Das Geschäft mit der Erotik ist längst digital. Das, was Freude bringt, wird im Internet bestellt. Doch ausgerechnet in Deutschlands bestem Laden präsentiert ein Onlinehändler ein Sortiment, mit dem man verlegen an der Kasse stehen würde.

Als Beate Uhse noch als "Fachgeschäft für Ehehygiene" firmierte, kann man nur vermuten, was für ein Grauen sich hinter diesem Begriff verbarg: Das Licht ging aus, die Socken blieben an, uh, ah – gute Nacht.

Von Beate Uhse hingegen redet kaum noch jemand, nachdem das Unternehmen zum Sexshop wurde und aus dieser Begriffs- und Wahrnehmungsfalle nie wieder herausfand. Schöne Läden hin, neues Image her. Beate Uhse ist in den Hirnen der Deutschen auf ewig die blickdichte Überdruckkammer am Hauptbahnhof.

Denn für das große Geschäft, für das gute Gefühl, gibt es keinen besseren Ort als das Internet. Kein verstohlenes Rein- und Rausschleichen in die Überdruckkammer, stattdessen diskretes Anklicken, Auswählen und Anliefern.

Erotik in der dritten Etage

Aber dann schlendert man durchs Berliner KaDeWe, wo es schon weihnachtlich zugeht, das Fest rückt ja näher. Und da: "Weihnachtskalender von Amorelie im dritten Stock", verheißt das Schild. Amorelie ist einer der Gründe für das lange Sterben von Beate Uhse. Aber dass der Erotikonlinehändler auch hier, in DEM Luxuskaufhaus der Deutschen für eine andere vorweihnachtliche Stimmung sorgt, überrascht.

Also schnell in die dritte Etage – und da ist auch schon die kleine Amorelie-Fläche. Ähem, sowas gibt’s heutzutage im KaDeWe? Wo man als Pennäler in der Feinkostabteilung fassungslos vor gerösteten Heuschrecken stand? Heute staunt man über eine kleine Vitrine mit Dingen, die Toys heißen, was Mutter nicht nur begrifflich irritieren würde.

Und da steht auch der Adventskalender. Edel, weihnachtlich – und diskret. 229,90 Euro kostet das Paket, viel Geld für untenrum, denken wir uns. Was drin ist in den 24 Päckchen steht jedoch nicht dabei. Aber als Routinier des Multichannels weiß man sich zu helfen – und "ruft" im Internet an: 11mal Toys, 5mal Stimulierendes, 4mal Soft-Bondage, 4mal Körperkosmetik und 3x Accessoires – plus, dem Kracher: eine exklusive Edition des "weltweiten Bestsellers Womanizer", der kraftvoll sein soll und über eine einzigartige Stimulationstechnik verfüge.

Das Päckchen ist also eine Art Werkzeugkasten. Doch wie bei dem aus dem Baumarkt fehlt uns auch hier tieferes Fachwissen für die Verwendung des ein oder anderen Gerätes. Was wir jedoch vermuten ist, dass Soft-Bondage dunkle Schlafstuben nicht gestattet. Denn da gehts bestimmt ziemlich handwerklich zu, und man kloppt ja auch keinen Nagel in die Wand, wenn nur noch das Licht der Straßenlaterne hereinschimmert.

Eine Art Werkzeugkasten

Ob das aber jemand hier kauft? Im KaDeWe? Gut, die Verpackung des Adventskalenders ist ja unverfänglich, aber die Kassiererinnen wissen ja Bescheid und würden schön grinsen, wenn wir damit am Tresen stünden. Also das KaDeWe als Showroom nutzen – und schön im Netz bestellen. Ha, so geht Multichannel.

Aufritt für das Werbe-Testimonial Lina: Die Premium-Version des Kalenders kostet 229,90 Euro
© Amorelie
Aufritt für das Werbe-Testimonial Lina: Die Premium-Version des Kalenders kostet 229,90 Euro

Nur: Wem soll man sowas schenken, das Sortiment lässt ja stark auf weibliche Adressaten schließen? B. jedenfalls winkt sofort ab: "Ooch nö." Und schickt ein Foto ihres neuen Adventskalenders: von Yps.

Gut, das ist auch ein Werkzeugkasten.