Es ist ja fast schon antizyklisch, gegenwärtig noch einen Facebook-Shop zu eröffnen. Zu gering die Umsatzaussichten, zu sehr bleibt es bislang ein Marketingvehikel auf dem Niveau von Golfloch-Werbung. 

Glossybox, ein Abo-Commerce-Modell für Kosmetik, hat es dennoch getan.  Die Experimentierfreude ist lobenswert. Doch dabei verfällt der Birchbox-Klon von  Rocket Internet in die gleichen Grundfehler wie schon anderer F-Commerce-Anbieter zuvor.

Fehler 1. Es gibt keine Unterscheidungen im Sortiment. Die Beauty-Boxen gibt es ebenso im klassischen Shop. Aber es fehlt an weiteren Produkten. Es fehlt also an Sortimentsanreizen für den Facebook-Shop.

Fehler 2. Keine Bevorzugung der Facebook-Fans. Weder bei der Produktauswahl noch beim Preis. Die Men Box zum Beispiel kosten hüben wie drüben 15 Euro. (Nicht, dass ich eine bestellen wollte). Fans aber stehen auf exklusive Angebote, spezielle Serviceleistungen und kleine Belohnungen.

Fehler 3. Glossybox bietet die beliebtesten Produkte auch im Einzelverkauf. Im Webshop. Und jetzt eben auch im Facebook-Shop. Auch hier: Kein zusätzlicher Anreiz für diesen Vertriebskanal.

Fehler 4: Es fehlt an Weiterempfehlung-Funktionen an der Schaufensterfront für die Boxen. Sharing-Optionen gibt es nur für die Produkte. Die aber dann immerhin reichlich.

Also alles Quatsch?

Nicht ganz. Glossybox hat rund 60.000 Fans bei Facebook. Eine ordentliche Basis. Noch dazu eine kommunikationsfreudige jugendliche Zielgruppe, der man getrost unterstellen kann, dass sie heute so lange auf Facebook abhängt, wie unsereiner einst vor Tchibo.  (Damals. Es gab noch kein Starbucks. Wirhattenjanix).

Es gilt also das Argument: Die Kunden sind ja eh schon da. Nur aber eben nicht auf  der Fanpage mit dem winzigen Thumbnail zum Shop. Man wird sie also Posting für Posting auf den F-Shop aufmerksam machen müssen.

Was helfen kann: Die Fans interagieren rege, dürften niedrigere Hemmschwellen beim Facebook-Shopping haben, als andere Kundenkreise.

Darauf hofft auch Charles von Abercron, Gründer und Global CEO von Glossybox: "Wir arbeiten von Anfang an gezielt mit Social Media-Aktivitäten, da ein Großteil unserer Zielgruppe sich hier bewegt. Um den Interessen unserer Kunden gerecht zu werden, sind Social Commerce-Lösungen wie unsere neuen Facebook-Shops die logische und konsequente Weiterentwicklung unseres bisherigen Online-Angebots. Gleichzeitig senken wir mögliche Hemmschwellen, da sich die Nutzer in einem bekannten Umfeld aufhalten und dies für das Einkaufserlebnis nicht verlassen müssen“.

Optimismus gehört dann aber auch dazu: "Ich bin mir sicher, dass sich das Modell Facebook-Shop in den kommenden Jahren zu einem relevanten Vertriebskanal für Unternehmen entwickelt. Voraussetzung ist, dass der neue Service stärker bei Verbrauchern publik gemacht wird."