Mit ein wenig Böswilligkeit könnte man das Kürzel des Branchenverbands HDE auch als "Hospiz des Deutschen Einzelhandels"  übersetzen. Nach dem Pippilotta-Prinzip redet der sich die kriselnde Welt schön. Der HDE bejubelt ein Flächenwachstum.

Rechnet dabei munter einen „Schlecker-Faktor“ heraus. Wie anders der Tenor auf dem Handelsimmobilien-Gipfel 2013. „Klein- und Mittelstädten droht die Verödung", mahnen dort die Experten.

Nun kann man sich mit Statistiken immer die Welt schönfärben.

Denn gerade die großen Ketten klagen seit Jahren über Flächenüberhang. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub geht beispielsweise von 25 Prozent zu viel Ladenfläche in Deutschland aus. Das weiß auch der HDE und sieht denn auch zumindest für die Zukunft  Grenzen für das Flächenwachstum.

Zudem  ist das Flächensterben in Teilen nur aufgeschoben. Von heute 196 Warenhausstandorten sei für 93 eine Schließung mangels Rentabilität die sinnvollste Lösung, verweist  Gert Hessert, Geschäftsführender Gesellschafter von Think Development auf  dem Kongress auf Studienergebnisse. Überleben würden die Standorte nur auf Grund gigantischer Schließungskosten und Druck der Arbeitnehmervertreter.

Zumindest ein wenig könnte das Flächengeschäft sogar von Onlinern profitieren. Doch die interessieren sich eher für Showrooms. Angesichts von Spitzenmieten in den Top-Einkaufsmeilen sind diese Läden eher ein Marketinginstrument, nicht aber ein Renditebringer. Beton vernichtet Marge. Sogar Starbucks würde sich einige 1a-Lagen heute nicht mehr erlauben. 

Von den E-Commerce-Anbietern profitieren zudem eher die großen Zentren. "Wir gehen in keine Stadt mehr mit weniger als 100.000 Einwohnern. Das Geld investieren wir lieber in unseren Onlineshop", sagte Wilhelm Josten, Gründer und Geschäftsführer des Wohnaccessoires-Anbieters Butlers auf dem Handelsimmobilien-Gipfel.  Auch für ihn ist Kundenbindung und die Gewinnung von Neukunden - auch mit Blick auf online - dabei ein zentraler Faktor. 

Mehr zum Handelsimmobilien-Gipfel 2013 bei Der Handel.