Wer Google nach der „Meinung“ zu eBay befragt, indem er in das Suchfeld „eBay ist“ eingibt und auf die automatischen Ergänzungen schaut, der bekommt wenig schmeichelhafte Ergebnisse zu sehen. Dabei hat Deutschland-Chef Stephan Zoll zuletzt mächtig geackert, reichlich Innovationen angeschoben. Ende Mai wechselt er nun zu einer Handelskette in die USA. Seinen Job übernimmt Stefan Wenzel. Der war bislang für eBay Fashion und den Shoppingclub Brands4friends zuständig. Vor dem Stabwechsel touren beide nun gemeinsam durch Redaktionen. Strahlend. Solch gemeinsame Auftritte von Vorgänger und Nachfolger haben in der Branche Seltenheitswert. Das Duo will also Zeichen setzen – und hat beim Besuch bei etailment denn auch frohe Botschaften dabei.  

Stefan Wenzel, eBay
Stefan Wenzel, eBay

Ein Wachwechsel an einer Unternehmensspitze führt in der Regel zu kommunikativer Ruhepause. Der bisherige CEO will kaum noch etwas sagen, ist oft eine „Lame Duck“. Der neue CEO kann noch nichts sagen. Ganz anders bei eBay. Da zeigen sich Zoll und Wenzel beinahe Hand in Hand und überaus gut gelaunt. Kontinuität soll das demonstrieren. Dafür gibt es einen guten Grund. Etliche Projekte laufen erst seit kurzer Zeit, andere wurden gerade erst losgetreten, manches steckt noch in der Pipeline. Das Duett ist also auch eine vertrauensbildende Maßnahmen Richtung Händler, die  auf jede Veränderung so sensibel reagieren, wie eine Katze auf umgestellte Möbel in der Wohnung.  

Da ist zum Beispiel das im vergangenen September eingeführte Treueprogramm eBay Plus. Für eine Jahresgebühr von 19,90 Euro können Käufer unter anderem für alle mit eBay Plus gekennzeichneten Artikel einen besonders schnellen und kostenlosen Versand in Anspruch nehmen und profitieren von kostenlosen Retouren. Außerdem erhalten die Käufer im Rahmen des Programms, mit dem eBay gegen Amazon Prime punkten will, kostenlosen Zugang zu exklusiven Deals und Promotions sowie weiteren Vorteilen.

Wer sich durch verschiedene Händlerforen klickt, liest dort alles andere als Jubelarien. Zoll und Wenzel aber zeigen sich überzeugt. Mehr als 100.000 Mitglieder hat das Treueprogramm inzwischen, das sich angesichts einer anderen Angebotsstruktur immer etwas gegen den direkten Vergleich mit Amazon Prime ziert. 16 Prozent des Handelsvolumens von gewerblichen Anbietern sind zudem nun im Rahmen von Ebay Plus verfügbar. Die Akzeptanz steigt weiter, verspricht es doch häufigere Einkäufe und höhere Warenkörbe der Ebay-Plus-Mitglieder. Das Programm könnte demnächst noch weiter ausstaffiert werden. Zuletzt wurden neue Mitglieder mit Payback-Punkten umworben.

Stephan Zoll, eBay (Foto: Roland Horn/ Der Handel)
Stephan Zoll, eBay (Foto: Roland Horn/ Der Handel)

Ebay selbst flirtet derweil mehr denn je mit den lokalen Händlern, die den Weg ins Web wagen oder wagen wollen. Das Pilotprojekt „Mönchengladbach auf Ebay“ hat nun 77 Einzelhändler überzeugt. Es sind also noch ein paar mehr geworden, seit Stephan Zoll im März im Interview mit etailment vom „Momentum“ schwärmte. 65.000 Artikel im Wert von 2,5 Millionen Euro wurden in den ersten sechs Monaten verkauft.

Wettbewerb „Die digitale Innenstadt“

Wie es weitergeht, wenn das Projekt im Sommer offiziell ausläuft, ist weiter unklar. Obwohl Städte in Serie bei eBay an die Türen klopfen. Klar ist dagegen, dass eBay E-Commerce-Neulingen den Einstieg so leicht wie möglich machen und für die eigene Plattform begeistern will. Gemeinsam mit dem HDE hat man den Wettbewerb „Die digitale Innenstadt“ gestartet. Städte können sich bis zum 17. Juni bewerben und eine Jury wird die Stadt mit dem überzeugendsten Konzept zum Thema digitale Innenstadt auswählen. Diese Stadt erhält dann ein  Paket zur umfassenden digitalen Förderung des Handels in der Stadt inklusive einer eigenen Präsenz bei eBay.

Gerade mit Blick auf die kleinen Händler wird Wenzel den Marktplatz weiter aufhübschen müssen. Neben Amazon buhlen immer mehr lokale Marktplätze (Atalanda, Locafox), aber auch die Handelskette Real nach dem Kauf des bedeutenden kleineren Online-Marktplatzes Hitmeister um die örtliche Klientel.

Sie alle buhlen aber auch um Markenanbieter und Markenshops. eBay hat hier mit dem Partnerprogramm für Marken noch einen deutlichen Vorsprung. Mittlerweile nehmen insgesamt 180 Marken am Partnerprogramm für Marken teil, 137 Markenhersteller haben Markenwelten bei eBay.de eröffnet und 131 Markenhersteller sind Teilnehmer des „Autorisierte Händler“ Programms. Dass sich auch Zalando hier mit seiner Plattform-Strategie nicht nur als Marktplatz, sondern gleich als Dreh- und Angelpunkt für die Fashionbranche positioniert, hat sich Mode-Experte Stefan Wenzel ganz sicher notiert und muss darauf bald eine schlagkräftige Antwort finden.

Einen Ansatz dafür böte womöglich der 2014 ins Leben gerufene Click & Collect-Service. Damit bietet eBay stationären Händlern die Option, das lokale Sortiment online verfügbar zu machen. Artikel bei eBay.de, die mit dem Click & Collect-Symbol gekennzeichnet sind, können über das Filialnetz der beteiligten Partner direkt erworben werden.

Die vielleicht größte Aufgabe aber wartet auf Wenzel im Hintergrund: Big Data. Mittels strukturierter Daten soll das Inventar besser katalogisieren werden, sollen Suchen und Finden für den Nutzer leichter werden, relevante Artikel besser sichtbar sein. Schon jetzt wurde für einige Produktbereiche die Verpflichtung zu Produktkennzeichnungen mit globalen Artikelnummern (GTIN) oder Herstellernummern (MPN) eingeführt. Das ist nicht nur eine technische Aufgabe. Auch den Händlern muss erklärt werden, warum es sich lohnt, datentechnisch seine Hausaufgaben zu machen. Wenzel sollte das können. Als Fashion-Chef weiß er, wie wichtig das Stöbern, Browsen und Entdecken für den Kunden ist.

Kunden finden eBay eher so mittelprächtig

Vor allem den Kunden wird Wenzel zeigen müssen, dass die Plattform mehr Chic kann. Denn laut einer aktuellen Umfrage der Marktforscher von YouGov finden die Kunden den Markplatz gegenwärtig gerade einmal so mittelprächtig. eBay ist zwar in den Köpfen präsent, aber „der Lack ist ab“.  So liegt der allgemeine Eindruck der Marke auf dem Niveau von Galeria Kaufhof. „Mittelmaßurteilt YouGov. Das gilt auch für die Kundenzufriedenheit.
Gefährlich niedrig, so die Marktforscher, sei aber vor allem die Qualitätsbeurteilung der Plattform. Da schneidet sogar Karstadt besser ab.
Schlimmer noch. Der große Konkurrent Amazon enteilt: "Der Anteil der Verbraucher, die Amazon-Kunde sind, steigt in etwa dem gleichen Maße wie eBay Kunden verliert. Noch dazu kann Amazon auch jüngere Kunden für sich gewinnen", schreibt YouGov.

Die gemeinsame Roadshow von Wenzel und Zoll soll und muss also wohl auch ein wenig Optimismus verbreiten und zeigen, dass man sich keine Verzögerung durch den Stabwechsel erlauben will.