dm sieht noch Platz für hunderte Filialen in Deutschland. Der Drogeriemarktbetreiber will sich nicht auf dem Marktschub durch die Schlecker-Pleite ausruhen - und setzt weiter auf Expansion.

Einfach gut läuft es für dm bereits seit längerer Zeit. Auch das aktuelle erste Geschäftshalbjahr macht da keine Ausnahme: 16,2 Prozent Umsatzwachstum (flächenbereinigt: gut 10 Prozent Plus) schafften die Karlsruher von Oktober 2012 bis Ende März 2013. Der Gesamtumsatz in Deutschland betrug somit in diesem Zeitraum knapp 2,9 Milliarden Euro.

Gleichsam entspannt und souverän präsentiere der Vorsitzende Geschäftsführer Erich Harsch am Gründungsort Karlsruhe seine Themen, von denen das Zahlwerk nur ein kleiner Teil war: Kunden, Mitarbeiterwohl und die soziale Gemengelage im Einzelhandel kamen ausführlich zur Sprache - es sind die Klassiker im dm-Kosmos.

Wohl um nicht auch nur ansatzweise in den Sog der aktuellen Dumpinglöhne-Diskussion zu geraten, betone Harsch die gute Bezahlung der knapp 32.000 dm-Mitarbeiter. Demnach liegt der durchschnittliche Stundenlohn bei fast 13 Euro; die 1.400 Filialleiter kämen sogar auf deutlich über 20 Euro pro Stunde. Insgesamt würden sich die meisten Beschäftigten, bezogen auf das Jahreseinkommen, ein gutes Stück oberhalb der jeweiligen Tarifverträge ansiedeln, so Harsch.

Die kritische Frage, wie dm es mit dem Online-Vertriebspartner Amazon halte - im Winter immerhin wegen Ausbeutung von Leiharbeitern in die Kritik geraten - konterte Harsch mit der Aussage, man werde dem Online-Riesen Gelegenheit zur Abstellung der Missstände geben.

"Attraktiver Mieter"

Etwas bedeckter hielt sich der Geschäftsführer bei Fragen zur künftigen Expansion. Es gebe kein langfristiges Ziel was die Filialzahlzahl beträfe, so Harsch, entscheidend seien hier die Kundenbedürfnisse vor Ort. Immerhin: Die demografischen Zahlen ließen die Eröffnung von „etlichen hundert" Filialen in Deutschland durchaus zu.

Derzeit betreibt dm im Stammmarkt 1.417 Läden, neu hinzukommen waren in den vergangenen 12 Monaten insgesamt 111 Standorte und somit sogar mehr als erwartet. dm sei eben als Mieter attraktiv und besonders neben Supermärkten ein gern gesehener Gast.

Dem beabsichtigten Markteintritt des österreichischen Drogerie-Kleinflächenbetreibers Dayli steht Harsch gelassen gegenüber: Die Kunden seien schließlich mittlerweile eine gewisse Ladengröße gewohnt.

Schlecker-Effekt hilft

Das Ende des Schlecker-Imperiums, bei dem rund 1.000 Mitarbeiter und 24 "Ihr Platz"-Filialen zu dm wanderten, habe seinen Teil zum Wachstum beigetragen. Rund 5 Prozentpunkte des Umsatzplus rechnet Harsch dem Ganzen zu.

Ob es sich um einen wirklich nachhaltigen Schub oder eher einen einmaligen Effekt handelt, will der Österreicher aber erst auf der Gesamtjahres-Pressekonferenz im Herbst endgültig bewerten. In jedem Fall sei durch Schlecker die Aufmerksamkeit auf das Thema Drogerie gelenkt worden, und dies nicht zum Nachteil für dm.

Für das Gesamtjahr könne am Ende ein Plus von knapp 8 Prozent herauskommen, wobei man vorsichtig rechne, so der dm-Chef. Zwischendurch wollen die Karlsruher ihre Erfolge aber auch feiern: Da man nicht alle Kunden einladen könne, sollen bundeweit zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen mit bekannten, zumeist deutschen Künstlern, stattfinden. Das passt doppelt: dm wird dieses Jahr 40 Jahre alt.

Andreas Hösch, Karlsruhe