Noch ist im E-Commerce nicht jedes Segment voll besetzt: „Das Thema Kindermode im Internet hat in Deutschland mit Sicherheit noch großes Wachstumspotenzial. Das gilt insbesondere für den klassischen Direktvertrieb eines Herstellers an seine Kunden", sagt Alexander Reichhuber, einer der drei Gründer des gerade gestarteten Shopanbieters Kindsstoff.

Vor allem zwei Gründe sprechen dafür: Eltern sind regelmäßige Wiederkäufer, weil die Kinder wachsen, gleichzeitig sind Kinder nicht so wählerisch, die Retourenquote bleibt im Rahmen. Kindsstoff geht mit einem ganz besonderen Konzept an den Markt: Die farbenfrohen Artikel werden gemäß den Auflagen des „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) samt und sonders in Deutschland, genauer gesagt in der Schwäbischen Alb hergestellt. Und: Sie können zurückgegeben werden, wenn die Kinder herausgewachsen sind.

Wer Artikel auf Kosten von Kindsstoff zurückschickt, bekommt bis zu 20 Prozent Rabatt auf weitere Einkäufe. Was noch wiederverwertbar ist, wird aufgearbeitet („refurbished“) und unter dem Motto „Kindsstoff ZWEI.NULL“ wieder verkauft. Jeder dritte zurückgegebene und verwertbare Artikel geht zudem als Spende an die SOS-Kinderdörfer. Mit „Kindsstoff ZWEI.NULL" kann das Unternehmen auch Eltern, die keine höheren Preise zahlen können, für einstellige Euro-Beträge Kindermode anbieten. Sebastian Schmöger, ebenfalls Kindsstoff-Gründer: "Unser ZWEI.NULL Ansatz zielt nicht darauf ab, ein weiteres Mal Gewinn zu machen. Er spiegelt jedoch wider, was uns wichtig ist: Ein Unternehmen sollte nicht nach dem Verkauf seiner Produkte aufhören, sich für deren weiteren Verbleib verantwortlich zu fühlen."

Das Team: Sebastian Schmöger, Lisa Wesner, Robert Rebholz und Alexander Reichhuber (v.l.)
Das Team: Sebastian Schmöger, Lisa Wesner, Robert Rebholz und Alexander Reichhuber (v.l.)

Kindsstoff wurde im vergangenen Jahr von den drei ehemaligen A.T.-Kearney-Beratern Alexander Reichhuber, Sebastian Schmöger und Robert Rebholz in München gegründet. Die sechsstellige Finanzierung stammt schwerpunktmäßig von einem Business Angel. Ende Juni ist der deutsche Shop online gegangen. Daneben will Kindsstoff (unter diesem Namen!) in den USA Fuß fassen, wo Robert Rebholz das Geschäft aufziehen will.

Zurzeit ist Kindsstoff dabei, erst einmal bekannt zu werden. Neben SEO/SEM-Aktivitäten stehen dabei PR-Aktivitäten in Eltern-Communitys und auf Blogs im Vordergrund, die an nachhaltigen Produkten interessiert sind. So wurde Kindsstoff gleich zum Start von Lohas-blog.de in die „Hall of Fame“ der „Lohas-Vorbilder“ aufgenommen. Im nächsten Schritt versuchen die Gründer, die lokale Presse in München und in Baden-Württemberg (Produktionsstandort) zu interessieren – die PR ist ein langer, steiniger Weg, der nicht direkt zum Feature in „brandeins“ führt. Das liege daran, so Schmöger, dass die Öffentlichkeit heute in gewisser Weise satt sei, was innovative Startup-Ideen angehe: "Es ist heute schwieriger, mit innovativen E-Commerce-Konzepten eine breite mediale Aufmerksamkeit zu erregen. Das war sicherlich vor einigen Jahren noch etwas leichter."