Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender (c) Hubert Burda Media

Ob da der Handel, immerhin einer der wichtigen Anzeigenkunden für Springer und Burda, noch lange tatenlos zuschaut? Denn die beiden Medienriesen drängen angesichts der Probleme im Kerngeschäft mit Macht in den E-Commerce.

Springer verhandelt laut  Deutsche Start-ups über einen Einstieg beim Inkubator Project A. Von 50 Millionen Euro ist die Rede.

Burda bestätigt  heute in der "FAZ" nochmals seine Anstrengungen im Handel: ""Wir als Zeitschriftenverlag sind uns für Handel nicht zu schade. Wir glauben, dass moderne Medienunternehmen nicht nur informieren, sondern auch Transaktionen ermöglichen", sagte der Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen dem Blatt.

Zum Schritt Richtung E-Commere sieht sich Kallen, der sich gerne auch mal selbst Inspiration im Silicon Valley holt,  auch durch Google gedrängt.  Google habe dafür gesorgt, dass das Internet im Wesentlichen ein Transaktionsmedium geworden sei, das vom Verkauf beziehungsweise von der Vermittlung von Waren und Dienstleistungen lebt, und lasse für diejenigen, die Inhalte mit Markenwerbung finanzieren, kaum etwas übrig.  Also ran an den Speck.

Burda, das Ende 2012 die Mehrheit an dem Business-Netzwerk Xing übernommen,  betreibt nämlich nicht nur zig Online-Portale wie HolidayCheck.de oder die Partnervermittlung ElitePartner.de, sondern ist auch mit Zooplus, einem der Top-Shops in der jüngsten Kundenzufriedenheitsstudie, dick im Geschäft. Burda hält an dem börsennotierten Tierartikel-Händler knapp über 50 Prozent. 245 Millionen Euro Umsatz kommen so in die Burda-Bücher. Kein Kleckerbetrag bei einem Umsatz von 2,45 Milliarden Euro in 2012.

Jeder zehnte Euro wird mit Katzenfutter und Co verdient

Das Medien-Unternehmen Burda, das auch mit E-Commere-Beratung verdient, arbeitet natürlich auch dem Handel zu. Insbesondere die Online-Auftritte der Modetitel werden immer mehr auch zu Affiliate-Brücken. Zum verschachtelten Digital-Bereich gehören aber auch 52weine.de,  Cyberport,  Computeruniverse, Valentins,  edelight und mit Lumas sogar ein Kunsthändler.

Springer: Bislang Portale und Start-ups im Fokus

Springer kann da mithalten. Nicht nur  Dank des Schwergewichts Bildshop und der Übernahme passender Start-ups wie KaufDa und mächtige Portalen wie idealo im Portfolio. Ebenfalls beteiligt ist Axel Springer an autohaus24.de, einem markenübergreifenden Neuwagenportal, an buecher.de, einem Online-Kaufhaus für Bücher, Musik und Filme und Visual Meta, das Online-Shoppingportale wie Ladenzeile.de betreibt

Bislang haben sich die Aktivitäten damit aber immer eher noch am Rand des Kerngeschäfts bewegt. 

Nun wird der Radarschirm größer. Die Beteiligung an der  internationalen Start-up-Konferenz hy! Berlin mag man da noch als Inspirations- und Vernetzung-Vehikel sehen. Burda hat ja schließlich auch seine DLD-Konferenz, bei den Rockstars der Digitalbranche ein beliebtes Warm-up vor Gipfel in Davos.

Millionen-Einstieg bei Project A Ventures

Der bevorstehende Millionen-Einstieg bei Project A Ventures, wo  Ex-Manager von Rocket Internet mit millionenschwerer Unterstützung des Versandriesen Otto an neuen E-Commerce-Konzepten tüfteln, hätte da eine neue Kultur. Ob sich Digital-Freund und Springer-Chef Mathias Döpfner Florian von dem Team um Florian Heinemann, Uwe Horstmann, Thies Sander und Christian Weis nur Paid-Content-Ideen erhofft? Wohl kaum.

Project A pumpt bislang seine gesamte Entwicklungskraft vor allem in nischenorientierte, aber vielversprechende E-Commerce-Lösungen wie Amerano (Mode), Kochzauber (Abo-Commerce), nu3 (Nährstoffe),  Tirendo (Reifen), Shirtagram (Mobile) und Wine in Black.  

Myby revisited?

Springer und Otto rücken damit näher aneinander. "Keine schlechte Kombi" findet Deutsche Startups

Und sie kommt ein wenig bekannt vor. 2007 lancierten Karstadt und der Medienkonzern den Online-Laden MyBy.de, der nach der KarstadtQuelle-Insolvenz bei Pro-Markt landete. Springer hat also im E-Commerce noch eine Rechnung offen.