird es immer teurer und aufwändiger, ihre wachsende Modellpalette in Showrooms demonstrieren. Klassischer E-Commerce ist aber kein geeignetes Gegenmittel, weil die Kunden Wert auf persönliche Beratung legen. Audi geht daher einen dritten Weg: Das Zauberwort heißt „Audi City“, eine Art Cyberstore, in dem die Autos nicht mehr real, sondern im digitalen Raum präsentiert werden. Der erste Standort wurde heute in London in der Nähe des Piccadilly Circus eröffnet. Audi könnte damit eine interessante Entwicklung lostreten: die Verlegung des Autokaufs in die virtuelle Welt.

Im Lounge-artig eingerichteten Store kann der Interessent das Auto, das ihn interessiert, auf nahezu raumfüllenden Leinwänden lebensecht im Maßstab 1:1 erleben, wobei alle Technikdetails und Ausstattungsmöglichkeiten einzeln dargestellt werden können. Betreut wird er dabei von einem Verkäufer, der nun „Kundenbeziehungsmanager“ heißt und dauerhafter Ansprechpartner für den Kunden bleibt, sollte sich dieser zu einem Kauf entschließen. Mit dem digitalen Deluxe-Equipment versucht Audi, den Kunden auch Autos zu verkaufen, die sie vorher nicht physisch erlebt haben.

Das Beste aus zwei Welten

„Audi City verbindet das Beste aus zwei Welten: die digitale Produktpräsentation und den persönlichen Kontakt zum Händler“, sagt Peter Schwarzenbauer, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei Audi. Der Ingolstädter Autohersteller bereitet damit eine neue Art von E-Commerce vor: Kaufanbahnung und Kauf laufen bereits virtuell ab, beraten wird man aber noch von einem realen Menschen. Damit wird ein sehr aufschlussreiches Experiment gestartet: Wie viel Virtualität kann man dem Autokäufer zumuten, an welchem Punkt springt er ab? Denn zweifellos wird hier ein Prozess eingeleitet, der sich letztlich noch weiter zuspitzen ließe – warum sollte am Ende der Entwicklung kein „digitaler Kundenberater“ stehen?

Mit dem Konzept schafft es Audi auf jeden Fall erst einmal, in den Zentren der großen internationalen Metropolen präsent zu sein, ohne gleich kostspielige Showrooms für eine große Zahl von Autos bauen oder mieten zu müssen. Bis 2015 will der Autohersteller mehr als 20 Stores weltweit eröffnen. Diese sollen auch dazu dienen, neue Mobilitätsdienstleistungen und Elektroautos zu vermarkten.

Natürlich bemüht sich Audi, in der öffentlichen Darstellung des Konzepts den Eindruck zu vermeiden, hier werde die schleichende Abschaffung der Händler eingeleitet. „Audi ergänzt seine Handelsnetze“, heißt es ausdrücklich in der offiziellen Pressemitteilung. Betont wird auch, dass jede Audi City an einen Audi-Händlerbetrieb angebunden ist, der als „zentrales Kompetenzzentrum“ das gesamte Leistungsspektrum von Audi verfügbar mache. Dennoch gehört nicht viel Phantasie dazu, sich Audi-City-Standorte vorzustellen, die nicht unter der Ägide des guten alten Händlers betrieben werden. 

Fotos: Audi