Wie sieht der Startbildschirm bei einer Branchengröße aus, welcher Top-Manager hat kein Smartphone, welche Trends sehen die Macher im E-Commerce, welche Tech-Aktien würden Entscheider kaufen und wer googelt seinen Namen ganz besonders oft?

Diese und andere Fragen, mal verspielt, mal ganz sachlich, stellt etailment in loser Folge den Branchengrößen. Diesmal: Stefan Puriss. Der 41-Jährige  ist Geschäftsführer von Frontlineshop.com.

 Also, mal ehrlich, Herr Puriss:

Was zeigt Ihr Start-Bildschirm, wenn Sie den Computer einschalten?

Stefan Puriss: Auf meinem Computer ist zurzeit ein Foto meiner Tochter als Hintergrund zu sehen und die Startseite im Browser ist selbstverständlich meine eigene: www.frontlineshop.com

Wieviel Prozent Ihrer E-Mails löschen Sie unbesehen?

Stefan Puriss: Das beläuft sich im Schnitt auf ca. 10% der eingehenden Mails.

Was haben Sie zuletzt online gekauft?

Stefan Puriss: Ich habe eine Nachtlampe bei amazon gekauft.

Ihre Lieblings-Websites beruflich?

Stefan Puriss: Ich habe keine spezielle Lieblings-Website und mein berufliches Surfverhalten ist eher selektiv und schnell. Ich könnte jetzt ad hoc nicht sagen, welche Seite mich abgesehen von Facebook oder Google im letzten Jahr besonders interessiert oder gar gefesselt hat.  

Ihre Lieblings-Websites privat?

Stefan Puriss: Für Infos ist das seit langer Zeit Spiegel.de, für den täglichen Bedarf klicke ich auf amazon.de, für Musik und Filme nutze ich itunes und zum Stöbern kaufmann-mercantile.com. Das ist ein US Blog-Shop, der einfach, klar und ehrlich ist.

Wer hat den besten Online-Shop?

Stefan Puriss: Das ist Amazon. Hier funktionieren alle wichtigsten Distanzhandelskomponenten 100% verlässlich und die Nachfrage wird durch das enorm breite und verfügbare Angebot zuverlässig befriedigt.  

"Der Sprung von Brick auf Click ist extrem groß und teuer."

Muss jeder Retailer ein E-Tailer sein?

Stefan Puriss: Nein, auf gar keinen Fall. Jeder Händler muss nach seinen eigenen Kriterien und Möglichkeiten individuelle Kanäle definieren, über die er den Kunden erreicht. Wichtig ist, dass der Händler das eigene Marken- bzw. Kundenversprechen in jedem Kanal konsequent einhält. Der Sprung von Brick auf Click ist extrem groß und teuer, das wird leider häufig unterschätzt.  

Geht künftig nur noch Clicks UND Bricks?

Stefan Puriss: Das ist eine Frage auf die es keine Anwort gibt. Hersteller und Handel müssen einen natürlichen Umgang miteinander finden.

Wann hat der Katalog ausgedient?

Stefan Puriss: Bis jetzt ist dieser Zeitpunkt definitiv nicht absehbar. Ob sich ein Katalog lohnt oder nicht, hängt von dem Geschäftsmodell des Anbieters und einer Vielzahl von Individualfaktoren ab. 

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten unterschätzt?

Stefan Puriss: Hier ist sicherlich an erster Stelle die Pflege der direkten Kundenbeziehung zu nennen.

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten überschätzt?

Stefan Puriss: Intermediäre Geschäftsmodelle, die uns vordergründig Optimierung vorgaukeln, in Wirklichkeit aber die Kundenbeziehung verteuern und distanzieren.  

Blackberry oder iPhone? Oder Android?

Stefan Puriss: Ich hänge heute noch am iPhone, die Antenne und der Akku nerven mich aber.  

Facebook oder Google+? Oder Xing?

Stefan Puriss: All In

"Modern Combat 3; für das seelische Gleichgewicht."

Welche App sollte man unbedingt auf seinem iPad/iPhone haben?

Stefan Puriss: Modern Combat 3; für das seelische Gleichgewicht.

Was ist der größte Unsinn, der jemals für das iPhone programmiert wurde?

Stefan Puriss: Auch das ist Modern Combat 3.

Auf welches (noch nicht marktreife) digitale Tool möchten Sie nicht mehr länger warten müssen?

Stefan Puriss: Mobile-/Online- Payment mit Beträgen im Rahmen der persönlichen Bonität die am besten über die Telefonrechnung verrechnet werden.

Würden Sie Facebook-Aktien kaufen? Warum/warum nicht?

Stefan Puriss: Wenn ich Spielgeld hätte, ja.

Wieviel Zeit verbringen Sie täglich vor dem Bildschirm?

Stefan Puriss: Acht Stunden und vor Bildschirmen in unterschiedlichen Formen und Größen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Gedruckt oder elektronisch?

Stefan Puriss: Heinz Strunk in Afrika, gebundene Ausgabe – sehr zu empfehlen!  

Wie häufig googeln Sie Ihren Namen?

Stefan Puriss: Gar nicht mehr, dafür gibt es Google Alerts.

Mit wem würden Sie gerne einmal den Schreibtisch tauschen?

Stefan Puriss: Mit Bruce Wayne. Morgens leichte Büroarbeiten, Mittagessen mit dem Bürgermeister und sich abends auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.

Wo holen Sie sich Kraft und Anregungen für den Job?

Stefan Puriss: Insbesondere auf meinen Reisen. Mit ein bisschen Abstand sieht man die Dinge viel klarer.

Was wäre die Welt ohne Internet? Besser? Schlechter?

Stefan Puriss: Beides. Keine andere technische Erfindung wird die Menschen so nachhaltig verändern wie das Internet.

Die Fragen stellte Jürgen Müller