Same Day Delivery - da hatte Amazon jüngst noch der Kosten wegen abgewunken. Doch die schnelle und unkomplizierte Zustellung wird zum wichtigen Hebel im Wettbewerb. Gleichgültig, ob noch am selben Tag, per Packstation oder Click & Collect im Laden. Über den künftigen Weg entscheiden nicht nur die Kosten, sondern vor allem auch der Kunde. Umso spannender sind die unterschiedlichen Experimente. Vor allem der Versuch von Notebooksbilliger.de, die gerade das Modell des Same-Day-Delivery erproben, lässt  aufhorchen. Und auch bei Media-/Saturn spricht die Abstimmung mit den Füßen für die neuen Optionen.

Notebooksbilliger ist nun nicht gerade ein kleiner Player, verfügt mit seinen Stores, demnächst kommt auch ein Laden in Düsseldorf dazu, auch über eine wachsende regionale Anbindung. Der Händler kooperiert jetzt mit dem Kurierdienst Tiramizoo. Auch er kein kleiner Anbieter, wenn es um lokale Sofortlieferung geht. In zehn Großstädten ist er dabei, hat zudem seit dem Einstieg von Daimler einen potenten Partner im Rücken. Die ersten Ergebnisse mit Tiramizoo seien vielversprechend, heißt es bei notebooksbilliger.

Google experimentiert in San Francisco mit einem eigenen Same-Day-Delivery-Angebot. eBay greift das Thema in einem Feldversuch in San Francisco an. Auf Sparflamme. Noch. Bestellungen sind vorerst nur über die App “eBay Now” möglich. 

Aber da geht noch was.

Kostengünstige Saas-Lösungen und GPS-Systeme sowie Innovationen in den Bereichen Mobile Payment und Location Based Services vereinfachen die logistischen und finanztechnischen Herausforderungen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich der Service kostenseitig so darstellen lässt, dass er für solvente, konsumfreudige und bequeme Kunden zumindest in den Metropolen für hochwertigere Konsumgüter attraktiv wird. Da sehen sogar die Logstiker selbst schon einen Markt. UPS hat jüngst 2 Millionen US-Dollar in Shutl investiert, um dem Unternehmen den Sprung über den Atlantik zu ermöglichen.

Die andere Alternative: Packstationen. Günstiger für den Kunden und sicher brauchbarer für kleinpreisigere und kleiner Waren wie Bücher und CDs. Kein Wunder also, das ausgerechnet Amazon auf "Locker" setzt, Packstationen in Eigenregie, vergleichbar den Paketautomaten, wie sie DHL-Kunden in Deutschland bereits gewohnt sind, rollt Amazon allmählich großflächig aus. Nun ist man offenbar mit den großen Ketten Radio Shack und Staples in den USA handelseinig wurde.

Es wird für den Online-Riesen nicht der einzige Lieferweg bleiben. In Großstädten wie  Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart, Köln sowie diversen Ruhrgebietsstädte bietet Amazon eine Art Schmalspur-Same-Day-Delivery an. “Evening Express” heißt das dann. Wer bis 11 Uhr bestellt und einen Aufpreis von 13 Euro (Prime-Kunden: 5 Euro) zahlt, bekommt die Ware am selben Tag zwischen 18 und 21 Uhr zugestellt.

Der Kunde jedenfalls scheint grundsätzlich bereit: Eine Ebay-Studie zur „Zukunft des Handels“ ergab, dass 60 Prozent der Verbraucher noch mehr online und mobil bestellen würden, wenn die Ware noch am selben Tag geliefert würde. Die Gretchenfrage aber ist - was ist ihnen das wert? Ebay verlangt fünf Dollar. Shutl, Kurierdienst in UK und mit großen Modeketten bereits im Geschäft, nimmt für die Zustellung von online bestellten Artikeln in 90 Minuten rund 15 Euro.

“Click&Collect” ist da für sparsame Kunden die günstigere Lösung und für stationäre Händler ein wichtiger Weg, um Kunden zu binden oder sie zumindest nicht an die Amazons und notebooksbilliger dieser Welt zu verlieren. So scheint Click & Collect für Media-Markt/Saturn von derart strategischer Bedeutung zu sein und so zufriedenstellend zu laufen, dass es im Quartalsbericht der Mutter Metro prominent hervorgehoben wurde und die Pick-up-Rate bei Saturn mit 46 Prozent und bei Media-Markt mit 34 Prozent beziffert wird.

Die Abstimmung mit den Füßen spricht also deulich dafür, dass Kunden zumindest mehr Flexibilität bei der Zustellung wünschen.