Jahrelang war der Matratzenmarkt wie zementiert. Doch dann kamen US-Startups und ihre deutschen Nachahmer auf die Idee der „One-Fits-All“-Matratze samt gewaltiger Serviceversprechen. Inzwischen will es sich eine ganze Reihe von Startups in der Noch-Nische in Deutschland behaglich machen. Wer sind die Player und wie steht es um ihre Chancen zum Zalando für Matratzen zu werden?

 

Welche Player mischen im Markt mit?

Casper:

Für den Hype mitverantwortlich ist Casper. Das Startup wurde von "Forbes" bereits unter die „Hottest Startups 2015“ gewählt. Caspar konzentriert sich als einer der ersten Anbieter auf ein „One-Fits-All“-Matratzenmodell und lieferte die "Caspar Matratze" ohne Zwischenhändler und beinahe schon handlich zusammengerollt. Versand: Kostenlos. Retoure: Kostenlos. 100 Tage Test im eigenen Bett inklusive. In den USA bietet Casper sogar zwei Showrooms auf.
Nun ist das Startup Casper in Deutschland, Österreich und in der Schweiz gestartet. Caspar kommt mit vollen Taschen nach Deutschland. Das Startup hat bei Investoren inzwischen über 70 Millionen Dollar gesammelt. Und es gibt prominente Namen unter den Unterstützern. Beispielsweise Leonardo DiCaprio und Ashton Kutcher. Ob das alles eine Bewertung von einer halben Milliarde Dollar rechtfertigt? Immerhin: Im ersten vollen Geschäftsjahr generierte Casper rund 100 Millionen Dollar Umsatz. Wohl auch, weil das ursprüngliche Sortiment von Casper um Kissen und Bettwäsche erweitert wurde.

Emma Matratzen

Emma Matratzen, gegründet von Max Laarmann und Markus Ott, ist einer der großen Anbieter im deutschen Markt für One-Fits-All-Matratzen. Das erst 2015 gegründete Startup wird von Business Angels gestützt. Emma liefert sogar zum Wunschtermin und zeigt sich inzwischen auch offline. So am 22. Und 23. Juli im Main-Taunus-Zentrum bei Frankfurt.  

Bruno

Mal wieder ein Männername. Diesmal erdacht von den Gründern Felix Baer und Andreas Bauer. Das Duo, es finanziert das Startup Bruno aus der eigenen Tasche, will 2016 10 Millionen Euro Umsatz mit ihrer Matratze schaffen.

Eve

Oder doch lieber ein Frauenname? Eve ist ein deutsch-englisches Startup, das sich mit der eve Matratze in UK bereits einen Namen gemacht hat. Die Gründer Jas Bagniewski, Kuba Wieczorek, James Fryer haben inzwischen bei Investoren wie Octopus Ventures, DN Capital sowie dem britischen TV-Sender Channel 12 Millionen Euro eingesammelt. Denen versprechen sie für 2016 rund 20 Millionen Euro Umsatz. 2015 waren es noch rund 5 Millionen Euro.

Muun

Das Berliner Startup unterscheidet sich vor allem dadurch, dass es seine Matratze Muun in zwei Farben bietet und einen Flagship Store in Berlin-Mitte vorweisen kann. Zudem verkauft Muun, 2015 von Vincent Brass und Frederic Böert gestartet, auch bereits Kissen und Bettwäsche. Geld gabs bislang von einigen prominenten und illustren Business Angels.

Buddy

Auch das Matratzen-Start-up buddy von Alexander Stelmaszyk und Stefan Zundel klingt irgendwie männlich. Die Matratzenmarke buddy wird unter anderem über BettenRiese, den Onlineshop des Duos, vertrieben. Die Gründer, die unter Cubitabo GmbH firmieren, konnten sich zuletzt ein Millioneninvest der TriPos GmbH sichern, hinter der die Familie Pohlmann steht. Hierzulande auch bekannt durch die Poco-Märkte.

Wie unterscheiden sich die Startups?

Nur wenig. Allesamt bieten die Startups als pure Player eine One-Fits-All-Matratze, offerieren einen kostenlosen Versand, der in der Regel in einer Box zusammengerollten Liegefläche, offerieren vielfach kostenlose Retouren samt Abholung und die meisten gönnen dem Kunden sogar 100-Tage-Rückgaberecht. Entsprechend ähneln sich die Versprechen: Tolle Matratze, unkomplizierter, schneller und sicherer Einkauf. Die Mehrheit produziert in Deutschland und verkauft ohne Zwischenhändler. Internationalisierung und Produkterweiterungen hat manch einer angedacht, wenige haben das bislang umgesetzt.  Unterschiede gibt es vor allem in der Preispositionierung.

Wie groß ist der Markt?

In Deutschland werden laut Emma pro Jahr Matratzen für 1,5 Milliarden Euro verkauft, für rund 100 Millionen Euro davon online. Den Markt für One-Fits-All-Matratzen sieht man derzeit bei 30 Millionen Euro. Der Matratzenverband kennt hingegen andere Zahlen. Dort rechnet man insgesamt mit rund 6 Millionen verkauften Matratzen jährlich und einem Gesamtumsatz von rund 800 Millionen Euro.

Wie sind die Aussichten?

Tja. Noch ist der Markt für One-Fits-All-Matratzen überschaubar. Da werden sich sicher nicht alle Player halten. Erst recht nicht, wenn die arrivierten Händler in den Wettbewerb einsteigen. Mit Smood hat Home24 bereits eine Eigenmarke im Segment der „One-Fits-All“-Matratzen am Start – samt der üblichen Serviceversprechen.  Auch die  bmp Holding (www.perfekt-schlafen.de und www.matratzendiscount.de) bietet mit Sleepz ein eigenes Modell auf.

Daher dürfte manch ein Gründer das Wort „Nachhaltigkeit“ gar nicht erst im Business-Plan stehen haben und auf Exit setzen oder sich zumindest freuen, eine hippe Startup-Idee  in der Vita zu haben. 

Denn ein Kernproblem besteht quasi von Geburt an. Nämlich die Frage nach der Kundenbindung und der Wiederkaufraten. Oder wie oft kaufen Sie Matratzen?

Lösen lässt sich das Problem nur durch eine Sortimentserweiterung. Doch ob der Kunde diesen Weg mitgeht? Unklar.

Für die Startups sprechen allerdings traumhafte Margen im Matratzenmarkt und ein bislang eher unbeweglicher Markt, der eine Auffrischung vertragen kann.   

Was den Startups und Investoren Mut machen darf: 

Ganz nervös hat sich der Matratzenverband inzwischen beeilt, sich kritisch zum "one fits all"-Konzept zu äußern und unter anderem Hygiene-Risiken beschworen. Beim Verband nimmt man den hippen Trend also mehr als ernst.