Die neuen Eigentümer von Hess Natur, Capvis, haben sich bislang nicht wirklich nur Freunde gemacht. Vor allem die Kundenplattform Wir-sind-die-Konsumenten.de hat den Einstieg der Investmentgesellschaft kritisch begleitet.

Jetzt soll die Plattform mundtot gemacht werden. Mit schwerem Geschütz: 200.000 Euro Schadenersatz drohen.

Es wäre wohl das Ende der Kritiker.

Die Investmentgesellschaft Capvis hat die Anwaltskanzlei Allen & Overy LLP beauftragt, Klage gegen die Initiatoren der Kundenplattform einzureichen und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Grund: die Betreiber seien für Gewinnrückgänge bei Hess Natur verantwortlich, würden eine finanzielle Verbindung zwischen Capvis und der Rüstungsindustrie herstellen und zum Boykott der Marke aufrufen. Capvis verneint jeden Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften.

Die für die kleine Plattform gigantische Schadensersatzforderung könne aber reduziert werden, wenn die Betreiber Andreas Schurack und Johannes Mosmann nicht mehr behaupten würden:

  1. die Zahlungen der Hessnatur-Kunden gingen in die Rüstungsindustrie
  2. die Anteilseignerin Capvis der Hess Natur-Textilien GmbH sei in die Rüstung verstrickt
  3. das australische Militär vermehre sein Geld über jeden Einkauf bei der Hess Natur-Textilien GmbH.

In einem offenen Brief nimmt Johannes Mosmann Stellung zu den Vorwürfen. Darin heisst es: „Beide Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage. Weder habe ich zu einem Boykott aufgerufen, noch habe ich über das Verhältnis zwischen Capvis und Rüstung, oder Capvis und dem australischen Militär die Unwahrheit gesagt.“ Unterschreiben will er daher nichts, trifft stattdessen Vorbereitungen für eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Stattdessen präzisiert er noch einmal seine Anschuldigungen rund um die Verquickungen von Capvis - soweit das in dem Geflecht überhaupt möglich scheint.

Dahinter steckt aber auch viel Geraune. Fakt scheint  zu sein: Das  US-Unternehmen HarbourVest ist einer der größten Geldgeber von Capvis. HarbourVest  ist unter anderem am Flugzeugmotorenhersteller Avio beteiligt, der die italienische Armee zu seinen Kunden zählt. Zudem verwaltet HarbourVest rund 87 Mill. Dollar des australischen Verteidigungsministeriums.

 

Auch der Boykottaufruf  entbehre jeder Grundlage. Den sieht man beim Bio-Label Hess Natur offenbar schon in dem Satz gegeben "Wir kaufen erst wieder, wenn die Arbeiter und Kunden, die sich zur Genossenschaft hnGeno zusammengeschlossen haben, hessnatur weiterführen dürfen!“

Nunja.

Mosmann kann sich denn auch eine Spitze nicht verkneifen: "Angesichts eines Kundenstamms von 1 Million dürften die Entscheidungen der knapp 3.500 Kunden, die sich auf wir-sind-die-konsumenten.de eingetragen haben, nicht alleine für die Gewinnrückgänge bei Hessnatur verantwortlich sein. Offenbar sind die Meinungen dieser 3.500 Kunden aber repräsentativ für die Haltung weiter Teile der Kundschaft. "

Retten wird den Umsatz auch die Schadenersatzforderung kaum, rechnet man doch damit,  dass der Gewinn 2012 voraussichtlich um 45% und der Umsatz um 20% sinkt.

Vertrauen in das Haus schafft die David gegen Goliath-Politik auch nicht. Das zerschlägt noch mehr Porzellan. Ein ziviler Umgang mit den Kritikern wäre der bessere Weg gewesen. Beispielsweise im eigenen Unternehmens-Blog. Da aber geht es gerade um die Strickguerilla.