Online kaufen, was zum laufenden Fernsehprogramm passt – das bietet die neue iPad-App „Watch With Ebay“ an, die jetzt in den USA live gegangen ist.

Nicht nur das Online-Auktionshaus hofft auf Schwung durch Couch-Commerce. wenn TV-Programm und Tablet oder Fernbedienung zu einem gemeinsamen Warenkorb verschmelzen. Nach Eingabe der Postleitzahl in der Ebay-App bekommt der Nutzer die Fernsehsender angezeigt, die in seiner Region empfangbar sind. Anschließend wählt er den Kanal aus, den er gerade auf dem Fernseher verfolgt. Die Ebay-App listet dann Artikel auf, die entweder gerade auf der Mattscheibe zu sehen sind oder die inhaltlich zur Sendung passen, zum Beispiel Merchandising-Artikel eines Fußballvereins. Während Oscar-Übertragungen schlägt die Anwendung Kleider von Designern vor, die schon einmal für Oscar-Preisträger Outfits geschneidert haben.

Ebay nimmt damit die Millionen von Zuschauern ins Visier, die während des Fernsehens mit ihrem iPad im Internet unterwegs sind. Einer Erhebung des Marktforschers Nielsen zufolge nutzen 86 % der mobilen Internetnutzer ihr Smartphone oder ihren Tablet-PC als zweiten Bildschirm, während sie ihre Liebingssendung verfolgen. Wann die Innovation nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Nach Einschätzung von Mathias Birkel, Berater bei Goldmedia Strategy Consultants, hat die Couch Commerce-Lösung auch dann noch gute Erfolgsaussichten, wenn sich internetfähige Fernseher durchgesetzt haben, die eine direkte Interaktion mit dem Fernsehprogramm ermöglichen. „Die Zuschauer wollen vermutlich auch in der Zukunft nicht irgendwelche kleinen Fensterchen auf dem Bildschirm haben.“ Dazu komme, dass der Fernseher im Gegensatz zum Computer häufig von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werde. So sei die Gefahr groß, dass sich Mitgucker von Shopping-Anwendungen auf dem großen Screen gestört fühlen.

Eine ähnliche Anwendung wie „Watch with Ebay“ hat der US-Sender FX bereits im Herbst vergangenen Jahres gestartet. Die Shopping-App bietet während der Ausstrahlung der Serie „Sons of Anarchy“ die Kleidungs- und Schmuckstücke zum Kauf an, die im Fernsehen zu sehen sind.

In Großbritannien haben registrierte Nutzer des TV-Kaufhauses QVC schon seit längerer Zeit die Option, per Fernbedienung Waren aus dem aktuellen Teleshopping-Programm zu bestellen. QVC Deutschland hat aber noch keine konkreten Pläne, die Technik im hiesigen Markt anzuwenden.

Mastercard: Zahlen per Winken 

Noch weiter geht die Teleshopping-Variante von Mastercard, die zurzeit in den USA getestet wird. Sie bietet Zuschauern die Möglichkeit, per Gestensteuerung Artikel zu kaufen, die auf der Mattscheibe beworben werden. Der Kreditkartenanbieter nutzt dazu Kinect-Kameras, die auch auf Spiele-Konsolen zum Einsatz kommen. Der offizielle Starttermin steht noch in den Sternen. Medienberichten zufolge wartet Mastercard, bis Kinect-Kameras standardmäßig in Fernsehgeräte eingebaut sind.

Die Anwendung „Store to TV“ der deutschen Unternehmen Circon und Act’O Soft kommt dagegen ohne Kinect-Kameras aus. Die Kunden benötigen lediglich einen internetfähigen Fernseher. Nachdem der Zuschauer die App auf seinem TV-Gerät installiert hat, bekommt er am unteren Bildschirmrand Keyword-basierte Werbung oder Gutscheine eingeblendet, die zum laufenden Programm passen. Händler können die App zur Kundenbindung einsetzen: Ein Code auf dem Kassenzettel ermöglicht es den Kunden, sich das zurückgelegte Teil zu Hause in Ruhe auf dem Bildschirm anzuschauen oder Freunden zu zeigen.

Der Erfolg hängt natürlich stark von der Verbreitung von internetfähigen Fernsehgeräten ab. Derzeit gibt es hierzulande rund 6 Millionen Smart-Fernseher. Goldmedia geht davon aus, dass in fünf Jahren jeder zweite deutsche Haushalt seine Mattscheibe mit dem Internet vernetzt hat. Entweder direkt oder über ein Hilfsgerät wie eine Set-Top-Box, eine Spielekonsole oder einen Blue-Ray-Player. Laut Goldmedia-Berater Birkel dauert es aber noch mindestens eine Fernseher-Generation, bis sich Smart-TV-Geräte flächendeckend durchgesetzt haben. „Schließlich tauscht man einen Fernseher nicht so häufig aus wie ein Handy.“