Haben Sie zu Weihnachten Amazon-Gutscheine bekommen, die sie nicht nutzen? Das macht nichts. Auf Ebay können Sie sie gut verkaufen. Oft sogar über dem eigentlichen Einkaufswert, denn einige Händler waschen damit ihre Umsätze. Und so funktioniert die Masche.

Gutscheine über ihrem Einkaufswert kaufen? Wer macht denn sowas?

Ein bestimmtes Händlerklientel hat es auf Gutscheine abgesehen. Diese Marktplatzteilnehmer kaufen auch Codes verschiedener Preisklassen im Auktionsformat. Die Gebote dafür liegen dabei oft deutlich über dem Einkaufswert. Tage vor Auktionsende. Warum kaufen diese Leute die Gutscheine nicht regulär bei Amazon oder an einer Ladentheke im stationären Handel?

Bei dieser Variante „waschen“ als privat angemeldete Händler, deren Aktivitäten aber längst gewerbliche Züge tragen, ihre Umsätze rein. Der Ablauf: Um keine größeren Beträge auf ihren Bankkonten erscheinen zu lassen, nutzen diese, in Händlerkreisen „Privatgewerbliche“ genannten, am liebsten PayPal als Zahlungsmethode. Sind deren PayPal-Konten dann durch eigene Verkäufe gut gefüllt, werden von diesem Budget attraktive Gutscheine gekauft und ebenfalls via PayPal bezahlt. Die Umsätze verbleiben also im Ebay-PayPal-Kosmos, ohne je auf einem Bankkonto in Erscheinung zu treten.

Die so erworbenen Gutscheine werden dann entweder für eigene Käufe bei Amazon genutzt, oder aber in Kleinanzeigen-Portalen beziehungsweise im Freundes- und Bekanntenkreis gegen Bargeld weiterveräußert. Und um das zu realisieren, kauft dieses Klientel auch zu Preisen über dem eigentlichen Einkaufswert der Coupons und nimmt dabei Abschläge in Kauf.

Handelsumsätze bleiben für „Antragsteller auf Einsicht“ unsichtbar

Der Ablauf „Verkauf von Handelsware, PayPal-Guthaben, Gutscheineinkauf, PayPal-Zahlung, Gutschein-Nutzung, oder Veräußerung gegen Bargeld“ ist also ein Geldwäsche-System für kleine Leute - die vermeiden möchten, dass ihre Umsätze für Dritte transparent werden.

Der Hintergrund: Auf PayPal-Konten greifen „Antragsteller auf Einsicht“, wie zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit, nicht ohne Weiteres zu, diese sind für Einsichtnehmer vorerst also unsichtbar.

Nachteil für gewerbliche Händler, Ebay und Amazon in trauter Eintracht

Gewerbliche Händler sind hier die Leidtragenden: Dieser Mikrokosmos zur Verschleierung lockt weiterhin „privatgewerbliche“ Händler an, die ohne Steuerlast und ohne rechtliche Verpflichtungen vom heimischen Wohnzimmer aus, mit entsprechenden Preisvorteilen, auch unbequeme Wettbewerber darstellen können.

Die Pointe?

Vielleicht die, dass Ebay ausgerechnet durch die Gutscheine seines größten Wettbewerbers Amazon gute Umsätze erzielt.

Es werden mitunter auch die Coupons von anderen Händlern „über Preis“ gehandelt, Amazon-Codes sind im aktuellen Marktgeschehen aber am attraktivsten.

Für Verbraucher, die noch ungenutzte Coupons von der letzten Weihnachtsbescherung herumliegen haben, ist dieser Grauzone aber natürlich von Vorteil, da sich die ungewünschten Rabatt-Karten ohne Abschläge, oder sogar mit einem kleinem Gewinn, weiterveräußern lassen.

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