Drive Now von BMW: Ausdruck des Wandels. Zugang zählt, nicht Besitz
Drive Now von BMW: Ausdruck des Wandels. Zugang zählt, nicht Besitz

Sharing. Kennt man, macht man, nimmt mit Diensten wie Tumblr oder Pinterst auch immer wieder neue Formen oder Oberflächen an.

Zumeist, wie jüngst in einem Beitrag von Nico Lumma bei t3n , denken wir dabei immer an das Teilen von Inhalten auf der Fallhöhe von Texten und Urlaubsfotos.

Dabei ist Sharing als Default-Einstellung des öffentlichen Beisammenseins auch für den E-Commerce einer der Schlüssel für den künftigen Erfolg.

Nicht nur, wenn es um Like und +1-Buttons geht. Es geht auch um Geschäftsmodelle: In Ihrem Buch “The Mesh: Why the Future of Business Is Sharing” erinnert Lisa Gansky beispielsweise an Roomorama, letztlich nichts weiter als eine Peer-to-Peer-Plattform, um mit Reisenden sein Appartement zu „sharen“.

Menschen wollen Zugang, nicht Besitz

Es geht beim Commerce nicht mehr nur um Besitz, sondern um den Zugang zu Dingen und Produkten.

Wie sehr sich dahinter ein neues gesellschaftliches Denken verbirgt, zeigt das sich Autohersteller wie Daimler mit Smarts als "Car-to-go", also "Auto zum Mitnehmen" oder BMW mit seinem Car-Sharing-Projekt Drive Now (Testbericht), den veränderten Bedürfnissen widmen.

Man bedenke: Wir reden vom Auto. Einst des deutschen liebster Besitz liebstes Kind.

Sharing-Modelle brauchen aber nicht nur ein Produkt, das man teilen kann und möchte, sie verlangen auch nach erheblichen Datenzugängen, die Nutzung, Verbreitung, Weiterverfolgung, Kundenbedürfnisse, Empfehlungen, Informationen zu Produkt und Nutzer aufbereiten und in ihren jeweils relevaten Bestandteilen Anwendern und Anbietern mobil zur Verfügung stellen.

Das Buch von Lisa Gansky
Das Buch von Lisa Gansky

Schließlich hat Sharing mehr als andere Formen des Güteraustausches eine sehr deutliche lokale Perspektive. Anders gesagt: Mit dem zunehmenden Einsatz leistungsfähiger mobiler Endgeräte bis hin zum Payment stiegen auch die Optionen für Sharing-Modelle.

Mesh-Business macht Produkte besser

Es ist ein schöner Nebenaspekt in dem Buch von Gansky, dass sie darauf verweist, dass Sharing-Produkte des „Mesh-Business“ unverwüstlicher sein müssen, als klassische Handelsartikel. Erstens gehen sie durch mehr Hände, zweitens führt das Sharing und die damit einhergehende Vernetzung zu deutlich intensiveren Mundpropaganda-Effekten.

Man denke nur an die Online-Mitwohnagentur AirBnb, die nach dem kritischen Blogbeitrag einer Kundin in den USA jede Menge Kritik kassierte. Selbst nur gefühlte Mängel in Qualität oder Service können sich also fatal auswirken.

Steile These meinerseits: Mehr noch als die gegenwärtige digitale Vernetzung der User, wird Sharing langfristig die Notwendigkeit erhöhen, qualitativ hochwertigere Produkte zu produzieren. Und: Hersteller, Dienstleister und Händler mit Sharing-Apsekten als Teil des Geschäftsmodells dürften angesichts der Nähe zu den Kunden ihre Angebote deutlich rascher verbessern und innovativer agieren.

Sharing ist Crowdsourcing per default

Gedankenspiel: Wie viele aus Praxiserfahrung geborene relevante Verbesserungsideen werden Smart oder BMW durch ihr Sharing-Projekt erhalten, ohne dass man dies nun explizit Crowdsourcing nennen muss? Was übrigens nicht nur Auswirkungen auf die Autobauer selbst hat, sondern auch auf die Zulieferer.

Ganz nebenbei erschließt Sharing womöglich auch neue Käufer-Zielgruppen. Die wird es ja auch weiterhin geben.

Klar: Die Unternehmen müssen natürlich auch die Prozesse schaffen, um das Feedback intelligent aufzubereiten und sie dann mit den Zulieferern, nun ja, teilen.

Mehr zum Thema: Das Mesh-Manifesto als PDF (Six Reasons Why The Sharing Society (aka THE MESH) Will Trump The Ownership Society)