Das war kein guter Tag für Groupon. Die Gutschein-Plattform legte gestern enttäuschende Zahlen vor. Die Aktie sackte ab. Groupon häufte im Gesamtjahr 2011 trotz massiv steigender Umsätze (plus 419 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar) einen Verlust von 351 Millionen Dollar an. Wer die Plattform aber trotz der hohen Verluste nun abschreibt, gar das Konzept des Online-Couponing insgesamt für gescheitert erklärt, könnte zu pessimistisch denken.  Es gibt eine Reihe positiver Signale.

Die Spötter und Zweifler, sie gab es ja auch schon in den Anfängen von Amazon. Irgendwann wurden sie sehr, sehr still. Abschreiben sollte man den Rabattdienst also noch nicht, auch wenn im vierten Quartal 2011 (Umsatz 506 Millionen Dollar) trotz gegenteiliger Erwartungen weiter Verluste gemacht wurden.

Das operative Ergebnis lag im vierten Quartal nämlich erstmals im Plus: 15 Millionen Dollar. Das lässt hoffen, dass es mit der Plattform weiter voran geht. Positiv auch: Im letzten Quartal des Jahres 2011 sammelte Groupon 506 Millionen Dollar ein und damit rund 30 Millionen mehr als von Analysten erwartet. Für das erste Quartal rechnet CEO Andrew Mason mit weiter steigender Nachfrage und einem Umsatz von bis zu 550 Millionen Dollar.

Kernproblem für Groupon waren bislang die horrenden Ausgaben bei der Kundengewinnung. Das Marketing soll etwas zurückgefahren. Die Werbeausgaben sanken bereits von 170 Millionen Dollar im dritten Quartal auf 156 Millionen Dollar im vierten Quartal. In der Kommunikation will man sich zudem nun stärker darauf konzentrieren, bestehende Nutzer zu weiteren Deals zu ermuntern, als Neukunden zu gewinnen. Man kann sich weniger Tempo erlauben. Schließlich ist die Zahl der aktiven Nutzer gegenüber dem Vorquartal um ein Fünftel gestiegen. Der Couponing-Dienst erreicht nun 250.000 lokale Handelspartnern in 47 Ländern.

Besserer Filter für die Deals

Zudem entwickelt sich das Unternehmen weiter. Darauf deuteten schon einige der Zukäufe von Software-Schmieden in jüngster Zeit hin.  So wie Adku, ein Startup rund um Targeting-Technologien für E-Commerce Websites. So soll nun spätestens im zweiten Quartal ein Feature gestartet werden, mit dem Deals genauer auf die Interessen der Nutzer abgestimmt werden. Dann wäre Schluss mit den für viele Nutzer lästigen und zwecklosen Deals aus der Nagelstudio-Ecke.

Auch sollen Nutzer Deals bewerten können, um uninteressante Angebote nicht mehr zu erhalten. „It allows us to say, ‘Please stop sending me pole-dancing lessons", sagte CEO Andrew Mason bei der Vorstellung der Unternehmenszahlen. Das könnte die Konversion der Angebote insgesamt verbessern. 

Mason verwies zudem auf Studien, die besagen, dass 3 von 4 Groupon-Nutzern auch einen Freund zum Einkauf mitbringen und die Deals für die Händler somit Mehrumsätze über den simplen Rabatt hinaus generieren. 9 von 10 Groupon-Nutzern würden zudem Mehrumsätze tätigen.

Auch bei neuen Geschäftsfeldern soll es voran gehen. So im Bereich Reisen mit dem Partner Expedia. Zudem sollte man vielleicht darauf vertrauen, dass es auch weitere Innovationen geben kann. Dafür plädiert zumindest Christian Leybold,  Partner  bei eVenture Capital Partners, die an Groupon beteiligt sind. 

Und: Die Verluste sind auch ein Ergebnis der aggressiven internationalen Expansion. In den USA sieht es bereits nach gutem Profit aus.

Die Aktie schmierte indes an der Börse trotzdem erst einmal ab. Aber: Der Börsenkurs ist nur die eine Seite. Als Geschäftsmodell macht Groupon einen guten Eindruck und lässt allen Unkenrufen und Börsen-Auf-und-Abs weiter eine dynamische Entwicklung erwarten - für den Couponing-Markt insgesamt.  

Hinweis: Ich habe ein paar Groupon-Aktien. Aber selbst bei gewaltigen Kurssprüngen nach oben wäre der Barwert manch einer Presseeinladung von Unternehmen immer noch ungleich höher.