Wie sieht der Startbildschirm bei einer Branchengröße aus, welcher Top-Manager hat kein Smartphone, welcher Trend im E-Commerce wird völlig unterschätzt, wie steht es im Wettbewerb Bricks gegen Klicks, welche Tech-Aktien würden Entscheider kaufen und wer googelt seinen Namen ganz besonders oft?

Diese und andere Fragen, mal verspielt, mal ganz sachlich, stellt etailment in loser Folge den Branchengrößen.

Diesmal:  Jörn Haack, Geschäftsführer von fabfab, Europas führendes E-Commerce-Unternehmen für textile Meterware &  Zubehör.  und betreibt neben stoffe.de derzeit Onlineshops in 11 weiteren europäischen Ländern. 

Wie viel Prozent Ihrer E-Mails löschen Sie unbesehen? 

Ca. 25%. Die Spamflut hält sich bei mir glücklicherweise in Grenzen.

Muss jeder Retailer ein E-Tailer sein?

Ja, das wird mittelfristig kaum jemand vermeiden können.

Geht künftig nur noch Clicks UND Bricks?

Das ist wahrscheinlich stark davon abhängig, in welcher Branche man tätig ist. Für uns sehe ich da keine Notwendigkeit, wobei ich gleichzeitig auch denke, dass es sich lohnen würde.

"Ich halte nicht viel von Katalogen"

Wann hat der Katalog ausgedient?

Ehrlich gesagt halte ich nicht viel von Katalogen, obwohl sie bei einigen Zielgruppen sicher noch notwendig sind, da diese noch keine entsprechende Online-Affinität haben. Aber wenn man andere Aspekte wie Nachhaltigkeit, Kosten, Aktualität und Möglichkeiten der Präsentation betrachtet, sind die klassischen Kataloge aus meiner Sicht überflüssig. In anderer Form werden sie sich aber sicher noch länger halten, z.B. wenn sie einen echten Mehrwert schaffen können indem sie die Problematik der fehlenden Haptik beseitigen.

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten unterschätzt?

Mass Customization. Das wird sich meiner Meinung nach noch stark entwickeln.

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten überschätzt?

Mobile Commerce (noch). Die Präsenz des Themas steht derzeit in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Relevanz. Aber für einige Branchen ist das sicher ein sehr wichtiges Thema.

Blackberry oder iPhone? Oder Android?

Android!

Wieviel Zeit verbringen Sie täglich vor dem Bildschirm?

Durchschnittlich sind das wohl 10 Stunden.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Gedruckt oder elektronisch?

Shantaram von Gregory David Roberts. Ein wirklich großartiges Buch. Was Bücher betrifft, bin ich noch nicht beim elektronischen Lesen angekommen.

Mit wem würden Sie gerne einmal den Schreibtisch tauschen?

Ein paar Tage bei unseren Konkurrenten wären aber sicher ganz interessant.

Wo holen Sie sich Kraft und Anregungen für den Job?

Die Kraft gibt´s von meiner Familie. Anregungen findet man reichlich, wenn man die Augen offen hält. Daneben kann es nicht schaden, die üblichen Blogs zu lesen und hin und wieder mal eine Konferenz zu besuchen.

Was wäre die Welt ohne Internet? Besser? Schlechter?

Definitiv schlechter. Sofern man zur Einschätzung von Quellen in der Lage ist, hat man heute eine Verfügbarkeit von Informationen, die vor 15 Jahren noch vollkommen undenkbar war. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie Online-Anwendungen das Leben von Menschen positiv beeinflusst haben. Gerade in afrikanischen und asiatischen Staaten sind viele spannende Projekte entstanden, die in Verbindung von mobile und online die Alltagsprobleme der Menschen etwas kleiner machen. Und nicht zuletzt hätte es ohne das Internet unsere Firma nie gegeben.