Er hat aus dem Nichts ein Drogerie-Imperium geschaffen. Jetzt wird dm-Gründer Götz Werner 70. Seinem Lebensmotto ist er noch immer treu: Sich nie mit der ersten Antwort zufriedengeben.

Wenn Götz Werner nach einem Besenstiel greift, löst das zuweilen Irritationen aus. So wie neulich, als er damit in einem dm-Markt die Deckenstrahler so einstellte, dass das Licht angenehmer fiel. Der Gründer der seit der Schlecker-Pleite größten Drogeriemarktkette in Deutschland hat sich zwar schon seit mehr als fünf Jahren aus dem laufenden Geschäft verabschiedet. Seine Märkte besucht er dennoch regelmäßig. Er läuft dann mit den Augen der Kunden durch die Gänge, findet hier und da etwas, das man besser machen könnte, und plaudert mit den Mitarbeitern. "Wo kann man sonst seinem Gründer die Hände schütteln?", schmunzelt er.

Am kommenden Mittwoch, den 5. Februar, wird Götz Werner 70. Und vieles spricht dafür, dass man weiter mit ihm rechnen kann. Nicht nur bei dm. Schließlich ist er nach wie vor als Vorkämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen unterwegs. Erst vor wenigen Tagen hat er darüber wieder einen Vortrag auf einer Konferenz in Basel gehalten.

Werner, der im eigenen Unternehmen auf moderne Managementmethoden setzt, ist überzeugt: "Jede Arbeit ist wertvoll." Die einer Hausfrau und Mutter genauso wie die eines Managers. Träumer? Schon, aber einer, der damit Erfolg hatte.

"Drogist gelernt, Prokurist geworden"

Das war nicht unbedingt vorherzusehen, wie es der dm-Gründer in seiner Biografie "Womit ich nie gerechnet habe" beschreibt: "In der Schule sitzengeblieben, nach elf Schuljahren abgegangen. Deutscher Jugendmeister im Rudern, Drogist gelernt, Prokurist geworden. Verstoßener Sohn. Realträumer. Gründer wider Willen." Und doch steht da nach vier Jahrzehnten ein Unternehmen mit konzernweit fast 50.000 Mitarbeitern, knapp 3.000 Filialen und einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro.

Wie hat er das geschafft? Mit Glück, meint er. Doch das alleine war es nicht. Der Drogisten-Sohn aus Heidelberg hatte vor allem die Gabe, aus Niederlagen Kraft zu schöpfen und neue Ideen gegen alle Unkenrufe beharrlich durchzusetzen. Und, so sagt er heute: "Ich habe mich nie mit der ersten Antwort zufriedengegeben."

Discounterprinzip für Drogeriemärkte

Als der damals 28-Jährige das Discounterprinzip im Drogeriemarkt nach dem Aldi-Vorbild umsetzen wollte, stieß er nicht nur bei seinem Vater auf völliges Unverständnis. Der schmiss den Sohn mit den "spinnerten" Ideen aus dem Geschäft. Für den jungen Mann damals schmerzlich, aus heutiger Sicht aber ein Glücksfall.

Im Sommer 1973 eröffnete er in Karlsruhe seinen ersten Selbstbedienungs-Drogeriemarkt (dm). Auf dreifacher Fläche und mit stark reduziertem Sortiment im Vergleich zu herkömmlichen Drogerien. Von da an ging es fast nur bergauf: dm expandierte, setzte auf Allianzen, früh auf Bio und auf eine etwas andere Mitarbeiterführung.

Kundenorientierung, Gewinnbeteiligung statt reinem Gewinnstreben, das Unternehmen als sozialer Organismus mit "Lernlingen" und
Theater-Workshops: Branchenkenner bescheinigen dem Anthroposophen und Goethe-Fan Werner, all das richtig gemacht zu haben, was sein langjähriger Konkurrent Schlecker falsch machte. "dm ist schon eine Art Vorzeigeunternehmen", meint selbst der Karlsruher Verdi-Sekretär Thomas Schark.

"Zufriedenheit ist Stillstand

"Ich bin glücklich, dass alles gut gelaufen ist», sagt Götz Werner, der noch im dm-Aufsichtsrat sitzt. Der Vater von sieben Kindern und zweifache Großvater ist in zweiter Ehe mit der Sprachgestalterin und Schauspielerin Beatrice verheiratet. Er sieht zufrieden aus. Doch das will er auf keinen Fall sein: "Zufriedenheit ist Stillstand."

An Stillstand denkt er auch mit 70 nicht. Der ehemalige Ruder-Meister geht dreimal die Woche mit seinem Einer-Skiff rudern. Vor kurzem ist er beim Aussteigen aus dem kippligen Boot gekentert und ins eiskalte Wasser gefallen. Doch davon lässt sich Werner ebenso wenig unterkriegen wie vom Älterwerden. "Ich fand bisher jedes Alter toll."

Zum Geburtstag erwartet den erfolgreichen "Zahnpasta-Verkäufer" (Werner über Werner) eine Überraschungsfete mit Firma und Familie. Was da auf ihn zukommt, weiß er nicht. Seine Frau hat im jedenfalls empfohlen, drei bis vier Tage keine anderen Termine zu vereinbaren.

Susanne Kupke, dpa

Lesen Sie hier eine "Selbstauskunft" von Götz Werner.