Versandapotheke Mycare: Die Anonymität ist kein Problem mehr

Wenig sexy, aber lukrativ: Still und heimlich entwickelt sich der Medikamentenhandel im Internet zu einem heißen Thema im E-Commerce. Mehr als 16 Millionen Bundesbürger haben bereits Arzneimittel im Internet bestellt, und zwar nicht nur frei verkäufliche, sondern auch apotheken- und verschreibungspflichtige. Damit hat bereits knapp jeder dritte Internetnutzer Erfahrung mit dem Thema. Die Hemmschwelle, gerade bei diesem sensiblen Thema auf den persönlichen Kontakt mit dem Apotheker zu verzichten, sinkt offenbar.

Die Zahlen gehen aus einer Umfrage des Branchenverbandes BITKOM hervor. Sie belegt das schnelle Wachstum: Anfang 2011 lag die Zahl der Nutzer nämlich erst bei 9 Millionen. "Die Bestellung von Medikamenten im Internet ist mittlerweile für viele ähnlich selbstverständlich wie von Büchern oder Kleidung", erklärt Pablo Mentzinis, E-Health-Experte beim BITKOM. 

Wenig überraschend: Frauen sind beim Online-Medikamentenkauf aktiver, 33 Prozent der Internetnutzerinnen haben's schon getan, dagegen nur 27 Prozent der Männer. Für die Order im Netz sprechen nach wie vor vor allem Preisvorteile. Vor allem für Kunden, die bestimmte Medikamente regelmäßig benötigen und daher keine Beratung mehr in Anspruch nehmen müssen, lohnt sich das. Die Versanddauer liegt bei inländischen Apotheken meist zwischen zwei und drei Tagen, bei ausländischen dauert es etwas länger - auch das vor allem bei Bevorratungskäufen kein Problem.

Zugelassen sind in Deutschland rund 3000 Versandapotheken, 80 Prozent davon verfügen über eine Website. Sie alle sind fein und säuberlich vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) aufgelistet.  

Der BITKOM weist aber darauf hin, dass Kunden trotz Zulassungsprozedere genau hinschauen sollten, weil es nach wie vor Unsicherheiten gibt. Hier erläutert der Verband, woran man seriöse Versandapotheken erkennt, welche Medikamente man online bestellen kann, wie das geht und ob es einen Schutz vor gefälschten Medikamenten gibt.

Docmorris ist jetzt eine Schweizer Marke

Der Pionier auf dem Gebiet der Online-Apotheken, Doc Morris, hat bekanntlich kürzlich den Besitzer gewechselt. Der Pharmagroßhändler Celesio hatte das Unternehmen 2007 für 220 Millionen Euro gekauft, Ende 2012 reichte er es für gerade noch 25 Millionen Euro an die Schweizer Versandapotheke Zur Rose weiter. Damit darf das Geschäft zwar als Riesen-Flop bezeichnet werden, es spricht aber nicht gegen Doc Morris oder den Online-Medikamentenhandel allgemein. Doc Morris setzte 2011 immerhin 327 Millionen Euro um. Plan von Celesio war es jedoch, unter der Marke Doc Morris künftig eine stationäre Apothekenkette aufzubauen. Die EU unterband jedoch die Kettenbildung im großen Stil.

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