Die Enthüllungen von Günter Wallraff haben für Wirbel in der Logistikbranche gesorgt. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Der Handel" macht der Journalist jetzt klar: Mit den Folgen müssen sich auch Onlinehändler ernsthaft beschäftigen. Damit hat er nicht Unrecht.

Wallraff (l.) bei der Undercover-Recherche (Foto: RTL)
Wallraff (l.) bei der Undercover-Recherche (Foto: RTL)

Bereits im vergangenen März hatte eine amerikanische Reporterin in einem Paketlager undercover gearbeitet. Die Reportage im investigativen US-Magazin „Mother Jones“ trug die Überschrift: „In der Hölle des E-Commerce“. Zwei Monate später machte der Journalist Günter Wallraff seine Undercover-Recherchen in Deutschland öffentlich. Onlinehandel und Moral – ein Thema, das nur Paketzulieferer betrifft? Mitnichten. Die Vorwürfe an Dienstleister wie GLS könnten sich als die Achillesferse des erfolgsverwöhnten E-Commerce erweisen. Das sieht auch mancher Vertreter der Logistikbranche so.

Denn bekanntlich wird der Ruf nach Nachhaltigkeit seitens der Konsumenten immer lauter. Dieser Trend wird sich nicht umkehren, er wird sich vielmehr noch weiter verstärken. Und warum sollte der Onlinehandel davon verschont bleiben? „Gerade der Versandhandel ist hier gefordert“, sagt Wallraff gegenüber "Der Handel". Wer wie in der Werbung vor Glück schreit, weil gerade das ersehnte Päckchen mit dem Onlinekauf angekommen ist, will womöglich nicht, dass gebeutelte Subunternehmer die Ware für weniger als 5 Stunden Lohn transportieren.

Und siehe da: Die Logistikbranche bewegt sich. „Paketdienste sind offen für Mindestlohn“, titelte dieser Tage die "Frankfurter Rundschau". DPD und GLS sind plötzlich bereit, ein Mindestentgelt einzuführen, um aus der Schmuddelecke wieder herauszukommen. Die Otto-Tochter Hermes war besonders clever und suchte sofort das Gespräch mit Wallraff.

 Gut so. Andernfalls wird die Imagekrise der Logistiker schon bald zum PR-Gau der Onlinehändler.