Daten sind das neue Gold, und im Goldrausch befinden sich alle, die aktuell nach Bitcoins jagen. Der Wechselkurs der Kryptowährung schwingt sich fast täglich zu neuen Hochs auf. Lösen Bitcoins unser Bargeld ab? Immerhin akzeptiert nun sogar die Lieferplattform Lieferando die Kryptowährung als Zahlungsmethode.

Wer die Schlagzeilen rund um Bitcoins liest, fühlt sich plötzlich altmodisch, wenn er an der Kasse im Supermarkt seine Girocard zückt, oder am Kiosk mit Euro-Münzen zahlt. Paypal denke darüber nach, Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren, heißt es. Die Redakteure einer Fachzeitschrift aus Deutschland können sich ihr Gehalt wahlweise auch in Bitcoins auszahlen lassen. Selbst die Präsidenten von Notenbanken loben das neue Geld als Innovation.

Keine Sorge, die Zukunft ist nicht an Ihnen vorbeigerauscht.

In einem Artikel des Manager Magazin wird geschätzt, dass es weltweit 350.000 Transaktionen mit Bitcoins gibt. Das liest sich ganz ordentlich. Genau wie der markige Satz in der Wikipedia, dass es "allein in Deutschland 100 Akzeptanzstellen" für Bitcoins gäbe. Das relativiert sich dann aber rasch, stellt man die Zahlen den täglich 77 Millionen Transaktionen mit Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen gegenüber. Und auf 100 Akzeptanzstellen für den Euro bringen es schon zwei Einkaufsstraßen in einer Großstadt.

Bitcoins faszinieren. Die einen wegen der dahinterstehenden Technik, die anderen, weil man damit (derzeit) ganz offenbar mühelos reich werden kann.

Woher kommen Bitcoins eigentlich?

Der Name leitet sich aus den Begriffen Bits und Coins (für Münzen) ab. Vorgestellt wurde das Konzept bereits im Jahr 2009, mit dem Ziel, eine Währung zu entwickeln, die unabhängig von Staaten oder Zentralbanken funktionieren soll. Quasi das Esperanto unter den Währungen, aber getrieben von Nutzern. Die Währung basiert auf der Blockchain, was die Transaktionen manipulationssicher und nachvollziehbar macht.
Ohne in die Tiefen der Informatik eindringen zu wollen. Bitcoins entstehen durch komplexe mathematische Berechnungen. In regelrechten „Minen“ werden die virtuellen Münzen produziert.

What is Bitcoin? (v1)

Theoretisch kann das jeder, nur funktioniert das nicht mal eben auf dem Heimcomputer mit einem Mausklick. Für die Berechnung eines Coins werden schon Hochleistungsmaschinen benötigt, die dann wiederum eine Weile beschäftigt sind. Derzeit ein profitables Geschäft, da der Wert der Coins in realen Währungen weiter steigt. Insgesamt können 21 Millionen der Coins generiert werden. Das ergibt sich aus seinem mathematischen Modell, etwa 12 Millionen davon sind bereits errechnet. Aber auch die pro Tag errechnete Menge ist begrenzt. Mit anderen Worten: Je mehr Menschen auf den Zug aufspringen, um selber Bitcoins zu „schürfen“, umso geringer ist deren Chance, Bitcoins zu gewinnen. Aufbewahrt werden die Bitcoins in einer Software, dem Wallet.

Soweit der Ausflug in die Tiefen von Bit&Bytes oder besser Coins.

Bitcoins akzeptieren?

Wer jetzt an die Öffentlichkeit geht, Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren, kann sicher sein, eine Schlagzeile zu landen. Allerdings ist das Gesamtangebot an Akzeptanzstellen dann doch recht überschaubar. Darüber dürfen auch klingende Namen wie Microsoft oder Wordpress.com nicht hinwegtäuschen. Die Landkarte für Bitcoin-Automaten listet rund 1300 Geräte auf. Weltweit. Von einer Massenerscheinung ist die neue Währung also doch noch sehr weit entfernt. Für die Mutigen: Der Paypal-Konkurrent Stripe akzeptiert Zahlungen per Bitcoin schon bereits seit 2014. Hierzulande akzeptiert nun sogar die Lieferplattform Lieferando die Kryptowährung als Zahlungsmethode.
Grundsätzlich gilt: Wer Bitcoins in seinen Online-Shop anbieten will, kann das also verhältnismäßig unkompliziert tun. Man muss es aber wollen - und sich gegen die radikalen Kursschwankungen absichern.
Im stationären Handel dürfte das Thema Bitcoins noch eher lange auf sich warten lassen, es sei denn Electronic Shelf Labels haben sich dann flächendeckend durchgesetzt und die werte Kundschaft ist daran gewöhnt, dass sich Preise permanent ändern. Denn das wird bei den Schwankungen der Kurse nötig sein.

Spekulative Währung ohne realen Gegenwert

Gegen die Akzeptanz von Bitcoins im Handel sprechen die nicht absehbaren Risiken, die in der Kryptowährung stecken. Denn in erster Linie ist sie derzeit ein Spekulationsobjekt und alles andere als eine sichere Geldanlage. Nicht wenige Finanzfachleute vergleichen die Hysterie um die Bitcoins mit der Mutter aller Spekulationsblasen. Die Tulpenhysterie, die in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts große Teile der niederländischen Bevölkerung in Tulpenzwiebel-Spekulanten verwandelte. Und am Ende arm gemacht hat. Die Tulpen von damals haben mit den Bitcoins von heute eine wichtige Eigenschaft gemeinsam. Derzeit ist die Nachfrage um ein Vielfaches höher als das Angebot. Und das lässt den Preis in die Höhe wachsen. Die Basis einer jeden Spekulationsblase.
Nun lässt sich trefflich streiten, ob in Papiergeld ein realer Gegenwert steckt. Indes gibt es hier mit Leitzinsen, Geldmengensteuerung und Einlagensicherungsfonds zumindest eine ganze Reihe von Fallschirmen, die galoppierende Inflationen und Wertverlusten der Währungen vorbeugen. Diese Sicherheitsmechanismen fehlen den Bitcoins vollständig. Und kritische Fragen in dieser Hinsicht, werden oft mit dem Nutzen und den Vorteilen, gerade der Unabhängigkeit von Banken, beantwortet.

Laut Voltaire kehrt Papiergeld früher oder später zu seinem inneren Wert zurück. Und der ist Null. Bitcoins müssten erst noch den Beweis antreten, dass sie in dieser Hinsicht anders sind. Und dass dieser Fall nicht vorschnell eintritt.

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