Es ist ein Satz, den manch einer, verstört von disruptiven Techniken und Modellen, auf Kongressen gerne hört. Weil er so beruhigend wirkt. "Nicht schneller werden. Nicht die Geschwindigkeit des Wettbewerbs fahren. Haben wir die Zeit? Ja, haben wir."   So etwa formulierte es Folkert Schultz, Leiter der Unternehmensstrategie bei Galeria Kaufhof, auf dem E-Fashion-Kongress der Textilwirtschaft.  Ich würde da widersprechen. Heftig.

Es war einer der häufig gehörten Sätze auf diesem Kongress. "Wir sind da etwas spät dran".  Manchmal klang das entschuldigend, manchmal verzagt, manchmal defäitistischSpät mit der Technik, spät mit den Modellen, vor allem aber ist man spät am Kunden. Denn der hat in seiner hybriden Wollust schon längst ein anderes Tempo. Ihm rennen die klassische Versender online zunehmend ebenso hinterher wie den Wettbewerbern. 

Sicherlich gibt es keinen Grund zur Hektik und manch eine Bremse sitzt auch eher in den Schnittmusterbögen komplexer IT-Abteilungen als in den Lähmschichten des Managements. Aber gerade das macht es so gefährlich, sich weiter Zeit zu lassen.  Die Pure Player kennen diese Bremsen nicht. Und sie scheuen auch weniger Risiken.

Ich erinnere mich an Sätze aus dem Management eines großen Versenders, das bei den ersten Gehversuchen von Amazon im Bereich Bekleidung mit aller Gemütsruhe abwinkte, obwohl es das Kerngeschäft betraf. Vom Markenstärke, von Kompetenz war da die Rede, von Retourenquoten, Lieferantenkonditionen, vom Kundenverhalten, von hohen Verlusten und blutigen Nasen, die sich Amazon da holen werde - Sie kennen solche Argumente vermutlich, wenn Sie im Business Development sitzen und dicke Bretter bohren müssen. Der Versender steht heute - höflich gesagt - nicht einmal mehr mittelgut da.  

Es hängt auch damit zusammen, dass die Händler alten Schlages fast schon entschuldigend von sich geben, man sein eben kein Innovationsführer. Das ist eigenartig. Man war es einmal: Konzept, Markenversprechen, Gestaltung. Sortiment, Umsetzung. Jetzt richtet sich der Fokus auf die Sicherung des Kerngeschäfts, statt nach vorne. Es fehlt an den großen Zielen. 

Gerade haben Zalando und der Marktplatz-Spezialist Tradebyte eine Kooperation für die Anbindung von Händlern und Lieferanten an die Zalando Partner Plattform geschlossen. Zalando wird damit zum Marktplatz auch für andere Händler. Das ist ein Blick nach vorne. Und der Blick auf passende Gegner. Die sind, und ich wage da mal eine steile These,  für Zalando nicht Kaufhof, Otto, Neckermann.de und Co, sondern Amazon. Wer erster sein will, der orientiert sich nicht an jenen, die langsam laufen. Denn auch beim Marathon kommt manch einer in zwei Stunden ins Ziel und manch einer mit dem Kehrwagen.