Wenn der Kunde keinen unmittelbaren Nutzen erkennt, dann will er nicht. Da mag das Angebot auf den ersten Blick noch so verlockend sein. Neuen Konzepten stehen Kunden nämlich häufig skeptisch gegenüber. Das dürfte unter anderem den Abo-Commerce-Anbietern erst einmal weniger gefallen, die mittlerweile beinahe jeden Blumentopf im Abo anbieten.  Doch noch finden die Verbraucher einen vereinbarten Mindestumsatz gegen einen bestimmten Rabatt weniger attraktiv. Gleiches trifft für  "Mieten statt Kaufen“-Konzepte in neuen Segmenten zu, obwohl etliche Start-ups in diese Richtung arbeiten. Auch den Online-Lebensmittelhändlern dürften die Ergebnisse der Studie „Trends im Handel 2020“ nicht schmecken, die KPMG und EHI Retail Institute nun vorgelegt haben. Die Studie sieht vor allem Generalisten als die Gewinner im E-Commerce-Markt.

Nur 19 Prozent wollen laut Studie Modelle wie „Mieten statt kaufen“ oder ein Abonnement "bestimmt" oder "wahrscheinlich" nutzen. 40 Prozent sagen "vielleicht". 41 Prozent wollen solche Dienste "bestimmt nicht" oder "wahrscheinlich nicht" nutzen. Da steht den Start-ups mit ihren disruptiven Geschäftsideen  also noch reichlich Marketing-Arbeit bevor. Auch wenn das Sharing und die Frage, was muss man besitzen und wie lange, die Menschen in den kommenden Jahren sicher noch intensiver bewegen wird als derzeit.

Prägend dürfte aus Sicht der Studienautoren, das kennt der Kunde schließlich,  in den kommenden Jahren für alle Branchen die Entwicklung von Multi-Channel-Konzepten sein, die die Vorteile des stationären Handels mit den Vorteilen der Online-Welt verbinden. Das gilt nicht nur für den stationären Handel. Auch Online-Händler, so die Studie, würden „Schritt für Schritt ihren Online-Handel mit stationären Dependancen ergänzen.“ Pläne von Ebay, Zalando und Amazon sind dafür ein deutliches Zeichen.  

Die vom EHI Retail Institute durchgeführte Marktstudie ( „E-Commerce Markt Deutschland 2011") der 1.000 größten Online-Shops für physische und digitale Güter macht deutlich, dass der größte Umsatzanteil von Generalisten erwirtschaftet wird. Ihr Umsatz betrug im Jahr 2010 8,3 Mrd. Euro und somit rund 37 Prozent des in der Studie ermittelten Gesamtmarktes. Der Anteil der zehn führenden Anbieter am Gesamtumsatz nimmt dabei weiter zu.

Der Einsatz mobiler Endgeräte im Kaufprozess gewinnt deutlich an Bedeutung. Nach Selbsteinschätzung der Konsumenten, wird die Mobilfunknutzung aber vor allem zur Informationsgewinnung wichtiger.  

Die Verbraucher gehen darüber hinaus davon aus, dass sie in Zukunft stärkeren Einfluss auf die Entwicklung und Gestaltung von Produkten nehmen und Kaufentscheidungen stärker beeinflussen. Das geschieht in erster Linie online. Drei Viertel aller Deutschen, so die Studie, nutzen bereits regelmäßig soziale Netzwerke für ihre Kommunikation, 31 Prozent sogar täglich. Die Nutzung wird in den kommenden Jahren weiter steigen.

Schlechte Nachrichten hat das EHI für die Online-Lebensmittelhändler Nur jeder Zehnte gibt an, überhaupt schon einmal Lebensmittel im Internet bestellt zu haben. Nur 21 Prozent der Befragten beurteilen den Online-Einkauf von Lebensmitteln in Zukunft für sich persönlich als attraktiv, und das sogar unter der Bedingung, dass Qualität und Lieferbedingungen den Wünschen der Kunden gerecht werden. Das ist eindeutig der schlechteste Wert aller abgefragten Warengruppen.

Besser kommen Multichannel-Konzepte an. Fast jeder zweite der Befragten möchte das Konzept “Online-Bestellung, Filial-Kommissionierung und Selbstabholung“ bestimmt oder zumindest wahrscheinlich nutzen. Im Vergleich dazu sagen nur 17 Prozent, dass sie eine Online-Bestellung mit anschließender Heimbelieferung bestimmt oder wahrscheinlich nutzen möchten.

Ganz sicher boomen dürfte dagegen der Online-Verkauf von Möbeln. Dass die Bedeutung in den nächsten Jahren deutlich wachsen werde, betonen 46 Prozent der Befragten. Klar: der Möbel-Versand ist ja - zumindest bei Kleinmöbeln . inzwischen einigermaßen gelernt. Und hier liegt der Nutzen zudem klar auf der Hand: Selber schleppen ist nicht mehr.  

Zur Studie:

Für die Studie von KPMG und EHI Retail Institute wurden deutschlandweit mehr als 1.000 Personen zwischen 16 und 60 Jahren befragt, die mindestens einmal wöchentlich das Internet nutzen. Weitere Inhalte stammen aus den Forschungsbereichen des EHI-Retail Institutes sowie aus Erkenntnissen der KPMG, ergänzt um aktuelle Ergebnisse aus KPMG-Studien sowie Datenmaterial verschiedener Institutionen.