Das Internetauktionshaus eBay hat Quartalszahlen vorgelegt. Die deutsche Tochter nimmt das zum Anlass, sich Mut zuzusprechen.  

Der Onlinemarktplatzbetreiber eBay meldet, dass das Geschäft in Deutschland doch gut läuft – allen Unkenrufen zum Trotz: „Das internationale Geschäft verzeichnet insbesondere in Deutschland und Großbritannien ein starkes Wachstum“, heißt es in einer Pressemitteilung von eBay Deutschland.

Dass die deutsche Pressestelle diese Meldung gestern kurz vor Mitternacht überhaupt rausgeschickt hat, spricht schon für sich: Üblicherweise meldet nur die Mutter in Amerika die Quartalszahlen – schließlich ist sie dort an der Börse gelistet und dementsprechend dazu verpflichtet, Finanzergebnisse bekannt zu geben. Die deutschen Journalisten müssen diese dann erst mal übersetzen.

Deutschland-Tochter verliert an Einfluss

Doch in den vergangenen Wochen und Monaten wurde viel über den schwindenden Einfluss der deutschen Tochter spekuliert: Drei Chefs in nicht mal einem Jahr, massiver Stellenabbau in Deutschland und die Verlagerung von wichtigen Zuständigkeiten in andere europäische Länder trugen nicht gerade zu dem Eindruck bei, dass die Deutschen noch viel zu melden haben im Konzern.

Wie dem auch sei: Auf dem deutschen eBay-Marktplatz wurden der Pressemitteilung zufolge im dritten Quartal 2009 zehn Prozent mehr Artikel verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt habe das Wachstum im internationalen Marktplatzgeschäft acht Prozent betragen, heißt es. Zudem freut sich das frühere Auktionshaus über Zuwächse im internationalen Handelsgeschäft in China und dem zu eBay gehörenden Ticket-Händler StubHub.

Umsatz steigt, Gewinn sinkt um fast 30 Prozent

Doch mehr verkauft heißt weder in Deutschland noch im Gesamtkonzern automatisch mehr Gewinn. Im Gegenteil: Der Umsatz wuchs im Konzern zwar im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf gut 2,2 Milliarden Dollar (rund 1,46 Milliarden Euro). Doch der Überschuss sank um 29 Prozent auf knapp 350 Millionen Dollar (rund 234 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss am Sitz im kalifornischen San Jose bekannt gab.

Für das letzte Quartal 2009 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnet eBay demnach mit einem Umsatz zwischen rund 2,2 und 2,3 Milliarden Dollar. Und hier kommt dem Unternehmen die Logik der Börsianer in die Quere: Zwar schnitt eBay mit seinen Zahlen für das vergangene Quartal etwas besser ab, als die Finanzjongleure erwartet hatten. Aber die Prognose für den Rest des Jahres enttäuschte sie – also gab die eBay-Aktie nachbörslich trotzdem um gut fünf Prozent nach.

eBay und der ewige Rivale Amazon

eBay wurde im Jahr 1995 in den USA gegründet und ist seit 1999 in Deutschland vertreten. Heute zählen neben eBay auch die Unternehmen PayPal, Skype, Shopping.com, eBay Kleinanzeigen sowie mobile.de zum Konzern. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in San José/Kalifornien.

eBay arbeitet mit Hochdruck am Umbau vom weltgrößten Auktionshaus zu einer Plattform mit mehr Festpreisangeboten, mehr Profi-Verkäufern und mehr Neuwaren. Der Wettbewerber Amazon hat hier allerdings klar die Nase vorn - und macht Ebay sogar bei gebrauchten Artikeln, von denen das klassische eBay-Auktionsgeschäft lebt, zunehmend Konkurrenz. Amazon legt seine Quartalszahlen am heutigen Donnerstagabend vor. Die Börsianer rechnen dort mit einem Gewinnsprung.