Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Virtual Reality ein brandheißes Thema war? An die merkwürdig aussehenden Brillen, VR-Helme und Datenhandschuhe, die es bei aller Hightech-Anmutung nie schafften, ihre Benutzer so richtig in das Geschehen hinein zu versetzen? Vielleicht erinnern Sie sich sogar noch an Ihre Reaktion auf den Hologramm-Auftritt von Obi-Wan Kenobi in „Star Wars“.

Stefan Schmidt, VP of Product Strategy beim Multichannel Commerce-Experten hybris, tut es in einem Gastbeittrag für etailment:  Ich sagte mir damals: „Das wird nie etwas! Nicht in tausend Jahren!“ So kann man sich täuschen: Die Verbindung aus Kinect, iPad und YouTube hat die Vision des Jahres 1977 nun Realität werden lassen. Erweiterte Realität. Mögen auch viele Augmented Reality-Videos wie die Spinnereien von Computer-Nerds wirken und bei weitem noch nicht reif für den Massenmarkt sein, so gibt es dennoch einen großen Unterschied zur virtuellen Realität früherer Jahre und gute Gründe, die für einen Einsatz im Handel sprechen.

 Ein Showroom der besonderen Art

Warum sind Videos so erfolgreich? Sie zeigen uns, was ein Produkt kann, und führen uns konkret vor Augen, welche Vorteile wir davon haben könnten. Ein Beispiel: Bei meiner Suche nach einem neuen Wohnzimmerschrank fand ich viele Möbel, die mir gut gefielen – sowohl online als auch offline. Was ich nicht wusste, war, wie gut der betreffende Schrank in unser Wohnzimmer passen und ob er sich in den Einrichtungsstil insgesamt einfügen würde. Am liebsten hätte ich alle in Frage kommenden Möbelstücke mit nach Hause genommen und dort probehalber aufgestellt. Das geht natürlich nicht. Mit den Möglichkeiten der Augmented Reality hätte ich ein Foto meines Wunsch-Schranks in ein Bild meines Wohnzimmers einfügen und mir die Entscheidung damit erheblich vereinfachen können. Eine Augmented Reality-Applikation hätte mir gesagt, ob die Maße stimmen und ob die Farbe des Schranks zum Rest des Zimmers passt. Die Kaufentscheidung wäre deutlich schneller gefallen, und wir hätten es uns erspart, den letztlich unpassenden Schrank zurück ins Möbelhaus zu bringen. Mit ein bisschen Phantasie fallen Ihnen garantiert viele andere Beispiele ein, bei denen Augmented Reality den Kunden dabei helfen könnte, sich potenzielle Produkte besser vorzustellen. Das Online-Beispiel zeigt, welche Möglichkeiten in einem schlichten Tetrapack stecken. 

Interaktive Online-Stores

Eine der besten AR-Visualisierungen, die ich in letzter Zeit gesehen habe, zeigt einen Drachen, der aus einem Loch in einer Mauer hervorbricht. Der Effekt war so atemberaubend realistisch, dass ich einen Moment völlig perplex war.

Die Kombination aus iPad (oder Tablet) und Microsoft Kinect hat die Tür zu einer völlig neuen Welt aufgestoßen, in der die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen wie nie zuvor. Das Video unten zeigt ein anderes Beispiel. Die im Hintergrund zu sehende Person koordiniert die Bewegungen der virtuellen Figur im Vordergrund – ohne Joystick oder Datenhandschuh.Das Kinect-System erkennt die Bewegungen des Nutzers und übersetzt sie direkt in die Bewegungen der Figur.  

Kinect bietet aber nicht nur eine atemberaubende Technologie, sondern könnte auch das Einkaufserlebnis von Online-Kunden verbessern. In Gestalt von In-Store-Navigationssystemen könnte es Kunden dabei helfen, sich in einem Geschäft zurechtzufinden, oder es könnte sie über Sonderangebote und Cross-Selling-Optionen informieren. Ein derartiges System könnte zusätzliche Informationen zu einem Produkt anzeigen oder es animieren.

Einkaufserlebnis von Online-Kunden verbessern

AR-Technologie kann Verkäufern und Kunden zugutekommen und dem Einzelhandel dabei helfen, sich die im Internet so erfolgreichen Verkaufsstrategien zunutze zu machen – Personalisierung, Cross-Selling, Up-Selling und Empfehlungen.
Der Business Case für einen Online-Store lässt sich auch auf die reale Welt übertragen und kann – verbunden mit einem integrierten Bezahlsystem – das Einkaufen von Grund auf revolutionieren,

Hightech zum niedrigen Preis

Denken Sie daran: Die eigentliche Arbeit ist schon erledigt. Alles, was Sie brauchen, ist Kreativität bei der Umsetzung. Daten zu Produkt, Kunden, Bestand, In-Store-Navigationskarten, Kaufhistorie, Empfehlungen und Personalisierung werden von modernen Commerce-Systemen geliefert, die diese Informationen bereits Websites, mobilen Endgeräten und anderen Datenkonsumenten zur Verfügung stellen. Abgesehen von der Investition in ein oder zwei Kinect-Systeme und einem internetfähigen Store benötigen Sie noch nicht einmal zusätzliche Hardware!

Die Hardware haben Ihre Kunden und iPhone, Android usw. bieten bereits phantastische Augmented Reality-Anwendungen, die den Usern bestens vertraut sind. Fangen Sie ruhig klein an.

AR bedeutet nicht, dass Sie Ihre bisherige Art, Geschäfte zu machen, völlig verändern müssen. Wenn Ihr Unternehmen zahlreiche Kontaktstellen zum Kunden hat und einen Multichannel-Ansatz verfolgt, ist der Einstieg in die Augmented Reality ein Kinderspiel.

Wie können Sie sich die Möglichkeiten von Augmented Reality zunutze machen?

+ Investieren Sie in Multichannel-Software, die in Echtzeit Daten bereitstellt und Prozesse verarbeiten kann und die Ihnen so die ständige Replikation der Daten erspart.

+ Machen Sie Ihre Filialen fit für das Internet. Ich bin der festen Überzeugung, dass Einzelhändler, die die innovative Nutzung von Smartphones in ihren Geschäften ermöglichen und einen einfachen Zugang zum Internet bieten, die Basis für künftigen Erfolg legen.

+ Versammeln Sie ein kreatives Team um sich, das sämtliche Möglichkeiten der neuen Technologie ausreizt. Dabei dürfte dies der größte Investitionsposten sein, denn alles andere ist bereits an Ort und Stelle.