Sybille Wilhelm, E-Commerce-Expertin beim Wirtschaftsmagazin “Der Handel” und etailment-Autorin hat auf 162 Seiten jede Menge Tipps für die E-Commerce-Praxis in einem Buch zusammengestellt. 

“Erfolgsfaktor Online-Handel - Tipps für die E-Commerce-Praxis – von der Gründung bis zur Expansion nennt sich das Werk und liefert reichlich Nutzwert und Beispiele für Gründer und Praktiker.

Als Service für etailment-Leser gibt es hier eine Leseprobe zum Thema Online-Marktplatz und regionalen Chancen. 

Gemeinsam stark

Wer erst einmal schauen will, wie sich das mit dem Onlinegeschäft so anlässt, kann sich die Bekanntheit von Plattformen wie eBay oder Amazon zu Nutze machen und dort einen Webshop einrichten. Kleinere Händler und Handwerker, die besondere Dinge anbieten, können sich aber auch zusammentun und ihre Produkte in eigenen kleinen Shops auf spezialisierten Internet-Marktplätzen verkaufen.

Auf dem Onlinemarktplatz für Selbstgemachtes DaWanda.de finden Liebhaber von Unikaten inzwischen beispielsweise knapp zwei Millionen Produkte in individuellem Design, die sie direkt von den jeweiligen Herstellern erwerben können. Das Angebot der rund 120.000 DaWanda-Shops reicht von Mode, Schmuck und Spielzeug über Graffiti-Kunst und restaurierte Möbelstücke bis hin zum Luxus-Halsband für den Vierbeiner.

Epelia.com versteht sich als Onlinemarktplatz für in Handarbeit nach Familienrezept hergestellte Delikatessen mit Tradition anstelle von Massenproduktion. Dort haben sich Produzenten, Manufakturen und Direktimporteure aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt zusammengetan und bieten mehr als 1.300 Produkte an, von denen die meisten im normalen Lebensmitteleinzelhandel nicht erhältlich sind.

Regionale Händler können sich ebenfalls zusammentun. Zum Beispiel sind Ende 2011 zunächst 33 stationäre Händler des Hamburger „Schanzenviertels“ auf Schanzenport.de zusammen in den E-Commerce eingestiegen. Das Portal will Onlinemarktplatz und Shopping-Guide zugleich sein. Neben dem virtuellen Schaufensterbummel und Einkaufsmöglichkeiten berichten die Ladenbesitzer in Blogeinträgen über neue Produkte und Entwicklungen in dem kreativen Viertel.

Regionale Chance

Die neuen technischen Möglichkeiten und die Verbreitung der Smartphones erlauben es auch stationären Händlern, im Netz gefunden zu werden. Wenn ein regional tätiger Händler heute allerdings einen Webshop ins Netz bringen will, sollte er dies auch und vor allem als Service und Kommunikationskanal für seine bestehende Kundschaft verstehen. Wenn er dann auch noch „in alle Welt“ verkauft, umso besser.

Der Vorteil des Internets ist, dass stationäre Händler einfach Termine, Aktionen und Angebote einstellen können, damit die Kunden aus der Region wissen, ob es sich lohnt, mal vorbeizuschauen. Doch dazu reicht prinzipiell auch eine gepflegte Homepage – die im Übrigen jedem stationären Händler ohnehin anzuraten ist.

Der Vorteil eines Webshops ist darüber hinaus, dass der Händler sein Sortiment erweitern kann, ohne dass er seinen Laden zustellen muss. Zudem können Händler Kunden aus der Region in ihr Geschäft locken, wenn sie beispielsweise anbieten, bestellte Ware versandkostenfrei im Laden abzuholen oder bestellte Ware dort umzutauschen. Für Kunden hat die Kombination aus Onlineshop und stationärem Laden den Vorteil, dass sie sich vor dem Onlinekauf im Laden informieren oder vor dem Kauf im Laden online Informationen einholen können.

Best Practice Frank Fischer, Weinkellerei Höchst:

„Die ehemalige Weinkellerei der Höchst AG gibt es seit 1885 und war mal mit einem Lagerbestand von mehr als zwei Millionen Flaschen der größte Weinhändler Deutschlands. Nach der Zerschlagung der Höchst AG haben meine Frau, ein Geschäftspartner und ich die Weinkellerei 2002 gekauft. Sie bot traditionell Wein- und Feinkost für Geschäftskunden an. Das macht neben dem klassischen Wein-Einzelhandel – wir haben vor kurzem die zweite Filiale nahe Frankfurt eröffnet – noch immer einen Großteil unseres Geschäfts aus.

Auf die Idee, einen Internetshop aufzumachen, kamen wir 2004. Ursprünglich war der Shop nicht als weiterer Vertriebskanal geplant, sondern als Informationsplattform für unsere Kunden. In den Anfangszeiten kam dementsprechend nur sporadisch mal eine Onlinebestellung. Das lag auch daran, dass man uns anfangs im Internet nicht gefunden hat.

Doch dann haben wir unseren Webshop mit der Warenwirtschaft verknüpft, unsere Internetseite fit für Suchmaschinen gemacht und sind bundesweit präsent. Seitdem steigt der Online-Anteil kontinuierlich. Wer bei Google „Weinkellerei“ eingibt, sieht uns sogar inzwischen als ersten Treffer. Wir haben in unserem Webshop Anfang 2012 durchschnittlich rund 6.000 Besucher monatlich. Von denen bestellen natürlich nicht alle, aber viele informieren sich online und kommen mit einem Ausdruck in der Hand in unsere Filialen.

Wir nutzen inzwischen auch Gutscheinportale wie Groupon, um Veranstaltungen zu bewerben und hier im Rhein-Main-Gebiet weiter bekannt zu werden. Aktuell haben wir beispielsweise dort eine Verkostung von Wein und Schokolade angeboten. Das Geld, das wir dort einnehmen, deckt gerade mal die Kosten. Aber es haben sich immerhin 180 Weinliebhaber aus der Region angemeldet.

Der Weinhandel ist ein hart umkämpfter Markt, auf dem sich auch die Discounter erfolgreich tummeln. Über den Preis braucht man also auch im Internet nicht groß argumentieren. Als stationärer Händler kann man aber mit Service und schneller Warenverfügbarkeit punkten. Wir haben in unserem Filiallager in Frankfurt-Höchst mehr als 700 unterschiedliche Weine aus 50 Anbauregionen der Welt vorrätig. Unsere Onlinekunden bekommen entsprechend schnell ihre Bestellung.

Wir sind froh, neben dem stationären Laden und den Geschäftskunden mit dem Webshop einen weiteren Vertriebskanal zu haben. Denn wenn ein Vertriebsweg mal nicht so gut laufen sollte, könnten wir das eine Zeit lang aushalten. Schließlich haben wir inzwischen auch Verantwortung für elf Mitarbeiter.“

Das Buch "Erfolgsfaktor Online-Handel" und weitere Fachbücher erhalten Sie unter www.dfv-fachbuch.de.