Auf dem E-Commerce-Boom und die neue Aufgaben für die Logistik reagiert DHL Paket mit erheblichen Investitionen. Der Wunsch der Verbraucher nach mehr Flexibilität, Einflussnahme und Transparenz wirkt sich schließlich auch auf die Logistik aus. 

Erst recht wenn der Marktanteil des Onlinehandels am Gesamtkonsum von sieben Prozent auf bis zu 20 Prozent steigt, wie der Logistiker prophezeit.

Thomas Ogilvie (Foto), Senior Vice President Online- und  Empfängerstrategie, bei DHL Paket Deutschland, ist im Interview mit etailment überzeugt, dass dabei gerade individuelle Zustelloptionen die Loyalität zum Webshop verbessern können.

Wo sehen Sie die wichtigsten Herausforderungen in der Logistik in 2013?
Wir glauben, dass das Paketgeschäft bis 2020 jedes Jahr um fünf bis sieben Prozent zulegen wird. Haupttreiber ist der E-Commerce-Boom: Unserer Ansicht nach wird der Marktanteil des Onlinehandels am Gesamtkonsum von sieben Prozent auf bis zu 20 Prozent steigen. Das bedeutet auch, dass wir als Paketdienstleister unsere Infrastruktur auf dieses Wachstum ausrichten müssen.

Wir modernisieren und erweitern unser Paketnetzwerk deshalb bereits seit 2012 im Rahmen einer Gesamtinvestition von 750 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2015 wird dabei die Leistungsfähigkeit der Paketproduktion durch neue Technik – Maschinen und einzelne Module sowie neue IT-Anwendungen – und teilweise veränderte Produktionsprozesse noch einmal deutlich erhöht.

Auf welche Verbrauchererwartungen im Bereich Logistik muss der interaktive Handel vordringlich reagieren?

In der Zukunft wird sich die Paketzustellung noch erheblich gegenüber dem heute Gewohnten weiterentwickeln. Die informatorische Selbstbestimmung, die wir durch das Internet erleben, wird sich auch auf die Logistik auswirken: Verbraucher wünschen sich auch hier mehr Flexibilität, Einflussnahme und Transparenz. Dies wird ebenfalls zu mehr Optionen bei der Geschwindigkeit der Lieferungen führen. Bestimmte Produkte wie Lebensmittel werden sofort geliefert werden, andere, weniger dringende, in der normalen Lieferzeit. Den Zeitpunkt der Lieferung wird der Konsument selbst bestimmen können. Der Sendungsstatus wird in Echtzeit nachvollziehbar sein und die Verbraucher werden in den Sendungsverlauf eingreifen können, um die Sendungen zeitlich und räumlich zu steuern.

Mit welchen Innovationen vereinfacht DHL für den Online-Handel Logistik und Fulfillment?
DHL Paket ermöglicht Webshops ein schnelleres Wachstum durch effiziente Versand- und Fulfillmentlösungen aber auch über das eigene Shoppingportal MeinPaket.de als zusätzlichen Abverkaufskanal. Ein weiterer wesentlicher Treiber für Erfolg im Onlinehandel ist, den Endkunden optimalen Service rund um die Paketzustellung zu bieten. Der Onlineshopper erwartet generell eine schnelle Lieferung seiner bestellten Ware. Noch wichtiger aber ist, dass er sein Paket unkompliziert und auf direktem Weg in Empfang nehmen kann. Zustellung an eine DHL Packstation, an eine Wunschfiliale oder auch an einem Wunschtag sind da nur einige Beispiele. Diese Zustelloptionen kann der Empfänger online über www.paket.de individuell festlegen. Das schafft zufriedene E-Commerce Kunden und Loyalität gegenüber dem Webshop.

DHL ist mit Meinpaket und Allyouneed selbst ein wichtiger Player im E-Commerce-Geschäft.
Welche Erwartungen verknüpfen Sie damit?

Das Shopping-Portal MeinPaket.de und unsere Beteiligung an Allyouneed sind Teil der Geschäftsstrategie von DHL Paket, Online-Händlern ein umfassendes Service-Angebot verbunden mit umfassender Beratungskompetenz bereitzustellen. Neben dem Online Marktplatz sowie dem Paketversand und Fulfilmentleistungen für E-Commerce-Händler bieten wir zum Beispiel auch mit POSTPAY ein eigenes Online-Bezahlverfahren an, das nicht nur auf MeinPaket.de integriert ist, sondern auch in jeden Webshop eingebunden werden kann.

Und Allyouneed?

Als strategischer Investor bei Allyouneed wollen wir den Lebensmittelversand in Deutschland in enger Zusammenarbeit mit der Branche weiterentwickeln. In Deutschland ist die Einstiegshürde für die Online-Bestellung von Lebensmitteln noch relativ hoch: Die Suche der Produkte im Netz ist aufwendig, der nächste Supermarkt aber meistens direkt um die Ecke. Viele deutsche Verbraucher decken ihren Bedarf preisgünstig beim Discounter und sind nicht bereit, zusätzliche Versandkosten zu übernehmen.

Schwerpunkt Logistik

Auf welche Verbrauchererwartungen im Bereich Logistik muss der Interaktive Handel vordringlich reagieren?

Fälschlicherweise denken die meisten beim Lebensmittelhandel auch immer direkt an temperaturgeführte Ware, die aber nur einen geringen Teil des Markts ausmacht. Der eigentliche Markt, der Fast Moving Consumer Goods beinhaltet beispielsweise auch Drogerieartikel, Gemüse und Brot, die eben keine Kühlung brauchen. Wir forschen und probieren unterschiedliche Konzepte aus. Zielgruppe sind vor allem junge Familien, die bei ihrem Wocheneinkauf zu 80 Prozent die gleichen Lebensmittel einkaufen wie in der Vorwoche. Genau da setzen viele neue Angebote wie Allyouneed.com oder mytime.de an.

Viele Händler schielen auf Internationalisierung. Wie unterstützt DHL dabei die  Händler?
Der Konzern Deutsche Post DHL ist der weltweit führende Logistikdienstleister mit eigenen Standorten in 220 Ländern und Territorien. Unsere Kunden profitieren beim Schritt in internationale Märkte häufig durch unser lokales Know-how. Insbesondere, wenn die Firmen erst dabei sind, einen grenzüberschreitenden Handel oder Geschäftskontakte im Ausland aufzubauen. Beispielsweise bietet DHL als einer der wenigen Paketdienstleister einen bequemen, länderübergreifenden Retourenservice.