dm-Drogeriemarkt freut sich über die besten Umsatzzahlen in der Unternehmensgeschichte. Und macht viele neue Erfahrungen: Mit Bio-Lebensmitteln, eigenem Onlineshop und einem Shitstorm.

Eigentlich hat dm-Drogeriemarkt allen Grund, sich über Rekordergebnisse zu freuen: In Deutschland hat der Filialist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 erstmals die Umsatzgrenze von 7 Milliarden Euro überschritten, konzernweit setzte er erstmals mehr als 9 Milliarden Euro um. Doch Christoph Werner wiegelt gleich ein bisschen ab: "Das war nicht unser Ziel, diese Marken zu knacken. Denn wir jagen keinen Umsatzgrenzen hinterher", sagte der Geschäftsführer, der für das Ressort Marketing und Beschaffung verantwortlich ist, auf der Bilanzpressekonferenz des Drogeriemarktbetreibers in Frankfurt.

Auch wenn der Sohn des dm-Gründers Götz Werner sich eher verhalten freute: Das 42 Jahre alte Unternehmen blickt auf das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr seines Bestehens zurück. Im Zeitraum vom 1. Oktober 2014 bis 30. September 2015 lag das Wachstum in Deutschland bei 9,8 Prozent, in Österreich und Südosteuropa stieg der Umsatz um 6,5 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro. "Das ist eine Gemeinschaftsleistung", betonte Werner. "Die Grundlage für diesen Erfolg sind unsere inzwischen mehr als 55.000 Kollegen." Auch wieder ein Rekord, versteht sich.

Denn in Deutschland wuchs diese "Arbeitsgemeinschaft", wie es bei dm heißt, im vergangenen Geschäftsjahr um mehr als 2.300 Mitarbeiter. Zum Stichtag 30. September waren 38.598 Menschen bei dem Drogeriemarktbetreiber in Deutschland beschäftigt, im Gesamtkonzern waren es 55.143 Mitarbeiter. "In Deutschland sind derzeit mehr als 3.600 Menschen bei dm in Ausbildung. Damit liegt die Ausbildungsquote bei 9,4 Prozent", sagte Werner. Im gesamten Geschäftsjahr haben sich demnach mehr als 220.000 Menschen bei dm beworben, rund 40.000 mehr als im Vorjahr.

Neue Bio-Eigenmarke...

Im April dieses Jahres hat der Händler mit dmBio eine eigene Marke für Bio-Lebensmittel eingeführt, denn: "Das Segment ist von einer Randerscheinung zum Mainstream geworden", ist der dm-Manager überzeugt. Bislang hatte dm dieses Segment mit Produkten des Bio-Supermarktbetreibers Alnatura abgedeckt, die es auch weiterhin gibt, aber weiterhin ausgelistet werden soll.

Angesprochen auf die hauseigene Konkurrenz zum bisherigen Lieferanten argumentierte der dm-Geschäftsführer, dass dieser Sortimentsteil nun auf einen normalen Weg gebracht würde: "Wir sind von der Monomarkenstrategie bei Bio-Lebensmitteln zur Mehrmarkenstrategie gewechselt. Mit der größeren Auswahl werden wir den Wünschen unserer Kunden besser gerecht und können unser Angebot nachfrageorientiert gestalten".

Neben Bio-Lebensmitteln bietet der Filialist zudem in 54 Testmärkten auch vegane Produkte von Veganz an. "Mit dieser Kooperation runden wir unser Sortiment in Richtung Rohkost und Superfoods mit rund 50 Artikeln ab. Letztendlich entscheiden aber die Kunden, was sich durchsetzen wird", sagte er.

...und neuer Onlineshop

Seit Mitte Juli verkauft der Drogeriefilialist auch über einen eigenen Onlineshop gut 11.000 Artikel - und damit "nahezu das gesamte Sortiment", so Werner: "Viele Kunden haben sich die Einkaufsfunktion auf dm.de gewünscht, deshalb war es an der Zeit zu starten." Die Versandkosten betragen 4,95 Euro je Paket, eine Füllstandsanzeige zeigt während des Bestellvorgangs auf, wann ein weiteres (kostenpflichtiges) Paket gepackt werden müsste.

Der Onlineumsatz sei durchaus auf "Höhe einer Filiale", und auch sonst zeigte sich Werner mit dem jungen Webshop zufrieden: "Anders als so manches Start-up sind wir so aufgestellt, dass mehr Umsatz nicht mehr Verlust bedeutet", sagte er. "Wir werden Multichannelhandel weiter beobachten, offen sein und nah an der Entwicklung bleiben".

Auch bei den Sozialen Medien wird dm offenbar immer beliebter: "Seit wenigen Tagen sind mehr als zwei Millionen Menschen auf Facebook mit dm verbunden, was laut Facebook zur Folge hat, dass ein einziger Post bis zu acht Millionen Menschen erreichen kann. Wir sind demnach nun eines der zehn größten Netzwerke in Deutschland", berichtete Werner.

Shitstorm in Troisdorf

Kürzlich hatte dm allerdings auch mit den Schattenseiten der Sozialen Netzwerke zu kämpfen, mit einem so genannten Shitstorm: "Rupert Neudeck, der Mitgründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, wollte sich in unserem Markt in Troisdorf für einen guten Zweck eine Stunde an eine Kasse setzen", berichtet Werner. "Der erzielte Umsatz sollte für den Deutschunterricht asylsuchender Menschen gespendet werden, den die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg organisieren wolle."

Dessen Mitbegründer und Vorsitzender Musa Ataman sei mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden "und ist damit eigentlich unverdächtig, irgendwelche Terroristen zu unterstützen," sagte der dm-Geschäftsführer.

Doch scheinbar reichte das Reizwort "kurdisch" aus, dass einige militante Türken aus der Region im Internet zu einem Boykott des Handelsunternehmens aufriefen, weil dieser angeblich die Terrororganisation PKK unterstütze.

"Wir mussten dieses Vorhaben in Troisdorf leider aufgeben, weil unsere soziale Aktion von militanten und radikalen Menschen zum Anlass für Beschimpfungen, Verleumdungen und Gewaltanwendung missbraucht wurde und wir bei dm keine Plattform für aggressive Eskalation bieten wollen", bedauerte Werner das Scheitern der Aktion. "Unsere Mitarbeiter hatten Angst und fühlten sich bedroht. Wir mussten sie schützen. Wir werden unser gesellschaftliches Engagement keinesfalls zurückfahren" stellte er klar.

Sybille Wilhelm, Frankfurt