Stefan Wenzel leitet seit neun Monaten sowohl die Modesparte von eBay als auch den Shopping-Club Brands4friends, der im August 2014 mit eBay Fashion fusioniert wurde. Der 43-Jährige, der zuvor u.a. Otto Niederlande sowie die E-Commerce-Sparten der Modemarke Mexx und des Formel 1-Rennstalls McLaren geleitet hat, soll das Modegeschäft des weltgrößten Online-Marktplatzbetreibers vorantreiben, das trotz eines verstärkten Engagements seit 2009 immer noch keine große Breitenwirkung erzielt hat. Wie sich das ändern soll, erläutert er im Interview.

Stefan Wenzel, eBay
Stefan Wenzel, eBay

Ebay hat hierzulande 9 Millionen aktive Fashion-Käufer, das Modeangebot wächst stetig weiter. Trotzdem fällt bei Diskussionen über den Online-Modehandel nur selten der Name ebay. Wird ebay sein Flohmarkt-Image partout nicht los?
Stefan Wenzel:
Das ändert sich spürbar. Heute besteht fast 80 Prozenz des Geschäfts aus dem Verkauf von Neuware zu Festpreisen. Das wird die Wahrnehmung weiter ändern, geht aber nicht über Nacht. Aktuell ist, nicht zuletzt wegen des starken Wettbewerbs im Handel, viel Bewegung im Markt und in Richtung Ebay Fashion.

Was ich bei ebay besonders vermisse, sind Themenwelten. Bei Angeboten wie Fashion Collective gibt es das schon ansatzweise, aber noch nicht konsequent genug. Wie wollen Sie mehr Emotionen in die Produktdarstellung bringen?
Stefan Wenzel:
Wir sehen grundsätzlich zwei Arten, ebay zu nutzen: Suchen und Entdecken. Suche ist meist zielgerichtet und erfolgt über die Suchbox. Bei weltweit mehr als 800 Millionen Produkten auf der Plattform geht es um bestmögliche Suchergebnisse, damit der Nutzer rasch zum Ziel kommt. Entdecken ist weniger zielgerichtet, hier geht es ums Stöbern oder Browsen. Das ist vor allem im Fashion-Kontext hoch relevant. Traditionell ist Ebay stärker im Bereich Suchen. Insbesondere für Fashion werden wir das Thema Entdecken konsequent verbessern. Hierzu erstellen wir z.B. seit April Ebay Fashion-Inhalte wie Fotos und Banner in den Brands4friends-Studios und Kreativabteilungen. Aber auch der Themen-Kalender und das Content-Management bzw. die Kurationen für Ebay Fashion machen wir bei Brands4friends. Das ist ein wichtiger, wenngleich nur erster Schritt zu einer verbesserten Ästhetik, mehr Fashion-Kredibilität und einem relevanteren Browse-Erlebnis für Fashion.

"Insbesondere für Fashion werden wir das Thema Entdecken konsequent verbessern."

Ist die 2014 eingeleitete Verzahnung von Ebay Fashion mit Brands4friends inzwischen komplett abgeschlossen?
Stefan Wenzel:
Wir haben zum Jahresbeginn das Team Ebay Fashion voll in die Brands4friends-Organisation in Berlin-Kreuzberg integriert. Das Ziel ist die maximale Nutzung des Know-hows, der Methoden und Prozesse von Brands4friends für Ebay Fashion. Und das über alle Brands4friends-Funktionsbereiche hinweg - von der Strategie und Geschäftsplanung über Marketing, CRM und PR bis hin zum Inventar-Management, der Kundenbetreuung und Content-Produktion. Aber natürlich auch die Kernkompetenz von Brands4friends, den guten Kontakt zu Marken. Brands4friends hat derzeit mehr als 1500 Markenpartner. Damit haben wir zu den wesentlichen Marken in Europa beste Beziehungen. Die nutzen wir, um Ebay Fashion als komplementäre Plattform und wichtigen Teil einer Omnichannel-Strategie zu positionieren.

Wie wirkt sich die Fusion konkret auf die Vertriebsstrategie aus?
Stefan Wenzel:
Im stationären Handel ist Lage alles. Denn dort ist der Traffic. Online ist das nicht anders, und mit Ebay und Brands4friends haben wir zwei der besten A-Lagen im Netz. Wir haben zwei Plattformen mit jeweils immenser Reichweite und unterschiedlichen Konzepten: Ebay Fashion ist quasi ein offener Fashion-Shop, in dem ich als Marke oder Händler durchgehend meine Sortimente vertreiben kann – sowohl Neuware als auch Ware aus Vorsaisons. Brands4friends ist mit mehr als 6 Millionen registrierten Mitgliedern Deutschlands größter Shopping-Club. Unser Flash-Sales-Modell bietet die Möglichkeit, in zeitlich limitierten Verkaufs-Aktionen hohen Absatz über Club-Mitglieder zu realisieren. Auch hier ist das Sortiment nicht auf Ware aus der Vorsaison begrenzt. Überhänge aus der laufenden Saison sind ebenso relevant wie Einführungsaktionen, bei denen wir im Nachgang gezielt Traffic für die Full-Price Stores des Partners generieren, sowohl On- als auch Offline. Durch die Kombination von Ebay Fashion und Brands4friends ergeben sich für Marken und Händler in allen Phasen des Produkt-Lebenszyklus interessante Möglichkeiten. Für jede Phase haben wir unterschiedliche Module, die sich kombinieren lassen.

Die üblichen Verdächtigen
Brands4friends konkurriert in Deutschland hauptsächlich mit dem Shopping-Club Pionier Vente-Privee sowie den omnipräsenten E-Commerce-Konzernen Amazon, Zalando und Otto Group, welche die Clubs BuyVIP, Zalando Lounge und Limango betreiben. Hinzu kommt der Münchner Multichannel-Händler Best Secret. Die größte Community hat Brands4friends mit sechs Millionen registrierten Mitgliedern in Deutschland und Österreich. 2014 veranstaltete die Ebay-Tochter rund 1800 Verkaufsaktionen mit Mode- und Lifestyle-Produkten. Die Zalando Lounge macht zwar keine Angaben zur Mitgliederzahl, dürfte aber dank ihrer Präsenz in zehn Ländern über die größte Reichweite verfügen.
Beim Umsatz schweigen sich die Clubs durch die Reihe aus. Zalando fasst im aktuellen Geschäftsbericht die Umsätze des Club-Geschäfts und der beiden Outlets im Segment „Andere“ zusammen. Sie kamen 2014 auf 117,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von fast 42 Prozent. Dabei entfiel der „wesentliche Anteil“ auf den Lounge-Bereich. Somit lässt sich die genaue Umsatzzahl nur schätzen.
Aufschluss über das Geschäft von Brands4friends gibt die Bilanz des Online-Marktplatzes Mobile.de, zu dem Brands4-friends seit Ende 2012 gehört. Allerdings stammen die Zahlen aus dem Jahr 2013, veröffentlich im Bundesanzeiger. Dort heißt es, dass „der Vertrieb von Markenprodukten über das Internet im Rahmen einer geschlossenen Käufergemeinschaft“ seine Erlöse um 41 Prozent auf rund 97 Millionen Euro gesteigert habe. Unterdessen haben sich MySportsbrands und Pauldirekt aus dem Club-Markt verabschiedet. Während MySportbrands seit Mitte 2014 nur noch als Online-Shop agiert, hat Pauldirekt offenbar sein Geschäft aufgegeben. Die Website existiert zwar noch, listet aber keine Verkaufsaktionen mehr auf. Die Hotline und E-Mail-Adressen funktionieren nicht mehr.

 

Zurück zu Ebay Fashion: Welche prominente Marken konnten Sie zuletzt überzeugen, einen eigenen Marken-Shop bei Ebay.de zu eröffnen? Bislang ist die Zahl der Marken-Shops, die komplett im Look & Feel des Herstellers aufgebaut sind, noch recht bescheiden. Derzeit sind es 14. Die restlichen 23 Mode-Marken-Shops listen nur Produkte der Marke, zeigen ein Aufmacherfoto und eine spärliche Navigationsleiste.
Stefan Wenzel:
 Über alle Kategorien hinweg haben wir 175.000 gewerbliche Händler bei Ebay.de. Davon sind viele kleine und mittlere Unternehmen. Bei Ebay Fashion arbeiten wir mit etwa 100 großen Händlern und Marken zusammen. Davon nutzen aktuell mehr 37 The Fashion Collective, darunter Anbieter wie Humanic, Falke, Engelhorn und Daniel Hechter.  Eine prominente Marke, die kürzlich einen neuen Markenshop bei Ebay eröffnet hat, ist beispielsweise Deichmann.

"Wir stellen einen Reifungsprozess bei den Verkäufern fest."


Was ist das besondere an The Fashion Collective?
Stefan Wenzel:
Hier geht es um eine dedizierte Angebotspräsentation und einheitliche Service-Levels: Das Konzept besteht darin, dass relevante Marken in einer speziellen User Experience, einer Art Shop-in-Shop, dargestellt werden. Die Partner haben somit die Möglichkeit, das hervorzuheben, was für sie als Marke wichtig ist. Zudem bieten alle Fashion Collective-Partner einheitliche Service-Standards wie kostenloser Versand und 30 Tage Rückgaberecht. Somit können wir dem Nutzer eine Destination bieten, in der er eine gute Auswahl findet und zudem weiß, dass Service-Levels einheitlich geregelt sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit auf einem Marktplatz. Das Konzept ist noch recht neu und wird sich weiter entwickeln, erhält aber schon viel Zuspruch.


Kennziffern
Zu Abverkaufszahlen und Traffic möchte sich Wenzel nicht äußern. Überhaupt schweigt sich die Berliner Deutschlandzentrale konsequent bei Kennziffern wie Umsatz
und Ergebnis aus. Öffentlich sind nur die Gesamterlöse des gesamten Geschäfts von Ebay in Deutschland, das neben dem Marktplatz- und Kleinanzeigengeschäft auch die Umsätze von Pay Pal, Brands4friends und Mobile.de enthält. Einer Pflichtmitteilung von Ebay Inc an die US-Börsenaufsicht SEC zufolge erhöhte sich der hiesige Nettoumsatz 2014 um 9,2auf 2,11Milliarden. Dollar. 2013 hatten sich die Erlöse noch um 15 Prozent auf 1,93 Milliarden Dollar erhöht.
Ebay Deutschland gibt nur vage Angaben wie diese bekannt: Ebay.de hat 17 Millionen aktive Käufer, davon mehr als die Hälfte in der Mode (9 Millionen). Mehr als 175.000 gewerbliche Verkäufer verkaufen im Schnitt über 70 Millionen Artikel. 72 Markenhersteller haben Marken-Shops auf der Plattform eröffnet, davon 37 in Ebay Fashion. 73 Markenhersteller nehmen am Programm „Autorisierte Händler“ teil, mit dem kleineren Verkäufern ihre Seriosität bescheinigt wird.
Die wesentlichen Kennzahlen des globalen Marktplatz-Geschäfts sind dagegen - dank der Börsennotierung von Ebay Inc - leicht zugänglich: 2014 erhöhte sich das Handelsvolumen, das durch 157 Millionen aktive Käufer generiert wurde, um 9 Prozent auf 83 Milliarden Dollar, der eigene Umsatz um 6 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar.


In den USA gibt es Designer-Shops bei Ebay. Ist so etwas auch für Deutschland geplant?
Stefan Wenzel:
Nein. Unser Fokus liegt auf relevanten Highstreet-Brands.

Das heißt: Das Thema Luxus ist für Ebay weniger relevant? Ist der Zug schon abgefahren, nachdem sich die Branchengrößen Yoox und Net-a-porter zusammengeschlossen haben?
Stefan Wenzel:
 Luxus ist für uns insofern relevant, als wir eine der wenigen wirklich großen Plattformen für Pre-Loved-Fashion sind. Je mehr Luxusware im Erstmarkt gekauft wird, desto mehr Luxusware erreicht auch Ebay. Und wir können mit Echtheitszertifizierung sowie Käufer- und Verkäuferschutz weitere Mehrwerte bieten.

Ich kann mir aber vorstellen, dass die Marken nicht immer erfreut sind, wenn dunkle und verwackelte Bilder von ihren Luxushandtaschen bei Ebay zu sehen sind. Gibt es Druck von der Markenindustrie, Second-Hand Produkte wertiger darzustellen?
Stefan Wenzel:
 Das erfreut weder die Marke, noch die Käufer – und damit auch uns nicht. Verkäufer lernen über den Umsatz, dass gerade Mode sich am besten über gute Bilder verkauft. Somit nimmt die Zahle der schlechten Beispiele stetig ab, da letztendlich jeder Verkäufer verkaufen möchte. Wir unterstützen die Verkäufer über Video-Tutorials und Webcasts, damit sie nachvollziehen, wie hoch der Return on Investment von Ästhetik ist. Es gibt aber auch tolle Beispiele dafür, wie professionell viele kleine Fashion-Verkäufer bereits arbeiten. Grundsätzlich stellen wir einen Reifungsprozess bei den Verkäufern fest. Außerdem eine Sensibilität dafür, wie wichtig Warenpräsentation für den Erfolg in der Mode ist.

Wie stark ist Ebay dennoch vom selektiven Vertrieb betroffen?
Stefan Wenzel:
Markenschutz ist für Hersteller, aber auch für unsere Käufer immens wichtig. Wir haben daher ein originäres Interesse, mit Marken und Händlern bei diesem Thema bestmöglich zusammenzuarbeiten. Und das passiert seit Jahren sehr konstruktiv. Zum Thema selektiver Vertrieb und hier insbesondere zu Marktplatzverboten hat es juristische Einschätzungen relevanter Institutionen gegeben, die pauschale Einschränkungen als wettbewerbsbeschränkend im Sinne des Wettbewerbsrechts ansehen. Das hat sich im Markt herumgesprochen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind gegeben. Insofern begrüßen wir den aktuellen Stand der Diskussion.


Dauerkonflikt
Der so genannte selektive Vertrieb gehörte zu den großen Aufregerthemen des vergangenen Jahres und sorgt vielerorts immer noch für viel Unruhe. Und das, obwohl Bundeskartellamt und viele Gerichte sich gegen das umstrittene Vertriebssystem ausgesprochen haben. Es wird derzeit unter anderem vom Sportartikelhersteller Asics und dem Rucksackspezialisten Deuter angewendet. Adidas ruderte Mitte 2014 zurück und erlaubte wieder den Vertrieb über Online-Plattformen wie Ebay und Amazon. Offiziell, weil die Marktplätze inzwischen die quantitativen Vorgaben für die Markenpräsentation erfüllten. Das Kartellamt stellte daraufhin das Verfahren gegen den fränkischen Sportartikelhersteller ein. Experten zufolge dürfte aber die öffentliche Rüge des Mitbewerbers Asics durch das Bundeskartellamt im April entscheidend gewesen sei. Die Kartellwächter sind der Auffassung, dass die selektiven Vertriebsrichtlinien des US-Konzerns „eine Reihe von schwerwiegenden Wettbewerbsbeschränkungen“ enthalten. In der Folge setzte das Kartellamt seine Ermittlungen gegen die Marke Asics fort. Diese kündigte zumindest an, ihr System zu überarbeiten. 
Rein rechtlich ist die Lage nach wie vor unklar. „Zum jetzigen Zeitpunkt fehlt es an einer durchstrukturierten und verlässlichen Rechtsprechung. Zwar häufen sich die Urteile, eine einheitliche Linie ist aber noch nicht erkennbar“, sagt Michael Holzhäuer, Partner der Wirtschaftskanzlei DLA Piper in Frankfurt. Somit werde voraussichtlich erst der Bundesgerichtshof Klarheit schaffen. Der Grund: Die Entscheidung des Kartellamts sei kein Urteil und entfalte keine Rechtwirkung. Die Gerichte müssten sich nicht an der Entscheidung orientieren.
Einer Umfrage des Online-Handelsverbands BVOH zufolge sind nur wenige Markenhersteller dem Beispiel Adidas gefolgt und haben die Vertriebsbeschränkungen aufgehoben. 64 Prozent der 5000 befragten Online-Händler konnten keinen Unterschied im Verhalten der Hersteller feststellen. Jeder Vierte gab sogar an, dass die Zahl der Marken mit selektivem Vertriebssystem sogar noch höher sei als vor der Rüge des Bundeskartellamts.

Wie stark war Ebay denn nun bislang vom Verkaufsverbot für Ebay betroffen?
Stefan Wenzel:
Die Anzahl der Fälle war überschaubar, und aufgrund der rechtlichen Situation führen wir sehr konstruktive Gespräche für partnerschaftliche Lösungen. Wir haben beispielsweise ein „Autorisierte Händler“-Programm, über das Marken ausgewählte Verkäufer nominieren können, die dann mit einer entsprechenden Kennzeichnung bei Ebay präsentiert werden. Das ist ein effektiver Weg, seine Marke bestmöglich auf dem Marktplatz zu präsentieren.

"Stores werden mehr und mehr zu Event-Locations mit direkter, sozialer Interaktion und bieten damit einen echten Mehrwert."


Welche Ziele verfolgen Sie mit dem 2014 gestarteten Angebot Ebay-Kollektionen?
Stefan Wenzel:
Das ist ein Konzept, mit dem wir die Involvierung der Nutzer und die Kuration unseres Sortiments vorantreiben. Jeder User kann sich mit einem sehr einfach zu bedienenden Tool eine Kollektion seiner Lieblingsartikel zusammenstellen. Diese kann er dann unter seinem Namen bei Ebay veröffentlichen. Das Charmante daran ist: Durch die große Anzahl an Nutzern haben wir eine nicht endende Kreativität auf der Plattform. Die Nutzer suchen aus der Tiefe unseres Sortiments ihre persönlichen Schätze und tragen sie an die Oberfläche. Bei weltweit über 800 Millionen gelisteten Artikeln gibt es unendlich viel zu entdecken. Insgesamt also eine sehr interessante Konzeption,  die auch unsere User mögen. Sie haben schon mehr als 800.000 solcher Kollektionen kuratiert.

Wie viele Artikel werden dadurch mehr verkauft?
Stefan Wenzel:
Die direkten und indirekten Zusatzumsätze sind relevant, aber in diesem Fall nicht die Kern-Metrik.

Werden die Kunden honoriert, wenn ein Artikel aus der Ebay-Kollektion gekauft wird?
Stefan Wenzel:
Die Währung heißt Reichweite und Anerkennung.

Was den eBay-Kollektionen fehlt: Ein Modell, das Nutzer per Revenue Share am Umsatz beteiligt, beispielsweise wenn sie so wunderhübsche Einkaufstaschen gesammelt haben
Was den eBay-Kollektionen fehlt: Ein Modell, das Nutzer per Revenue Share am Umsatz beteiligt, beispielsweise wenn sie so wunderhübsche Einkaufstaschen gesammelt haben

Und wie haben sich die Designerkollektionen von Ebay entwickelt?
Stefan Wenzel:
In jüngerer Vergangenheit hat Ebay Fashion mit Guido Maria Kretschmer und dem Berliner Label C`est tout in Kooperation mit Eva Padberg zusammengearbeitet. Daraus hat sich CE‘Til als weiteres Projekt ergeben, eine gemeinsame Herren-Kollektion von C’est tout, Eva Padberg und Til Schweiger, die im April diesen Jahres gelauncht wurde. Ab 7. Juli zeigen wir die Ergebnisse einer weiteren Kooperation mit der Gewinnerin des Wettbewerbs „African Designers for Tomorrow“. Das ist eine 13-teilige Sommerkollektion, die exklusiv für Ebay Fashion designt und über uns vertrieben wird. Bei Brands4friends gestalten sich die Designerkooperationen etwas anders. Dort konzentrieren wir uns auf die Unterstützung von Jungdesignern. Im vergangenen Jahr haben wir sehr erfolgreich mit Malaika Raiss zusammengearbeitet. Dieses Jahr legen wir eine exklusive Kollektion mit dem jungen und aufstrebenden Designer Tim Labenda auf.

"Je mehr Filialen sie haben, desto relevanter werden Modelle wie Click & Collect oder Ship-from-Store."

Gibt es da schon Verkaufszahlen?
Stefan Wenzel:
Designerkooperationen sind für uns keine vertriebliche Aktivität, sondern vielmehr wichtig für den Aufbau von Markenreputation. Insofern sind nicht Absatzzahlen für uns entscheidend, sondern ob die richtigen Marken-Botschaften übersetzt und wahrgenommen wurden.

Testläufe in den USA lassen darauf schließen, dass Online-Händler offenbar doch nicht ganz ohne Stationärhandel auskommen. Auch Ebay hat 2014 zusammen mit Metro in Bremen einen großen Pop-up-Store, einen so genannten Inspiration Store eröffnet. Dort konnte man ausgewählte Produkte angucken und dann online bestellen. Wird es in zehn Jahren fast nur noch Showrooms geben, in der man die Artikel nach Hause bestellt? Oder werden die Online-Händler verstärkt eigene Läden eröffnen?
Stefan Wenzel:
Das iPhone als erstes Smartphone und Grundstein für einen Paradigmen-Wechsel im Handel ist erst vor acht Jahren auf den Markt gekommen. Das zeigt, wie schwierig Zehn-Jahres-Prognosen sind. Technologie wird aber Innovationstreiber bleiben. Die Verschmelzung von Off- und Online zu Omnichannel Commerce wird weitergehen – mit dem mobilen Endgerät als Navigator. Die Stärke einer physischen Präsenz liegt in der haptischen Inszenierung der Marke. Stores werden mehr und mehr zu Event-Locations mit direkter, sozialer Interaktion und bieten damit einen echten Mehrwert. Die Lagerung von Ware und effizientes Fulfillment müssen nicht dazu gehören. Die Stärke eines jeden Touchpoints zu nutzen und für den Kunden sinnstiftend zu verknüpfen, wird entscheidend sein. Der Commerce wird mehr und mehr von digitaler Technologie bestimmt sein. Und es werden sich diejenigen durchsetzen, die konvergent – also konsistent über alle Medien hinweg – den größten Mehrwert für den Kunden generieren. Der Versuch der Zuordnung zu Off- und Online wird ebenso verschwinden. Wem rechnen Sie denn zum Beispiel die Umsätze zu, wenn aus einem digitalen Billboard ein Code auf ihrem Mobiltelefon generiert wird, der im Store eingelöst wird?

Dem Thema eBay widmet sich auch die aktuelle Ausgabe der TextilWirtschaft
Dem Thema eBay widmet sich auch die aktuelle Ausgabe der TextilWirtschaft
Und worauf steuert Ebay in dieser Hinsicht zu? Kommt der Service Ebay Now nach Deutschland, bei dem Ebay mit den Stationärhändlern kooperiert, die die bei Ebay bestellte Ware schnell aus den Läden heraus zustellen? Oder tendieren Sie eher in Richtung stationäre Pop-up Stores und Showrooms?
Stefan Wenzel:
 Wir entwickeln für unterschiedliche Marktplatzpartner passende Module. Daher stellt sich zunächst die Frage nach ihrem Geschäftsmodell und ihrer Wachstumsstrategie. Wenn sie ein reiner Online-Händler sind und das Investment sowie das Risiko der Skalierung nicht eingehen möchten, nutzen sie Ebay als schlüsselfertigen Zugang zur digitalen A-Lage mit hochvolumigem Traffic und Millionen von Käufern. Bei Stationärhändlern ist es so: Je mehr Filialen sie haben, desto relevanter werden Modelle wie Click & Collect oder Ship-from-Store. Händler können über solche Services Ware bei Ebay anbieten und im Laden abholbar machen. Das bringt Frequenz in die Geschäfte und Opportunitäten im Cross-Selling vor Ort. Wir testen relativ viel in diesem Kontext, sei es Same-Day-Delivery oder Pop-Up Stores. Ein interessanter Showcase ist aber auch der digitalisierte Store, den wir in New York mit Rebecca Minkoff umgesetzt haben oder der Inspiration Store in Bremen.

"Inspiration Store" von eBay
"Inspiration Store" von eBay

Ebay geht also eher in die Richtung Kooperationen, als eigene Showrooms mit ausgewählten Produkten zu eröffnen?
Stefan Wenzel:  Es entspricht aktuell nicht unserer Strategie, im großen Maße eine Offline-Präsenz zu haben. Wir haben vor zwei Jahren einen Pop-up-Store in Berlin gehabt. Daraus haben viele geschlossen, dass Ebay offline geht. Dabei war das in erster Linie ein Kommunikationsprojekt. Der Inspiration Store in Bremen war dagegen ein Forschungsprojekt für die beteiligten Partner, aus dem wir hochinteressante Erkenntnisse gewonnen haben. Daraus darf man aber nicht den Schluss ziehen, dass wir auf breiter Basis offline gehen. Wir unterstützen vielmehr unsere Händler und Marken in ihrer Omnichannel-Strategie und sind dabei mehr Enabler als Protagonist in eigener Sache.

"Wir unterstützen unsere Händler und Marken in ihrer Omnichannel-Strategie und sind dabei mehr Enabler als Protagonist in eigener Sache."

 

Können Sie Beispiele für die Services Click and Collect und  Ship from Store nennen?
Stefan Wenzel:
Bei Click & Collect haben wir Partner wie Gravis, Butlers, Conrad und Porta. An den ersten Mode-Cases arbeiten wir. Eine hohe Filialdichte ist aber wichtig, dadurch wird das Schwungrad einfach größer.

2014 kam Brands4friends auf einen beachtlichen Mobile-Anteil. Die Hälfte des Umsatzes wurde über mobile Endgeräte generiert. Wie sieht es bei Ebay Fashion aus?
Stefan Wenzel:
 An Wochenenden liegt der Anteil bei Brands4friends sogar bei über 50 Prozent. Hierbei muss man aber berücksichtigen, dass ein Flash-Sales-Modell mit zeitlich begrenzten Angeboten die mobile Nutzung auf natürliche Weise forciert. Wir haben früh in gute Apps und Shops für Smartphones und Tablets investiert. Auch bei Ebay entwickelt sich der Anteil in diese Richtung. Wir waren von Anfang an weit vorne bei mobilen Technologien. Es lohnt sich, sich unsere neue iPad-App oder die Ebay App für die Apple Watch anzuschauen. Da sind wir gut unterwegs. Und dadurch profitieren wir noch mehr vom Mobile-Boom als viele Mitbewerber. Viele Händler und Marken scheuen das große Investment, wir nicht. Insofern kann der Händler oder die Marke über Ebay nicht nur von unserer digitalen A-Lage profitieren, sondern auch vom Zugang zu unseren mobilen Technologien. Weltweit hat Ebay seinen Mobile-Anteil 2014 um 30 Prozent gesteigert. Das entspricht einem Handelsvolumen von 28 Milliarden Dollar.

Auch beim Thema Vermarktung von Werbeflächen auf einem Online-Marktplatz gehört Ebay zu den ganz großen Playern und Pionieren. Inzwischen hat auch Otto.de nachgezogen. Amazon brachte diese Woche sein Keyword Advertising-Programm nach Deutschland. Auch Zalando will dem Vernehmen nach schon bald in das Business einsteigen. Aber mal ehrlich: Besteht bei dem Geschäftsmodell nicht die Gefahr, dass der Kunde zu einem Wettbewerber oder Marken-Shop wechselt?
Stefan Wenzel: Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass kein Anbieter seinem Kern-Geschäft schadet. Es geht um Mehrwerte und Relevanz für die Nutzer und die Monetarisierung von ungenutztem Traffic. Durch Messungen, A/B-Tests und Optimierungen werden Flächen und Inhalte bestmöglich ausgesteuert.

Das heißt: Unterm Strich lohnt es sich. Man nimmt durch die Werbung mehr Geld ein, als man durch die Anzeigen an Wettbewerber verliert?
Stefan Wenzel:
Es geht um Relevanz für den User und Monetarisierung von ungenutztem Traffic. Insofern ist das ein komplementäres Angebot, was übrigens auch von Ebay-Händlern und Marken genutzt werden kann, um die eigenen Aktivitäten bei Ebay zu unterstützen. In diesem Zusammenhang ist unser neues Marketing-Tool „Anzeigen“ interessant, das dem Verkäufer erlaubt, seine Angebote hervorzuheben. Das Novum ist, dass bei unserem Such-Marketing auf Umsatz und nicht auf Clicks abgerechnet wird, und die Händler selbst festlegen können, welchen Prozentsatz ihres Umsatzes sie bereit sind zu zahlen.

Bert Rösch führte das Interview für die TextilWirtschaft. Rösch berichtet für die Fachzeitschrift TextilWirtschaft über E-Commerce, Logistik und IT in der Modebranche. Sie erscheint, ebenso wie etailment, in der dfv Mediengruppe.