"eBay Umsatzmillionäre 2014". Der Titel des neuen Buchs von Marion von Kuczkowski  klingt verheißungsvoll.  Die Unternehmerin und eBay-Coach und  hat darin Daten und Fakten zu 432 eBay-Verkäufern mit Millionenumsatz durchleuchtet. Herausgekommen ist ein Zahlenmächtiges Werk. Davon sollte man sich nicht schrecken lassen, liefert das Werk doch auch Bewertungen und Analysen. etailment wollte von der Powersellerin der ersten Stunde wissen, was sich für Verkäufer verändert hat und wie die Chancen auf Umsatzmillionen heute stehen.
Marion von Kuczkowski
Marion von Kuczkowski

Sie waren Powerseller „der ersten Stunde“. Wie hat sich der Verkauf seitdem verändert?

Marion von Kuczkowski: In den Anfängen war es bei eBay sehr gemütlich, eBay war wie ein großer Spielplatz in einem kleinen Dorf.
Jeder kannte jeden, es war ein überschaubarer kleiner Marktplatz, auf dem jeder nahezu schalten und walten konnte, wie er wollte.
Ich kann verstehen, dass einige das vermissen, aber hätte eBay sich nicht gewandelt, hätte eBay nicht überlebt. Die Professionalisierung war nötig, um im E-Commerce bestehen zu können.
Es wird wenige erfolgreiche Onlineshops geben, die seit 1999 unverändert im Netz erfolgreich sind. Damals steckte die Branche in den Kinderschuhen, man hat sich ausprobiert, Fehler gemacht und aus ihnen gelernt, Verkäufer, aber auch Käufer haben gute und schlechte Erfahrungen gesammelt und die Erwartungen der Käufer sind in den Jahren gestiegen – kurz: Die Branche ist erwachsen geworden und auch eBay musste die Kinderschuhe abstreifen.

Abmahnungen: "Was mir fehlt, ist etwas entspannterer Umgang mit deutschen Gesetzen."


Was mir fehlt, ist etwas entspannterer Umgang mit deutschen Gesetzen.
Damals waren Abmahnungen absolut kein Thema, heute sind sie an der Tagesordnung und teilweise lächerlich überzogen, dass man sich schon fast dafür schämen muss, wie Händler in Deutschland in ein viel zu enges Korsett gequetscht werden. Stichwort z.B. Grundpreisangaben bei Kerzen, Empfehlungsfunktion oder auch die umgehenden Abmahnungen nach Einführung der neuen Verbraucherechterrichtlinie, die ohne jede Karenzzeit in Kraft getreten war und technisch teilweise problematisch umsetzbar war, weil man um 23.59 Uhr noch die alte, aber um 00.01 Uhr bereits die neue Verbraucherechterrichtlinie umgesetzt haben musste.

Hoffnungen: "Es ist nicht so schwierig eBay-Umsatzmillionär zu werden, schwieriger ist es, mit eBay auch gutes Geld zu verdienen."


Beim Vergleich ihrer Untersuchung der Umsatzmillionäre von 2012 fallen deutliche Veränderungen auf. Wie kommt es dazu?

Marion von Kuczkowski: eBay ist ein hartes Geschäft. Ich sage immer: „Wer es bei eBay schafft, der schafft es überall“, nur leider denken auch heute noch viele, dass man bei eBay das schnelle Geld verdienen kann.
Ein eBay Verkäufer ist auch immer ein Unternehmer, der scharf kalkulieren muss. Die einen kalkulieren so scharf, dass sie stolz darauf sind, im Monat hohe Stückzahlen zu verkaufen, dabei aber übersehen, dass sie nichts daran verdienen. Die anderen kalkulieren, ohne sich den Markt anzusehen und wundern sich dann, wenn sie ihre Artikel nicht gekauft werden, weil sie sehr deutlich über den Marktplatzpreisen liegen.
eBay muss man auch heute noch „spüren“ – blind verkaufen funktioniert bei eBay nicht. Man muss den Markt und den Marktplatz sehr genau kennen und das unterschätzen viele nach wie vor.
Es ist nicht so schwierig eBay-Umsatzmillionär zu werden, schwieriger ist es, mit eBay auch gutes Geld zu verdienen und so bleiben dann einige der Umsatzmillionäre auf der Strecke, weil eBay Umsatz alleine nichts aussagt.

Gerade auch lokale Händler liebäugeln zunehmend mit eBay. Lohnt sich der Einstieg noch?

Marion von Kuczkowski: Auf jeden Fall! Gerade wenn man die Ware vor Ort hat ( also keine zusätzliche Ware einkaufen und kein Lager anmieten muss), dann ist es geradezu sträflich, nicht auf den Onlinehandel zu setzen und eBay ist der perfekte Einstieg, weil die Käufer bereits da sind.

Und sie können dort auch noch zu Umsatzmillionären werden?

Marion von Kuczkowski: Auch auf jeden Fall, aber sie dürfen eBay nicht unterschätzen.
Ohne Markt – und Marktplatzkenntnisse wird man bei eBay nicht erfolgreich werden. Man muss wissen, wie man ein vertrauenswürdiges Verkäuferprofil aufbaut, wie man seine Angebote in die Sichtbarkeit bekommt, wie man mit den eBay Käufern umgeht, die manchmal einer recht eigenen Spezies angehören und man muss die Fallstricke kennen, um sie umgehen zu können. Einfach mal „eben“ eBay machen, funktioniert heute nicht mehr.

Standards: "Manchmal schießt eBay ein wenig über das Ziel hinaus, aber auch eBay macht einen Lernprozess durch und wird weiter an den Schrauben drehen."



In manchen Foren wird über strenge Standards geklagt. Zu Recht oder ist diese Professionalisierung nötig?

Marion von Kuczkowski: Ja und Nein. Vieles war nötig und es zeichnet sich auch ab, dass die eBay-Strategie erfolgreich war. So sieht man in meinem Buch „eBay Umsatzmillionäre 2014“ im Vergleich zu 2012, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise gestiegen sind und die Käufer jetzt auch bereit sind, bei eBay teure Produkte zu kaufen. Das Vertrauen in eBay ist gestiegen und das hat auch sicher damit zu tun, dass eBay strengere Maßstäbe angesetzt hat.
Einiges ist im Moment noch verbesserungswürdig – manchmal schießt eBay ein wenig über das Ziel hinaus, aber auch eBay macht einen Lernprozess durch und wird weiter an den Schrauben drehen.

In ihrem Buch analysieren Sie die Zahlen der Umsatzmillionäre. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?

Zunächst einmal, dass es bei eBay noch einige Segmente gibt, die darauf warten, gefüllt zu werden.
Sehr spannend fand ich zu sehen, dass einige Newcomer dabei sind, die „recht gesund“ aussehen und sich in relativ kurzer Zeit nach oben gearbeitet haben.
Schaut man sich die analysierten Zahlen genau an, erkennt man auch, dass es bei vielen Verkäufern noch Optimierungspotential gibt, aber damit eben auch Chancen für Newcomer, die noch nicht betriebsblind sind und es besser machen.