iZettle-Deutschlandchef Andreas Barthelmess über die mobile Kartenakzeptanz, strategische Partnerschaften und die Zukunft der bargeldlosen Bezahlung.

Foto: iZettel
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Seit Oktober 2012 bietet iZettle Kartenlesegeräte für das Smartphone auch in Deutschland an. Wer nutzt diese Form der EC- und Kreditkartenakzeptanz per Handy bislang?

Wir haben ganz unterschiedliche Nutzer: Taxifahrer, Pizzaboten, kleine und mittelgroße Händler bis hin zu Physiotherapeuten und Designerhotels. Aber auch trendige Handelsunternehmen setzen auf unsere Lösung, weil sie die Geräte einfach cooler finden als ein herkömmliches Kartenterminal. Im Pop-Up Store von J. Crew in London können Sie beispielsweise mit iZettle bezahlen. Mit manchen Kundengruppen haben wir beim Start gar nicht gerechnet.

Und wie viele Nutzer hat iZettle bereits?
Täglich kommen etwa 3.000 neue Anmeldungen hinzu. Die überwiegende Zahl der Neuregistrierungen stammt dabei aus Skandinavien und Großbritannien, aber Deutschland wächst sehr stark. So haben wir in Deutschland bereits mehrere zehntausend Kartenleser im Markt. Wir haben es hier mit einem anderen Markt und zum Teil auch anderen Kunden zu tun. Während in Skandinavien und Großbritannien ganz selbstverständlich auch bei kleinen Händlern mit der Karte bezahlt werden kann, ist die Kartenakzeptanz hierzulande noch nicht so verbreitet. In Deutschland kommen viele Neuregistrierungen daher von mittelgroßen Händlern oder Dienstleistern, die die Kartenakzeptanz als zusätzlichen Service für ihre Kunden anbieten wollen. Gerade bei diesen Unternehmen sehen wir in kurzer Zeit deutliche Steigerungen bei den Umsätzen mit iZettle. Bis zum Jahresende wollen wir in Deutschland über 100.000 Kartenleser im Markt platzieren.

Wie hoch ist der durchschnittliche Umsatz bei einer mobilen Transaktion?
Rund 50 Euro, diesbezüglich gibt es europaweit kaum Unterschiede.

Was macht iZettle besser als Wettbewerber wie SumUp, Payleven, Streetpay & Co.?
Gemeinsam mit unseren Mitwettbewerbern haben wir das Ziel, Bargeld zu verdrängen und die Verbreitung der Kartenzahlung zu erhöhen. Der Markt ist riesengroß, daher sind Wettbewerber kein Problem. Wir bieten mit unserer Markterfahrung eine sehr ausgereifte und sichere Lösung an. Dabei schreiben wir die Zahlungen den Händlern innerhalb von zwei bis vier Werktagen gut. Neukunden können sich bei uns in weniger als fünf Minuten online registrieren ohne weitere Dokumente einzureichen. Zudem ist es iZettle gelungen eine Marke aufzubauen und namhafte Partner wie die Deutsche Telekom, die Volksbanken Raiffeisenbanken und Banco Santander zu gewinnen.

Generell ist die Kartenzahlung aber doch ein Auslaufmodell, dem Handy soll die Zukunft des Bezahlens gehören. Braucht es diese Aufsteckgeräte dann überhaupt noch?
Darauf gibt es zwei Antworten: Zum einen wird seit Jahren über die NFC geredet, im Markt ist es aber noch längst nicht angekommen, so wie manche sich das erhoffen. Zum anderen ist unser Ansatz die Akzeptanzseite, nicht ein Wallet oder ein Handyvertrag auf der Endkundenseite. In Schweden haben wir die Anzahl der Akzeptanzpunkte innerhalb eines Jahres um 30 Prozent erhöht - von 150.000 auf über 200.000. Diese Kundenbasis wird auch die Grundlage für unser Geschäft in den nächsten Jahren sein. Wir sind ein "Social Payment"-Anbieter und werden uns als solcher auch ständig technologisch weiterentwickeln.

Foto: iZettle
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Was heißt das konkret?

Wir wissen heute noch nicht, ob die Zahlungsabwicklung über Chipkartenleser in drei oder fünf Jahren noch ein Schwerpunkt unserer Dienstleistung ist. Wir wollen für unsere Kunden zum One-Stop-Shop werden, um kleinen Unternehmen neben Payment auch CRM, Loyaltyprogramme und Datenanalysen anzubieten. Die Zahlungsabwicklung ist dabei der Ausgangspunkt unserer Dienstleistungen. Vor wenigen Wochen haben wir beispielsweise "Business Insights" eingeführt. Damit erhält jeder Händler, der iZettle nutzt, tagesaktuelle Verkaufsstatistiken, um sein Geschäft zu optimieren. Unsere Partner von den Volks- und Raiffeisenbanken, die eng mit kleineren Händlern in Kontakt sind, finden diese Angebote sehr interessant. Sie kennen sicher die IBM-Werbung, in der das Sortiment einer Bäckerei von intelligenter Software gesteuert wird. Eine Bäckerei ist aber selten Kunde von IBM oder SAP - wir sind mit unserer Lösung viel näher an dieser Kundengruppe dran. Das macht uns in naher Zukunft interessant für Systemanbieter, die sich in unsere Lösung integrieren wollen. Sie werden ihre Systeme an unsere andocken können. Schon heute hat die Deutsche Telekom verstanden, dass iZettle viel mehr ist als ein Zubehörartikel, es ist der Einstieg in eine langfristige Geschäftsbeziehung mit kleinen Unternehmen.

Die spanische Santander Bank hat in der vergangenen Woche 5 Millionen Euro in iZettle investiert. Was soll mit dem frischen Kapital finanziert werden?
Hier ging es weniger ums Geld, als vielmehr um den Ausbau einer strategischen Partnerschaft. Deshalb war dies auch keine klassische Finanzierungsrunde. Die Banco Santander ist in Spanien bereits ein bedeutender Partner von iZettle und wird auch bei der weiteren globalen Expansion eine wichtige Rolle spielen. Gemeinsam mit Banco Santander werden wir nun beispielsweise auch den mexikanischen Markt für iZettle erschießen.

Interview: Hanno Bender