Gut 150 Milliarden Euro, so hoch ist jedes Jahr der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Kein Wunder also, dass der  Onlinehandel da auf einem lukrativen Markt hofft.

Auch wenn laut einer Umfrage des EHI  gerade einmal jeder Zehnte es bereits ausprobiert hat. Immerhin aber - wenn auch noch weit davon entfernt, dann auch im Web Salat und Co einkaufen zu wollen - empfindet jeder Fünfte den Online-Einkauf von Lebensmitteln in Zukunft für sich persönlich als attraktiv. Das wäre ein gewaltiger Markt.

Kein Wunder also, dass sich lokale Anbieter ebenso als Tante Emma 2.0 versuchen wie große Handelsketten mit ihren hybriden Lösungen.  Als Pure Player mit einer kaum noch optimierbaren Domain ist seit Ende 2011 Supermarkt.de im Web aktiv. Vorstandschef Dominik Mühl schrecken die großen Gegner nicht. Er setzt auf Qualität und Service. Expansion sei geplant, sagt er im Interview. 

Sehen Sie eher Amazon und seine Partner als Wettbewerber, andere Startups oder die großen Handelsketten im LEH?

Amazon, als der größte deutsche Onlinehändler, ist mit Sicherheit ein ernst zu nehmender Marktteilnehmer. Vor allem wird dort die Vielfalt des Angebots über die zahlreichen Händler gewährleistet und die schnelldrehenden Artikel aus dem Trockensortiment wickelt Amazon bereits über die eigene Logistik ab. Allerdings zeigt sich auch bei Amazon, dass der (Partner-)Versand vor allem im Frische Bereich nicht immer optimal funktioniert und es so zu Meldungen über schlecht gewordene Früchten oder unakzeptable Mengen an Verpackungsmaterialien kommt. Gerade wenn das bei einem Player wie Amazon passiert, wirft das ein negatives Licht auf den Gesamtmarkt. Um diese Problematik zu umgehen, setzt supermarkt.de auf den Versand mit gekühlten Lieferwagen und Lieferungen zu Wunschterminen. Dieses Modell hat sich bisher auch international durchsetzen können. Wie sehen daher lediglich Lebensmittelversender mit ähnlicher Logistiklösung als Wettbewerber.

Wie sieht die Zielgruppe aus?

Alle Konsumenten, die Lebensmittel einkaufen und einen Internetzugang haben, sind grundsätzlich in der Zielgruppe. Aktuell ist das Verhältnis von Männern zu Frauen, passend zur gesamtdeutschen Verteilung, in unserem Kundenstamm ausgeglichen. Auf lange Sicht ist jedoch anzunehmen, dass mehrheitlich Frauen bei uns einkaufen werden, da sie traditionell nach wie vor für den Einkauf der Familie zuständig sind.

Wie hoch ist die Zahl der Lieferungen derzeit?

Nachdem wir nun fast ein Quartal online sind, freuen wir uns über den guten Start und die weiterhin positive Entwicklung der Bestellungszahlen. In Spitzen trifft man unsere Fahrer täglich in über 100 Hamburger Haushalten an.

Welche Chancen sehen Sie für Kooperation zwischen Online-Anbietern wie Ihnen und Abo-Commerce-Modellen, die komplette Mahlzeiten liefern?

Kurzfristig lassen sich über solche Kooperationen viele Synergien heben, da Abo-Commerce-Anbieter einfach auf bestehende Strukturen aufsetzen können. Langfristig  ist jedoch noch nicht absehbar, wie eng Online-Supermärkte mit Abo-Commerce-Modellen zuarbeiten werden, da die Schnittmenge der Geschäftsmodelle eventuell zu groß ist. 

Die großen Lebensmittelketten schrecken bei Frischwaren noch vor den hohen Lieferkosten und der Kühlkette zurück. Wie lösen Sie diese Probleme?

Die Herausforderung, die Kühlkette einzuhalten, meistert supermarkt.de durch gekühlte Lieferwagen und individuelle Versandboxen. Daher wird die Kühlkette bei uns auf dem gesamten Weg vom Lager bis zum Kunden nie unterbrochen. Um die Lieferkosten im Rahmen zu halten, bedarf es zum einen einer effizienten Abwicklung der Kommissionierung und Lieferungen. Zum anderen ist es, wie im Handel üblich, wichtig auf eine Auslieferungsanzahl zu kommen, die es erlaubt, die Logistik kostendeckend zu betreiben. 

Wie sehen die Expansionspläne aus?

Zunächst werden wir unsere Vormachtstellung auf unserem Heimatmarkt Hamburg weiter ausbauen. Weiterhin ist eine Ausweitung unseres Modells auf andere deutsche Metropolen geplant, ob diese noch in diesem oder im nächsten Jahr stattfindet, steht jedoch noch nicht fest.

Kann Lebensmittel online auch jenseits der Metropolen funktionieren?

Außerhalb von Metropolregionen ist es für ein Modell, wie das von supermarkt.de, schwierig den Markt erfolgreich abzudecken, da es an der notwendigen Auslieferungsdichte mangelt. Diese Regionen erreicht man nur über die Anpassung des Modells mit einem Paketversand.

Mit welchen Anreizen kann man etwaige Hemmschwellen beim Kunden gegenüber Online-Lebensmittel minimieren?

Guter Service und hohe Qualität der Waren sind wichtige Treiber der Kundengewinnung und -bindung. Wir haben in den ersten Monaten am Markt die Erfahrung gemacht, dass unsere Kunden unseren Service schätzen und uns gern weiterempfehlen. Kaum etwas wiegt stärker, als die Empfehlung eines Bekannten oder Freundes. Unsere Empfehlungs- und  Wiederkäuferquote spricht dafür. Da der Lebensmitteleinkauf immer mit Vertrauen zu tun hat, setzen wir darauf, supermarkt.de weiterhin als Marke, die für Service und Qualität steht, aufzubauen.