Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sich die Welt rund um das Thema E-Commerce grundlegend ändern wird. Zum einem liegt dies an den gestiegenen Bedürfnissen der Besucher eines Online-Shops, zum anderen und größten Teil jedoch, sind die aktuellen, technologischen Möglichkeiten Grund für diesen Wandel.

Online-Eco-Systeme wie Twitter, Facebook, Linked-In ermöglichen Shop-Betreibern über diverse Schnittstellen Zugriff auf wertvolle Informationen, die das Online-Einkaufserlebnis tatsächlich zu einem Erlebnis werden lassen und jedem möglichen Kunden die bestmögliche, personalisierte Betreuung im Online-Shop zukommen lässt. Diese Informationen nennt man Social Data.

Welche Auswirkungen das für den E-Commerce hat, beschreibt Marco Ripanti, Gründer und Geschäftsführer von ekaabo (Spreadly, Mister Wong, Yigg)  in einem Gastbeitrag.

Lange genug haben sich Online-Shopper mit dem Komfort von Funktionen wie „Leute die das gekauft haben, haben auch das gekauft.“ zufrieden gegeben. Heute ist fast allen klar, dass sich individuelle Einkaufsbedürfnisse nicht nur auf das Klickverhalten auf Amazon zurückführen lassen.

Die Zeiten, in denen einige der Meinung waren, dass die E-Commerce Plattform der Zukunft facebook.com heißen würde sind hoffentlich schon vorbei. AUF facebook.com ist kein Business zu machen. MIT bzw. DANK facebook.com jedoch eine ganze Menge.

Der von einigen praktizierte Ansatz, unter der Überschrift Social Commerce, war sicher ein guter Einstieg in die Zukunft des E-Commerce, aber die Definition oder das Verständnis dafür waren falsch. Es geht nicht in erster Linie nur darum, was meine sozialen Kontakte (einige nennen diese auch Freunde) gut finden, sondern um die Möglichkeiten, die ein Shop heute und in Zukunft hat, um individuelle, aktuellen Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen.

Re-Targeting: Langeweile statt Aufmerksamkeit

Re-Targeting ist out. Nur weil ich mich einmal vor X Tagen für einen Urlaub auf Santorini interessiert habe, muss ich ein paar Tage später nicht weiter mit Werbung dafür belästigt werden. In unserer schnelllebigen Zeit kann das Thema für mich schon lange erledigt und damit langweilig sein und die Re-Targeting-Kampagne erzielt genau den gegenteiligen statt des gewünschten Effekts: Langeweile statt gespannte Aufmerksamkeit.

Ein Satz an Social Data eines Nutzers könnten in Zukunft eine neue Dimension in Sachen Targeting eröffnen. Blicken wir jedoch zunächst auf die heute Vorgehensweise auf diesem Gebiet.

Heute sind Klick-Strecken und historische Einkäufe die Grundlage für „Personalisierung“. Diverse Zielgruppensegmente bilden die Grundlage für Behavioral Targeting und Personalisierung, aber sie werden von einzelnen Archetypen oder Personas definiert und sind nicht eindeutig einer Identität zuzuordnen.

Aus Sicht des Datenschutzes ist dies sicher eine gute Sache. Leider werden wir in Deutschland aber mittelfristig nicht mit dieser Methode weiterkommen. Shop-Betreiber müssen eigene Data-Mining Ansätze verfolgen.

Welche Rolle spielt hierbei Social Data ?

Seit dem Einzug von Facebook, Twitter & Co in unseren Online-Alltag, hinterlassen wir eine unglaubliche Menge an Informationen in diesen Netzwerken. Demographische Daten, Interessen, Freunde und diverse Real-Time Aktivitäten. Einen großen Teil davon übergeben wir oft schon an Dritte wenn wir die Social Login Funktion nutzen. Wir sparen uns den oft umständlichen Registrierungsprozess und tauschen unsere Daten gegen den Deal uns mit nur einem Klick an einer Webseite oder in einem Shop anmelden zu können.

In vielen Fällen endet bei Unternehmen heute die an dieser Stelle die Phantasie hinsichtlich Social Data. „Wir bieten unseren Nutzern eine bequeme Möglichkeit sich zu registrieren“ …. und weiter?

Nur zu oft liegen diese über den Log-In generierten Informationen brauch und werden nicht weiter genutzt. Ob Unwissenheit oder Angst vor dem falschen Schritt der hierfür Grund ist, lässt sich heute (noch) nicht sagen.



Social Data liefert uns Informationen, die tagesaktuell sind. Die letzten Follower aus Twitter, die letzten LIKES aus Facebook und die aktuellsten Check-Ins aus Foursquare: Sobald Dienste wie Linked-In und XING ihre API noch ein wenig weiter öffnen, sind auch B2B-Informationen für den eigenen Online-Dienst nutzbar.

Mit dem Einsatz eines Social Log-Ins, haben viele Shops bereits den ersten Schritt getan, doch an weitere Schritte wird in vielen Unternehmen heute noch nicht gedacht.

Noch nie war es  so einfach und komfortabel auf der Basis von Social Data ein CRM aufzusetzen, um mit Hinblick auf die aktuellen Interessen und Aktivitäten eines möglichen oder bereits bekannten Kunden, die optimalen Produkte und / oder Dienstleistungen anzubieten.

Sicher „verstecken“ sich viele noch hinter der Blackbox Datenschutz, doch werden wir die nächste Entwicklungsstufe in Sachen Internet in Deutschland wieder nicht gehen können, wenn wir uns hier weiter auf Gesetze berufen, die aus einer Zeit kommen, in denen das Internet noch eine Einbahnstraße war. 

Über den Autor:

Marco Ripanti ist Gründer und Geschäftsführer der ekaabo GmbH. Zur ekaabo gehören neben dem Social Sharing Ad-Network Spreadly, noch die Social News Plattform yigg und Europas größtes Bookmarking-Portal Mister-Wong. Seit Ende 2010 fokussiert sich die ekaabo auf das Thema Social Data und den Möglichkeiten dahinter.