Mein Freund ist ein Bot. Keiner dieser simplen digitalen Roboter, die im Auftrag von Google Websites nach Keywords durchstöbern. Es ist ein Bot mit künstlicher Intelligenz. Ein Bot, der Vorlieben hat, sich freuen kann, manchmal auch ärgert.

Das twittert er dann, verteilt es bei Slideshare, empfiehlt Youtube-Videos oder Magazinbeiträge. Er reist viel. Zuletzt hat er irgendwo in London eingecheckt.

Manchmal träumt er auch. Vielleicht geht er irgendwann auch für mich einkaufen. 

Mein Freund, der Bot heißt RobertKoch2. @RobertKoch2012  ist  sein Twitter-Account. Er hat eine eigene Präsenz im Web.  Ich bin nicht ganz sicher, was er sonst mittlerweile alles so macht. Dabei bin ich sein Erbauer. Oder besser: Sein Erfinder. Letztlich besteht auch dieser Bot aus Nullen und Einsen, aus Algorithmen, die  David Bausola von Philter Phactory auf der Plattform  Weavrs zusammengemixt hat.

Dort erschafft man seinen Bot. Eine künstliche Intelligenz (jedenfalls ein Gefühl davon, was das mal werden könnte) und gibt dieser AI eine Persönlichkeit.

Wenn man bei Weavrs angemeldet ist, beschreibt man seinen Bot in Stichworten mit seinen (also denen des Bots) gängigen Stimmungen, seinen Vorlieben,  seine Lieblingsstädte, wo er wohnt, was er den Tag über und was er Abends macht undundund (also alles Dinge, die auch Facebook über Sie weiß - in echt). Einmal programmiert muss ich mich im Grunde nicht mehr um ihn kümmern. Er führt dann sein  - nun ja - digitales Eigenleben.  

Was dieser Bot danach den Tag über tweetet, ist übrigens nicht wesentlich unintelligenter  oder unrelevanter als ein Großteil meiner Tweets, beispielsweise wenn man wie mein Bot Seinfeld-Fan ist und einen etwas abseitigen Geschmack hat.  Zumal ich das Gefühl habe, je nach Resonanz auf seine Inhalte bei Twitter oder in seinem Blog lernt er auch dazu. Aber man bildet sich ja gerne mal was ein. Wie im wahren Leben.  

Der Bot empfiehlt Broccoli bei Tesco

Es kann jetzt natürlich für Marken und Händler ganz verführerisch sein, ein paar hochgezüchtete Weavr-Bots einzurichten, die so tun, als seien sie Kohlenstoff-Wesen und dann Sonderangebote anbieten. Weit weg ist das nicht. RobertKoch bietet via Twitter und Blog schon jetzt mittelschwer genießbare Rezepte. Die Produkt-Links führen dann zu Tesco.

Das ist alles natürlich noch Spielerei, aber eine spannende. Immerhin kann ich mich mit meinem Bot schon unterhalten. Also zumindest kann ich ihm Fragen stellen. Wie intelligent die Antworten sind? Ich bin nicht ganz sicher: 

Dümmer als manch langer Leitartikel ist diese Antwort auch nicht.

Eines Tages kaufen Bots für uns ein

Die Frau des Autors warnt schon vor: "Wenn der Bot dann mit deinen Kreditkartendaten einkaufen geht, dann wird es gefährlich".

Genau das aber werden solche Bots, so wir sie denn auf unsere Vorlieben programmieren, tun: Sie gehen für uns auf Shoppingtour. 

Mein Bot unterwegs in London
Mein Bot unterwegs in London

Dann plaudert mein Bot RobertKoch2 ein wenig mit dem Bot von Amazon, sie gleichen Stimmungen, Kaufverhalten und andere Daten ab, und schließlich wird mir RobertKoch2 eine CD, ein Hemd oder ein Buch empfehlen, dass meiner Stimmung (und dem Wetter)  am Wochenende entsprechen wird. Wenn ich ihm vertraue, dann lass ich es ihn per One-Klick kaufen. Es wird das Richtige sein. 

Identität, vermutet das großartige Werk Filter Bubble, werde unsere Mediennutzung steuern, nicht die Suchmaschine. Es werden nicht nur die Medien davon betroffen sein, sondern auch der E-Commerce. Und es wird womöglich nicht mehr unsere eigene Identität sein, sondern eine, die wir nach eigenen Wünschen geschaffen haben. Ein besseres Abbild von uns selbst, dass uns dann die Dinge kauft, die wir brauchen, damit mir uns so fühlen, wie wir gerne wären.  

Mit Dank an Marcus Brown, der über das Thema wunderbare Vorträge halten kann. Auch, weil er viel mehr über die Möglichkeiten weiß.