Den mittelständischen stationären Modeeinzelhandel zu vertretbaren Kosten in den boomenden E-Commerce führen – das war das Ziel des Online-Marktplatzes Fashiongalerie, der die Ware zentral einkaufte und über die Websites der angeschlossenen Händler verkaufte. Diese erhielten Provisionen für jede Bestellung, die über ihre Webstores getätigt wurde. Wenn Kunden über die zentrale Plattform Fashiongalerie.de orderten, schrieb die Fashiongalerie denjenigen Modehäusern eine Provision gut, die im Postleitzahlengebiet des Kunden ansässig waren.

Dieses Geschäftsmodell ist jetzt gescheitert. "Das alte Konzept war zu teuer. Wir haben viel zu viel Geld in die doppelte Warenbewirtschaftung gesteckt", erklärt der geschäftsführenden Hauptgesellschafter Claus Vocke (Foto). In der Folge sei der Großteil des Kapitals gebunden gewesen, was das Wachstums stark gedrosselt habe.

Neues Konzept soll bis März stehen

Nun entwickelt die Hamburger Betreiberfirma Fashiongalerie Online Lifestyle ein Konzept, das im März vorgestellt und bis Jahresende umgesetzt werden soll. Bis dahin verlinkt die Plattform auf die Online-Shops zwölf namhafter Labels.

Künftig sollen die Händler die Bestellungen aus den eigenen Beständen bedienen und bis zu einer gewissen Menge auch selbst verschicken. Nur bei größeren Bestellaufkommen wird Fashiongalerie einen Logistikdienstleister einbinden, dessen Namen Vocke noch nicht bekannt geben will. Bislang war Baur Fulfillment Solutions für die komplette Kaufabwicklung zuständig gewesen.

Darüber hinaus sollen die Online-Shops noch individueller auf die jeweiligen Händler zugeschnitten werden. Bis Ende 2011 waren die Shopsysteme und Sortimente bei allen Händlern identisch gewesen. Die Retouren sollen ab 2013 zentral abwickelt werden.
Ende März werden die zehn Gesellschafter der Fashiongalerie voraussichtlich das neue Konzept verabschieden. Sie haben bislang über 2 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Das meiste Claus Vocke mit seinem Kaufhaus Rancke, das 40 Prozent der Anteile hält.

Insgesamt sind 25 Händler mit 45 Standorte an die Plattform angeschlossen. Lediglich ein Teilnehmer scheidet aufgrund der Umstrukturierung aus der Riege aus: das Modehaus Schröder in Haselünne.

Einkaufsleiterin Bunte geht von Bord

Ebenfalls nicht mehr dabei ist die Einkaufsleiterin und designierte Geschäftsführerin (Managing Director) der Fashiongalerie. Die ehemalige Tom Tailor- und Ebay-Managerin Sonja Bunte, die erst im April 2011 in der neuen Firmenzentrale in Hamburg ihre Arbeit aufgenommen hatte, fängt Mitte Februar beim Filialisten SportScheck an. Die 34-Jährige wird von der Unternehmenszentrale in Unterhaching bei München aus den Einkauf für die Segmente Outdoor, Textil und Hartware verantworten.

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